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Fallstudie .tk: Geschäftsmodell kostenlose Domains

Geschrieben am 21 August 2012 von Domainvermarkter-Magazin

zuerst veröffentlicht im Domainvermarkter-Magazin 07

Mit einer Million Neuregistrierungen pro Monat ist die länderspezifische Top-Level-Domain (ccTLD) .tk die am schnellsten wachsende Domainendung. Mitte April 2012 waren bereits 8,5 Millionen .tk-Domains registriert; damit ist die Länderkennung die drittgrößte TLD hinter .de und .com. Bleibt die Rate an Neuregistrierungen so hoch wie in den letzten Monaten, wird .tk die Top-Level-Domain .uk mit aktuell 10 Millionen registrierten Domains als zweitgrößte ccTLD in weniger als drei Monaten überholen. Ebenfalls wäre es möglich, dass .tk sogar demnächst die mit 15 Millionen registrierten Domains erfolgreichste ccTLd .de auf den zweiten Platz verweist. Wie kommt es zu einem derart rasanten Anstieg an Registrierungen einer Länder-Domain, die erst seit kurzem in den Domain Name Industry Briefs des Registrars Verisign Erwähnung findet? Durch ein Geschäftsmodell, das im Internet immer weitere Verbreitung findet: “free”.

.tk ist die ccTLD des kleinen Inselstaates Tokelau. Ähnlich wie Tonga (.to) oder Tuvalu (.tv) vermarktet der im Südpazifik gelegene Inselstaat seine Domains weltweit. Bei gerade einmal 1.500 Einwohnern gibt es für den Bedarf an .tk Domains auch nur wenig Potential in der eigenen Bevölkerung. Die Betreiberfirma Dot TK mit Sitz in London (UK) ist ein Beteiligungsunternehmen der Regierung von Tokelau, deren Kommunikationsfirma Teletok und der Privatfirma BV Dot TK. Die Regierung von Tokelau hat BV Dot TK das Exklusivrecht auf die Registrierungsverwaltung verliehen.

Das Geheimnis der ungewöhnlich hohen Anzahl an monatlichen Domain-Registrierungen dürfte in der kostenlosen Bereitstellung einer .tk- Domain für jedermann liegen. Interessenten können für einen Zeitraum von einem bis zu zwölf Monaten ohne Kosten eine Domain mit .tk-Endung registrieren, wenn sie sich an bestimmte Bedingungen halten. So darf eine Domain nicht für Domainparking benutzt werden und muss eine aktive Webseite beherbergen oder darauf weiterleiten. Pornografische und Gambling-Inhalte sind verboten und führen zu einer Deaktivierung der entsprechenden Domain, ebenso die Verbreitung von Spam, Malware und Viren über die registrierte Webseite. Laut einer Pressemitteilung von Dezember 2011 zielen diese Maßnahmen darauf ab, die ccTLD von Tokelau noch im Laufe dieses Jahres zu einer der sichersten Domainendungen überhaupt zu machen.

Läuft die Domain nach einem Jahr aus oder wird sie wegen Verstößen gegen die Auflagen gesperrt, fällt sie wieder an Dot TK zurück – es sei denn, der Registrant verlängert die Domain kostenpflichtig. Für die Registrierung einer .tk-Domain mit nur einem Buchstaben oder einer Nummer ist generell eine jährliche Gebühr von 2.500 $ fällig. Den meisten Umsatz macht Dot TK allerdings mit Domainparking – also genau der Methode, welche die Registry ihren Kunden strikt verbietet. Fällt eine Domain aus den oben erwähnten Gründen wieder an Dot TK zurück, wird so lange Werbung auf den entsprechenden Seiten geschaltet, bis sich ein neuer Interessent findet. Offenbar sehr erfolgreich: Einem Bericht von Michael Berkens (TheDomains.com) zufolge handelt es sich bei der .tk- Registry mittlerweile um die zweitgrößte Einnahmequelle von Tokelau. Etwa 45 Millionen Domains, die täglich 5 Millionen Besucher generieren, befinden sich im Besitz von Dot TK. Das Geschäftsmodell des Registrars ist simpel, aber effektiv: Wer eine .tk- Domain registriert, kommt zwar in den Genuss einer kostenlosen Domain, muss aber spätestens nach einem Jahr dafür zahlen, um sie weiter nutzen zu können. Zudem bietet nur der kostenpflichtige Premiumstatus Vorteile wie die Anzeige der Whois-Informationen und macht den Domainhalter auch zum Besitzer. In der Zeit, in der sich keine neuen Registranten finden, profitieren die von Dot TK geparkten Webseiten von bereits vorhandenem Traffic.

Über ein ähnliches Modell könnten sich in Zukunft auch Besitzer von neuen TLDs Gedanken machen. Sollten nicht genügend Domains unter der neuen TLDs verkauft werden, könnte man auf das .tk Modell der kostenlosen Registrierung einer eigenen Domain umsteigen.

Von Christian Gräff

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Top-Ten der verkauften TLDs in Q2/2012

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Sedo Domainstudie – .de-Verkaufspreise bleiben auf hohem Niveau

Geschrieben am 06 August 2012 von Domainvermarkter02

In der neuesten Domainmarktstudie muss Sedo zwar einen deutlichen Rückgang der Verkaufszahlen im zweiten Quartal 2012 beklagen, führt dies jedoch auf die vielen Urlaubs- und Ferientage in diesem Zeitraum zurück. Aus deutscher Sicht ist erfreulich, dass sich  der Markt für .de-Domains als solide erweist. Die teuerste über Sedo verkaufte Domain hatte ebenfalls die Endung.de

Grundlage für die  Domainmarktstudie zweites Quartal 2012 (Q2/2012) sind die Sedo-Verkaufszahlen aus den Monaten April, Mai und Juni 2012. Insgesamt wurden über Sedo im Berichtsquartal 9.049 Domains verkauft. Im Vorquartal (Q1/2012) waren es noch 10.133 Domainverkäufe; ein Rückgang um rund 10,5 %. Im Vergleich mit dem Vorjahresquartal (Q2/2011), wo über Sedo noch 10.600 Domains gehandelt wurden, musste mit 14 % ein noch deutlicher Rückgang hingenommen werden. Dies drückt sich auch in den absolutem Umsatzzahlen aus: Das Handelsvolumen reicht in Q2/2012 mit 13.451.759 € bei weitem nicht an die 17.098.740 € aus dem Vorjahresquartal Q2/2011 ran.

Durchschnittspreise für .de-Domains auf Wachstumskurs
Durchschnittspreise von ccTLDs in Q2/2012Der erlöste Durchschnittspreis pro gehandelter Domain fiel, zieht man den Jahresvergleich, um 8,4 %; von 1.612 € in Q2/2011, auf nun 1.487 €. Im Vergleich zu Q1/2012, als der Durchschnittspreis noch bei 1.476 € lag, konnte ein Plus von 0,74 % erzielt werden.

Während .com-Domains sowohl im Jahres, als auch im Quartalsvergleich mit einem Durchschnittspreis von 1.627 € deutlich, um 24,9 % (2.165 €) bzw. um 9 % (1.788 €) einbrachen, konnten .de-Domains preislich zulegen(!): Im Durchschnitt musste in Q2/2012 schon 1.181 € für eine .de-Domain investiert werden. Im Vorjahr waren dies gerade einmal 995 € (+ 18,69 %) und in dem aktuellen Bericht unmittelbar vorangegangenen ersten Quartal 2012, mussten für eine .de-Domain durchschnittlich 1.107 € auf den Tisch gelegt werden, was einem Preisanstieg von 6,68 % entspricht.

Betrachtet man den aussagekräftigeren Median zeigt sich, dass dieser in der Gesamtschau mit 454 € um 11,82 % über dem Wert aus dem Vorjahr (406 €) liegt. Mit leichten Verlusten konnten .com- und .de-Domains diesem Trend nicht folgen. Im Großen und Ganzen blieb diese wichtige Performancegröße aber weitestgehend stabil. Für .com-Adressen betrug der Median in Q2/2012 480 € und für .de-Domains 270 €. Im Vorjahresquartal Q2/2011 waren dies noch 490 € und 300 €.

Als Ursache für die schwächeren Quartalszahlen nennt Sedo, neben dem im zweiten Quartal üblichen Beginn der Feriensaison, die in diesem Jahr vergleichsweise überdurchschnittlich vielen Feiertage, die weniger Arbeitstage zur Folge hatten an denen auch Handel betrieben wurde.

Jede zweite gehandelte Domain eine .de oder .com
Die am häufigsten gehandelte Domainendung bleibt mit 48 % .com. Die deutsche ccTLD .de behält ihren zweiten Rang. 15 % aller über Sedo gehandelten Domains waren eine .de-Domain.
Top-Ten der verkauften TLDs in Q2/2012Im Vergleich zum Vorjahresquartal (Q2/2011) sind dies in beiden Fällen ein Minus von drei Prozentpunkten. Ansonsten hat sich hier wenig verändert. Die kolumbianische .co fällt aus den Top-Ten heraus, dafür ist die spanische .es-Endung mit 2 % wieder drin.
Als einziger Vertreter dieser Rangliste zulegen konnte die spanische Endung .es (+1 %), die nun auf insgesamt 2 % kommt und somit zu .info, .me, der europäischen .eu sowie der niederländischen .nl aufschließen. Insgesamt wurden 110 unterschiedliche Top-Level-Domains gehandelt, wobei Händler aus über 160 Ländern aktiv in Erscheinung traten. Hiervon, mit 51 % in der Addition, mehr als als die Hälfte aus den USA (28 %) und Deutschland (23 %).

Domainpreise: Günstig weiter top, aber auch Mittelklasse Domains stark gefragt
Mit einem Anteil von 55 % verkaufen sich Domains unter 500 Euro auch weiter am häufigsten, bleibt aber mit 1 % mehr (54 %) als in Q1/2012 und 1 Prozentpunkt weniger (56 %) zum Vorjahresquartal Q2/2011 nahezu unverändert. Mit 40 % weiterhin zweithöchsten Anteil (Q2/2011 39 Prozent) an den Gesamtverkäufen hatten auch im Berichtsquartal Q2/2012 wieder Domains die zwischen 500 und 5.000 € gehandelt wurden.

Mit 115.000 € teuerste über Sedo verkaufte und veröffentlichte Domain war im zweiten Quartal 2012 eine unter der deutschen Top-Level-Domain registrierte Domain online-casino(.de). Gruppenreisen.de (59.500 €) sowie geschenkideen.de (50.000 €) vervollständigen die Top-Drei-Liste der .de-Verkäufe und schaffen es sogar auf die Plätze sieben und neun der internationalen Top-Ten-Verkäufe, die nicht länger von .com-Domains dominiert wird. Neben den deutschen, schafften es eine dänische (sommerhus.dk für 87.500 € auf Rang zwei), eine montenegrinische (interest.me für 80.000 US-$ auf Rang fünf), eine des Inselstaates Tuvalu (film.tv für 65.000 US-$ auf Rang zehn) sowie mit hot.net (für 56.700, Rang acht) in die Top-Ten der Top-Verkäufe in Q2/2012).Die drei übrigen Plätze drei, vier und sechs belegen mit ahha.com (112.000 US-$), onlinefreegames.com (90.000 US-$) sowie artdeco.com für 75.000 US-$.

Sofortkauf so beliebt wie nie zuvor und erneut Spitze
Nachdem Sofortkauf-Domains mit einem Anteil von 39 % im vergangen Quartal erstmals den Platz an der Sonne einnehmen konnte, konnte dieser auch im Folgequartal (Q2/2012) gehalten werden und sich sogar nochmals auf einen neuen Rekordwert von 42 % steigern. Noch im Vorjahr befand sich der Gebot-Gegengebot-Verkauf mit 41 % an der Spitze der Verkaufskanäle (nun mit 31 % auf Rang zwei) und Festpreis-Domain-Verkäufe belegten mit gerade einmal 27 % den zweiten Rang. Diese konnten aber sukzessive aufholen, überholen und ist aktuell der Verkaufskanal der Wahl bei Sedo.
Wer sich einen tiefer gehenden Einblick in die aktuellen Studie verschaffen möchte der findet diese hier.

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Sedos Domain-Expose

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Sedo: Domain-Exposé soll Wertbestimmung für Käufer erleichtern

Geschrieben am 03 Juli 2012 von Christoph Grueneberg

Als neue Hilfestellung für Käufer bietet Sedo nun zu jeder angebotenen Domain auch ein Domain-Exposé an. Hierzu werden von Sedo wichtige Kennzahlen zu jeder zum Verkauf stehenden Domain ermittelt. Das Exposé ist mit einem Klick von der Sedo-Detail-Angebotsseite aus zu erreichen. Bestandteile sind folgende Werte:

  • Globale und Lokale Suchanfragen, sowie geschätzter Cost per Click (cpc):

Diese Daten stammen von Google. Wie aktuell die Daten sind ist jedoch leider nicht ersichtlich.

  •  Registrierungsvergleich:

Beim Registrierungsvergleich wird das Alter der ggf. gleichnamigen .com- und .net-Domain ermittelt. Hierbei wird wohl auf das Registrierungsdatum der Whois-Einträge zurückgegriffen. Sollte eine Domain zwischenzeitlich wegen Löschung neu registriert worden sein, so erscheint dieses Datum und nicht etwa das der ersten Registrierung überhaupt. Leider wird auch dies dem Käufer nicht näher erläutert.

  • Registrierungsstatus der Domain in den wichtigsten Endungen:

Hier wird die Registrierung der abgefragten Domain in den 15 wichtigsten Endungen gewichtet ermittelt. Welche Endungen dies im Einzelnen sind ist nicht ersichtlich; genauso wenig wird auch die genaue Gewichtung nicht näher erläutert. Außerdem scheint es bei der Abfrage zu Fehlern zu kommen.

  • IDN-Status:

Hier wird mitgeteilt, ob die eine IDN-Domain ist und dass allgemein 4% aller derzeit bei Sedo gelisteten Domainnamen IDNs sind.

 

Insgesamt nimmt das Domain-Exposé dem Käufer viel Arbeit ab. Vermutlich greift Sedo selbst auch auf diese Werte zurück, wenn im Auftrag eines Verkäufers Domainpreisvorschläge gemacht werden.

Warum wird bei Sedo nie an den Verkäufer gedacht?

Um so unverständlicher ist es, dass dieses Domain-Exposé nicht auch für den Verkäufer leicht zu erreichen ist. Ein Link von der Gebots-Seite für eine Domain aus würde da schon reichen. Seit Einführung der „Gebotsstatistiken für diese Domain“, hat es für Verkäufer keine wesentlichen Verbesserungen für eine einfache Preisermittlung gegeben. Allgemeinen Angaben zu einer Domain, etwa seit wann diese bei Sedo gelistet ist, welche Parkingumsätze in den vergangenen Jahren erzielt wurden und welche Bieter wann auf die Domain geboten haben, lassen sich immer erst nach zahlreichen, umständlichen Umwegen erfahren. Auch  der schon oft ermittelte automatische Preisvorschlag von Sedo wird nicht eingeblendet.

Eine Domain-Detail-Seite mit allen bei Sedo verfügbaren Angaben, sowie der Möglichkeit auch die Verkaufsangaben zur Domain (Mindestpreis etc.) direkt zu bearbeiten, wird seit vielen Jahren auf Verkäuferseite schmerzlichst vermisst.

Genauso wie es eigentlich selbstverständlich sein sollte, dass man Dokumente wie Rechnungen per Email an eine Buchhaltungsemailadresse zugestellt bekommt und diese nicht erst in den Tiefen des Sedo-Systems suchen muss.

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Neue gTLDs: Aufschwung für den Domainmarkt?

Geschrieben am 13 Juni 2012 von Domainvermarkter-Magazin

zuerst veröffentlicht im Domainvermarkter-Magazin 07

Ist es nun aber so, dass gerade bei Domainern die Einführung neuer TLDs abgelehnt wird, weil sie um ihre mühsam erworbenen Pfründe fürchten? Nur die wenigsten Domainer gehen davon aus, dass Domainnamen unter .com oder den Länderdomains wie .de an Wert verlieren werden. Im Gegenteil! Schon in den vergangenen Jahren hat sich immer wieder gezeigt, dass Projekte, die unter Alternativendungen wie .net oder .org begannen, irgendwann auch die dazugehörige .com benötigten.

Viel wichtiger aber ist die neue mediale Aufmerksamkeit, die jetzt schon mit der Einführung neuer TLDs auf den Domainmarkt gerichtet wird. Gerade die regionalen und lokalen Endungen werden das Thema Domainhandel zum allabendlichen Stammtischgespräch werden lassen. Man muss sich nur die Diskussionen über die Fragen ausmalen, wer die besten Domainnamen bekommen darf, wie diese genau verteilt werden und was eine einzelne Domain am Ende kosten wird. Dies birgt genügend Stoff für die Medien.

Mehr mediale Aufmerksamkeit
Wer sich an die Begleitumstände bei der Einführung der letzten .de Kurzdomains erinnern kann, der wird ahnen können wie es zugehen wird, wenn nun eine komplett neue Vergabe von Domainnamen ansteht. Alle Probleme, die in den vergangenen Jahren in dem langsam gewachsenen .de Namensraum entstanden und mühsam gelöst worden sind, werden dann geballt auf einmal auftreten. Im Gegensatz zu reinen generischen TLDs wie .shop birgt eine Stadtdomain wie .berlin viel Konfliktpotential.

Die Diskussionen um den Wert von Domainnamen werden mit Sicherheit dazu führen, dass der Domainhandel an sich mehr Bekanntheit erfährt. Und wünschen sich das nicht alle Domainer schon seit langem?

Von Christoph Grüneberg

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Die Hintergründe für die neuen TLDs

Geschrieben am 13 Juni 2012 von Domainvermarkter-Magazin

zuerst veröffentlicht im Domainvermarkter-Magazin 07

Aus ökonomischer Sicht ist die Entscheidung der ICANN, hunderte oder gar tausende neuer Domainendungen gleichzeitig einzuführen, unsinnig. Politisch mag dies ein Befreiungsschlag sein, muss so doch kein TLD-Bewerber jahrelange Lobbyarbeit betreiben (Dotberlin) oder die Gerichte bemühen (dotxxx), um zu der begehrten eigenen Endung zu kommen. Gleichzeitig wird aber der Wert einer eigenen TLD geschmälert und damit auch das langfristige wirtschaftliche Überleben vieler neuer generischer TLDs in Frage gestellt. Die ICANN begründet die Einführung der neuen TLDs mit Innovation und Wettbewerb.

Mehr Wettbewerb und Innovationen?
Aber hält dieses Argument einer kritischen Betrachtung stand? Kein Autohersteller käme auf die Idee, mit einem Schlag 100 neue Modelle zu präsentieren und zu glauben, es wären gleichzeitig genügend Käufer da. Das Drucken von mehr Geldscheinen führt schließlich auch nicht zu mehr Vermögen, sondern zu Inflation und Bankrott.

Letztendlich, da wird die ICANN Recht behalten, wird die New-TLD-Lawine zu einem gnadenlosen Wettbewerb der neuen Registries um die Domain-Besteller führen. Ob dies dem Domainkunden wirklich nutzt, darf bezweifelt werden. Wenn es wirklich um mehr Wettbewerb ginge, dann müsste die ICANN zuerst die .com Verträge modifizieren: Hier führt das Monopol durch Verisign zu ständig steigenden Preisen. Und das, obwohl nach allen Regeln der Economies of Scale die Registrierungsgebühren sinken müssten und andere TLD-Betreiber wie die DENIC zeigen, dass man weit wirtschaftlicher arbeiten kann.

Cui bono?
Wie kam es also zu der Entscheidung, so viele neue TLDs einzuführen? Bei der ICANN, welche für die Entscheidung der Vergabe neuer TLDs zuständig ist, sind die eigentlichen Domainnutzer nicht oder nur marginal vertreten. Wurde bei der ICANN die öffentliche Wahl für Vertreter der Nutzerschaft 2003 abgeschafft, hat es eine solche bei der DENIC in Deutschland noch nie gegeben. Dabei wäre es technisch keine Schwierigkeit, jedem Domaininhaber eine Stimme zu geben und damit auch eine repräsentative Wahl der Domaininhaber stattfinden zu lassen. Aber der normale Internetnutzer spielt bei der ICANN keine Rolle.

Wer alles profitiert
Die ICANN-Treffen werden dominiert von Lobbyisten, unterwegs in eigener Sache oder als Vertreter von Registraren und Registries. Nur wer hauptberuflich von der ICANN oder deren Arbeit direkt profitiert, kann es sich leisten, die zahlreichen weltweiten Treffen zu besuchen. Daran ändern auch Stipendien nichts, werden diese doch für jedes Treffen neu vergeben. So sind es natürlich Mitglieder aus diesem Umfeld der ICANN, die bereits jetzt kräftig an der Einführung neuer TLDs verdienen. Sowohl Registrare als auch Registries stellen sich als Berater und Technikpartner für die neuen TLDs zur Verfügung. Auch wenn die ICANN selbst gemeinnützig ist, so ist doch klar, dass die Akteure der ICANN ebenfalls von den zusätzlichen Einnahmen profitieren. Denn Geld, welches für die Bewerbung um die nTLDs und Betriebsabgaben an die ICANN fließt, muss auch wieder irgendwo ausgegeben werden. So werden sich entweder die Gehälter und Aufwandsentschädigungen erhöhen oder es muss schlicht mehr Personal eingestellt werden – wahrscheinlich sogar beides.

Die ICANN selbst macht sich zudem unentbehrlich, denn eine Organisation, die nicht nur wenige gTLDs kontrollieren muss (die Länder-TLDs sind zum größten Teil unabhängig), sondern nun gleich hunderte Endungen betreut, macht sich unersetzlich. Selbst wenn 50% der neu eingeführten Endungen wieder vom Markt verschwinden, bleiben hunderte, die weiterhin verwaltet und kontrolliert werden müssen.

Peter Dengate Thrush war Vorsitzender der ICANN und in dieser Funktion maßgeblich an der im Juni 2011 erteilten Genehmigung des Programms zur Einführung neuer gTLDs beteiligt. Nach erfolgreicher Durchsetzung des nTLD-Programmes verließ er im Juni 2011 ICANN, um im Juli 2011 als Aufsichtsratsvorsitzender der Top Level Domain Holdings Limited (TLDH) anzuheuern. Die TLDH bewirbt sich zusammen mit der Tochterfirma Minds + Machines um zahlreiche nTLDs.

Von Christoph Grüneberg

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Risiken und Nebenwirkungen neuer TLDs

Geschrieben am 13 Juni 2012 von Domainvermarkter-Magazin

zuerst veröffentlicht im Domainvermarkter-Magazin 07

Selbst die begehrtesten neuen TLDs werden ein Problem bekommen, welches Domainer hingegen zu ihrem Vorteil nutzen können: Überlaufverluste hin zu .com oder ccTLDs. Einiges Aufsehen erregte 2011 die Umbenennung des amerikanischen Onlinehändlers Overstock in O.Co. Im Zuge der Einführung von Second-Level Domains unter der kolumbianischen ccTLD .co wurde Overstock ein Aushängeschild in den Bemühungen der Registry, .co als Alternative zu .com zu positionieren.

Drohende Überlaufverluste
Das Problem von Overstock: Die Domain o.com gehört nicht Overstock, sondern ist von der IANA (Internet Assigned Numbers Authority) reserviert und steht damit nicht zur freien Verfügung. So mussten die Verantwortlichen bei Overstock enttäuscht feststellen, dass nach Werbespots 61% der interessierten Zuschauer versuchten, die Seite o.com statt o.co zu besuchen. Ein Streuverlust, der letztendlich der Firma Overstock viel Schaden zufügt und zeigt, wie schwer es ist, gegen die Gewohnheiten der Internetnutzer neue Domainendungen durchzusetzen.

Ähnlich geht es vielen Webprojekten, die mit einer guten Idee, aber wenig Startkapital zuerst einmal unter .net oder .info starten. Spätestens wenn das Projekt populär wird, geben viele Suchende den Domainnamen mit .com oder aber mit der passenden ccTLD ein. Der Preis für die entsprechende Domainnamen, die von den Überlaufverlusten profitieren, steigt natürlich mit wachsenden Fehleingaben. Schlecht für die Unternehmen, die meinen, mit einer billigeren .net auf den Kauf einer .com oder ccTLD-Domain Geld sparen zu können. Noch schlimmer ist es natürlich, wenn die Domainnamen, welche die Überlaufverluste bekommen, gar nicht zum Verkauf stehen. Dann bleibt als Ausweg oft nur ein ebenfalls aufwendiges Rebranding.

Dieses Schicksal droht nun allen, die denken, ein erfolgreiches Projekt lediglich unter einer neuen TLD starten zu können. Nehmen wir einmal an, jemand möchte in Deutschland unter kosmetik.shop mit großflächiger Werbung seine Domain etablieren. Wie viele User werden wohl aus Gewohnheit versuchen, kosmetikshop.de einzugeben? Wer also ein wirklich gutes Projekt etablieren will, wird die entsprechende Domain unter .com oder die ccTLD entsprechend mitregistrieren. Dies ist der Hauptgrund, warum Domaininvestoren, die auf .de und .com setzen, auch in absehbarer Zukunft keine Angst vor den neuen Endungen haben müssen. Ihre Domainnamen unter .com und unter den ccTLDs könnten durch die nTLDs einen weiteren Wertzuwachs erlangen.

Kosten und Justiz
Jede Investition unter einer neuen TLD birgt auch unbekannte Risiken. Neben der Frage, ob sich eine TLD etablieren wird, ist auch die Entwicklung der TLD völlig ungewiss. Exorbitante Preissteigerungen der Registrierungskosten oder der Bankrott der Registry wären möglich. Ebenfalls wird auch rechtlich wieder einmal Neuland betreten. So wird in Deutschland jede Endung von den Gerichten anders beurteilt.

Wem steht ein stadtname.shop zu?

Wann haben wir eine Zuordnungsverwirrung und wann nicht?

Viele Fragen, die bei .com oder .de im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte geklärt wurden, stellen sich bei den nTLDs wieder neu.

Hinzu kommt, dass in den vergangenen Monaten und Jahren zahlreiche Abenteurer Marken für Endungen wie .music haben eintragen lassen. Hier könnte es noch die eine oder andere Überraschung geben, auch wenn hier eher die Registries betroffen sein dürften.

Von Christoph Grüneberg

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Welche Chancen haben nun die neuen TLDs im Einzelnen?

Geschrieben am 12 Juni 2012 von Domainvermarkter-Magazin

zuerst veröffentlicht im Domainvermarkter-Magazin 07

Die neuen TLDs kann man in drei Kategorien einteilen: Firmen/Marken-TLDs, regionale TLDs und sonstige TLDs. Jede dieser Gruppen hat unterschiedliche Zielsetzungen.

Firmen/Marken-TLDs
Gab es bisher zwar branchenspezifische Domainendungen wie .aero oder .travel, wird es nun erstmals Endungen geben, die einen Firmennamen oder eine Marke repräsentieren. Diese TLDs werden der Öffentlichkeit höchstwahrscheinlich nicht frei zur Verfügung stehen. Die Betreiber dürften kaum Interesse daran haben, einzelne Domains unter ihrer TLD an Dritte zu verkaufen. Dies gilt für Endungen wie beispielsweise .microsoft oder .bmw. Auch die kostenlose Abgabe im Rahmen von Marketingaktionen ist unwahrscheinlich, da immer die Gefahr besteht, dass der Firmen- oder Markenname leiden könnte. Daher werden diese Endungen nur geringe Auswirkungen auf den regulären Domainmarkt haben. Der Erfolg oder Misserfolg hängt völlig davon ab, was die Betreiber von „ihrer” TLD erwarten. Generell ist auch umstritten, ob eine eigene Marken-TLD überhaupt einen Vorteil gegenüber der .com-Domain einer Marke hat. Eine .marke ist als solche nicht aufrufbar, es müsste immer eine Domain wie info.marke aufgerufen werden – wobei derzeit noch keine Konvention unter den Usern besteht, welche Domain dies letztendlich sein wird.

Regionen TLDs
Zu den begehrtesten neuen TLDs gehören TLDs mit einem örtlichen Bezug. In Deutschland sind es Städte, die Endungen wie .berlin oder .koeln unterstützen, aber auch Bundesländer, die Bewerbungen für .bayern oder .nrw ermöglichen. Welche davon am Ende echten Publikumserfolg haben wird, bleibt abzuwarten. So dürfte eine .nrw wohl weniger Anklang als eine .bayern finden. Werden sich viele Privatpersonen oder Firmen finden, die Wert darauf legen, eine Adresse mit .nrw zu besitzen? In NRW definiert man sich immer noch über Gebiete wie Westfalen, Lippe, das Ruhrgebiet oder Rheinland. Gerade als Werbung für örtliche Betriebe ist das Bundesland NRW zu unscharf, um etwa etwas sinnvolles unter einer cafes.nrw projektieren zu können. Eine scharf abgegrenzte Domain wie .berlin oder .koeln kann da schon eher auf Zuspruch der lokalen Wirtschaft hoffen. Auch der Wirtschaftsraum in diesen Millionenstädten sollte ausreichend sein, um eine eigene TLD tragen zu können. Kategoriebegriffe wie hotels.berlin oder rundfahrten.hamburg könnten neuen Schwung ins immer noch schwierige lokale Webseitenprojektgeschäft bringen. Allerdings sollte man das Potential nicht überschätzen: Wenn es bisher unter projekt-stadtname.de schwierig war, zahlende Kunden für Onlineeinträge zu gewinnen, so muss man fragen, warum dies nun unter projekt.stadtname leichter gehen sollte. Gerade bei solchen örtlichen Branchenverzeichnissen ist die Konkurrenz hart: Nicht nur die Gelben Seiten sind hier immer noch eine Macht. Auch Google hat in den vergangenen Jahren manchen Projektbetreiber hart aus seinen Träumen erwachen lassen. Denn die wichtigsten Suchergebnisse bei Google, z.B. nach Handwerkern oder Hotels, werden auf den ersten Plätzen mit eigenen Daten von Google bestückt. Viele Geschäftsmodelle, die auf den ersten Blick prima unter einer Städte-TLD-Domain funktionieren könnten, scheitern leider am Realitätscheck.

Einmischung aus der Politik?
Zudem wird gerade bei den Regionen-TLDs öffentlicher und politischer Druck eine große Rolle spielen. Beispielhaft sei hier die TLD .bayern genannt, die im Bayerischen Landtag schon vor Einführung unter kritischer Beobachtung steht. (Siehe hierzu auch den Artikel “.bayern: Domainvergabe per Versteigerung?” auf Seite 11 im Magazin)
Der Druck, es von Handwerkerinnungen bis hin zu vielen Vereinen und Parteien allen Interessenverbänden recht zu machen, ist hoch. Wenn aber die Domainnamen nicht nach rein ökonomischen, sondern nach politischen Interessen vergeben werden sollten, mindert dies den Wert der Domains. Ein wirklich freier Markt entsteht nur dann, wenn Domainnamen ohne Diskriminierung vergeben werden. Zumindest dürfte aber in Deutschland das langfristige Überleben der Regional-TLDs gesichert sein: Eine einmal eingeführte TLD wird wohl niemals von einem Bürgermeister oder Ministerpräsidenten wieder aufgeben werden. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Stadtwerke neben defizitären Verkehrsbetrieben auch noch eine lokale Registry subventionieren werden. Eines Tages bekommt vielleicht jeder Kunde der örtlichen Versorger mit dem Stromanschluss eine kostenlose Domain dazu.

Sonstige kommerzielle TLDs
Wenig erstaunlich gibt es gerade um Endungen mit rein kommerziellem Potential reichlich Bewerbungen. Dabei werden Domainnamen unter .shop sicherlich zu den begehrtesten gehören, bergen diese doch hohes kommerzielles Potential. Ein Blick in die Domainstatistik zeigt, welche Suffixe, also Endungen von .de-Domains (Quelle: Erhebung aus eigenem Datenbestand) zu den beliebtesten gehören: online, immobilien, service, design, shop, info, consulting, deutschland, forum, reisen.
International sind dies laut einer Analyse von Lean Domain Search die Suffixe online, web, media, world, net, group, blog, shop, book, store. Generell wird es aber für jede neue kommerzielle TLD sehr schwierig werden, denn die Erfahrungen mit .info oder .biz lassen erwarten, dass es mühsam sein wird, neue Endungen bekannt und beliebt zu machen, besonders wenn sie nahezu austauschbar sind. Eine .online oder .web hat wenig Alleinstellungsmerkmale, wogegen eine .blog für große Bloghoster wie blogger.com eine lohnende Investition sein könnte. Es könnte bei den Geschäftsmodellen auch durchaus Überraschungen geben: Wenn eine .shop gleichzeitig eine Shoplösung mit anbietet, dann ergeben sich ganz andere Entwicklungen als bei einem reinem Domainverkauf.

Es bleibt also abzuwarten, mit welchen Konzepten die neuen TLDs an den Start gehen werden. Klassische Landrush-Situationen so wie bei .info oder auch bei .eu wird es nicht bei jeder Endung geben. Daneben gibt es noch TLDs, die besondere Zielgruppen umwerben, letztendlich aber auch ihren Betrieb aus den Registrierungsgebühren bestreiten müssen. Es bleibt abzuwarten, ob eine .gay wirklich funktioniert oder ob eine .green nicht am ewigen Tropf staatlich subventionierter Organisationen hängen wird.

Von Christoph Grüneberg

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Neue TLDs aus Sicht der Domaininvestoren

Geschrieben am 12 Juni 2012 von Domainvermarkter-Magazin

zuerst veröffentlicht im Domainvermarkter-Magazin 07

Nach dem Abschluss der ersten Bewerbungsphase sieht es so aus, als würde es zukünftig über 1000 neue Top-Level-Domains geben.

Doch wie erfolgreich können diese neuen Domainendungen aus kommerzieller Sicht werden? Wird bei 1000 neuen Endungen jede neue TLD ein Selbstläufer und gleichzeitig für den Betreiber eine Lizenz zum Gelddrucken? In den vergangenen Monaten wurde suggeriert, dass selbst mit absoluten Nischen-TLDs wie einer .versicherung Geld zu verdienen sei. Im Zweifelsfall wurde dann das Argument eines nahezu automatisch besseren Google Rankings bemüht. (Mehr hierzu im Artikel “Google: Keine Ranking-Vorteile für neue TLDs”)

Der Erfolg oder Misserfolg einer neuen TLD lässt sich nicht mit Sicherheit voraussagen. Viel hängt von den Marketingbemühungen der Betreiber ab. Der Launch der kolumbianischen Länderdomain .co hat aber gezeigt, wie mit immensem Werbeaufwand ein Hype um eine Endung geschaffen wird und sich die Investitionen der Betreiber schon ab dem ersten Jahr rechnen können. Ähnliches gilt für Endungen wie .asia oder .info, die über häufige Promoaktionen beständig hohe Registrierungszahlen halten können. Wie sieht es aber aus, wenn nun auf einen Schlag hunderte neue TLDs hinzukommen? Wer gehört dann zu den Gewinnern und Verlierern?

Kampf um Aufmerksamkeit
Wurden seit dem Start des Domainnamensraumes mit den Länderendungen und den generischen Domains nur wenige neue TLDs zugelassen, steht nun eine Vervielfachung des bisherigen Namensraumes bevor. Dies wird es vielen Betreibern erschweren, ihre neue TLD mit nur wenig Aufwand zu promoten. Bei den bisherigen Neueinführungen wurden besonders die Domaininvestoren kräftig umworben. Kaum ein Domainermeeting, bei dem nicht .co eine Party geschmissen hätte oder .tel und .asia als Sponsoren auftraten. Die Domainliveauktionen auf der Traffic-Konferenz wurden genutzt, um begehrte Keywords unter .me oder .mobi zu versteigern. Bekannte Domainer wie Frank Schilling (.xxx Paketkauf) oder Rick Schwartz (flowers.mobi) wurden als Leadinvestoren gewonnen. Zwar wurde nicht immer den bei Auktionen erzielten Verkaufspreisen getraut, aber viele Domainer öffneten bei Neueinführungen ihre Geldbörsen. Wer wollte nicht beim möglichen “nächsten großen Ding” dabei sein?

Budgetfragen
Andrew Alleman hat in seinem Blog die Frage gestellt, wie groß denn der Gesamtmarkt für Investitionen in neue TLDs bei Domainern sein könnte. Wenn bisher jährlich 10 Millionen Dollar bei TLD-Neueinführungen zur Verfügung stünden, wie würde sich dann dieses Budget auf hunderte neuer Domainendungen verteilen? Zudem garantieren Erfahrungen aus den bisherigen TLD-Neueinführungen nicht unbedingt das Bestehen einer immer noch gleich hohen Investitionsbereitschaft. Die Einnahmen aus den Domainparkingprogrammen haben seit 2008 stark abgenommen. Damit steht aktuell nicht so viel Cash zum Investieren zur Verfügung, wie sich das die nTLD-Betreiber vielleicht gerne wünschen. Nicht wenige Domainer haben selbst hohe Summen in Firmen investiert, die sich um die Zulassung neuer TLDs bewerben. Als Domaininvestor muss man sich grundsätzlich die Frage stellen, wie sich der Erwerb von Domainnamen unter den nTLDs kurz- oder langfristig refinanzieren lässt. Es ist nicht zu erwarten, dass die Domains mit nTLDs Type-in-Traffic haben werden. Woher soll dieser auch kommen? Selbst halbwegs bekannte Endungen wie .info oder .biz haben bisher so gut wie keinen natürlichen Traffic (Type-ins) von Besuchern. Eine ausreichende Refinanzierung über Domainparking scheidet bei neuen TLDs also zumindest für Domainer aus. Was nicht heißt, dass für den Eigentümer einer TLD das Parking durchaus ein Geschäftsmodell sein kann, so wie wir es in dieser Magazinausgabe anhand .tk berichten.

Jeder Euro oder Dollar, der für eine Domain unter einer neuen TLD von einem Investor ausgegeben wird, wird zuerst einmal totes Kapital sein. Es gibt keine laufenden Einnahmen, sondern nur ständig neue Kosten durch die Registrierungsgebühren. Gewinn wird nur bei einem Exit, also einem Domainverkauf erzielt. Die Registrierungskosten für die nTLDs werden kaum geringer sein als die für eine .com oder eine .info. Gleichzeitig wird es für Domaininvestoren schwierig werden, ihre Domains an den Endkunden zu bringen: Dieser wird dann ebenfalls die Auswahl unter hunderten gleichwertiger generischer Domains haben.

Dilemma der Registries
Aber es ist ja auch generell nicht gut für eine neue TLD, wenn die besten Domains in die Hände der Investoren wandern. Wenn alle guten Domains nur ein Verkaufsschild haben, statt projektiert zu werden, wird sich die TLD nie im Bewusstsein der Öffentlichkeit verankern können. Es droht das Schicksal einer .biz, die es nie schaffte, ausreichend „echte“ Projekte unter ihrer Endung zum Start zu bringen. Andere Endungen wie .mobi versuchten mit Wettbewerben wenigstens einige ihrer besten Domains gut projektiert zu bekommen. Es wird für die neuen Registries auf jeden Fall schwierig, hier den richtigen Spagat zu finden. Die etablierten Endungen haben den Vorteil, dass es über bald 20 Jahre ein natürliches Wachstum gegeben hat. Die besten Keyworddomains wurden meist zügig projektiert. Dies wird in Zukunft bei kaum einer neuen Endung funktionieren. Ohne schlüssiges Konzept der Domainvermarktung droht vielen Endungen das schnelle Vergessen.

Von Christoph Grüneberg

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.bayern: Domainvergabe per Versteigerung?

Geschrieben am 16 April 2012 von Domainvermarkter02

Der Bewerber der neuen Top-Level-Domain (nTLD) .bayern plant die Versteigerung von besonders begehrten Domains. Dies geht aus einem Interview des Bayrischen Rundfunks (BR) mit dem Geschäftsführer der Bayern Connect GmbH hervor, welche die .bayern-TLD mit Lizenz des Freistaats Bayern betreiben will.

Im Interview äusserte Bayern Connect Geschäftsführers Caspar von Veltheim, dass man plane „einzelne Domains unterhalb von .bayern, also zum Beispiel hotel.bayern, (…) im Falle mehrerer Bewerber “diskriminierungsfrei” zu vergeben – indem man sie versteigere“.

Die Bayern Connect GmbH ist eine Tochter der international tätigen und an der Londoner Börse notierten Holding-Gesellschaft TLDH, die sich mit weiteren Tochtergesellschaften auch um die Vergabe für Rom, Berlin und New York bemüht. Hier findet sich mit Peter Dengate ein Ex-ICANN CEO an der Spitze der Holding, was zumindest für ausreichend Know-How spricht.

Grüne üben Kritik

Kritik am Ausschreibungsverfahren und der Gewinnerfirma kommt von  der Grünen-Landtags-Abgeordneten Ulrike Gote. Sie findet bereits das Ausschreibungsverfahren der bayrischen Staatsregierung “wenig transparent”. Dass die Bayern Connect GmbH eine Tochter der TLDH Holding ist, die ihren Sitz auf den als Steuerparadies geltenden Jungferninseln hat, sorgt bei ihr für weiteres Unverständnis und Befürchtungen, die .bayern könnte bald weiterverkauft werden.

Lediglich ein Konkurrent bei Ausschreibung um .bayern

Um Betreiber von .bayern zu werden musste sich die Bayern Connect GmbH im Rahmen der Ausschreibung der bayrischen Staatsregierung gegen lediglich einen Mitbewerber, dem dotbayern e.V., durchsetzten. Nach Aussagen des im Bayerischen Finanzministerium für IT-Angelegenheiten zuständigen Staatssekretär, Franz-Josef Pschierer, habe Bayern Connect ein vielfaches an Gewinnbeteiligungen angeboten wie die Konkurrenz dotBayern e.V. und somit letztendlich das Rennen gemacht.

Landesregierung hat sich Eingriffsrechte zusichern lassen

Fragen werfen allerdings Meldungen auf, dass sich der Freistaat Bayern umfangreiche Mitspracherechte bei der Vergabe von Domainnamen unter .bayern gesichert hat. So wolle man keine “missbräuchliche Verwendung des Landesnamens zulassen” (heise.de).

Der Betreiber Caspar von Veltheim bestätigt: “Oberste Entscheidungsinstanz für die Zuteilung von .bayern-Subdomänen bleibt aber der Freistaat Bayern” (br.de).

In der Antwort auf die Anfrage der Grünen zu .bayern im Landtag von Bayern wird das Staatsministeriums konkret; demnach wird vertraglich folgendes mit dem Betreiber geregelt:

  •  Zuteilung von Second Level Domains
  • Vermeidung plagiierender Domains
  • Kennzeichenschutz
  • Schutz bestimmter Gattungsbegriffe
  • Unterbindung von Rechtsverletzungen
  • Gewährleistung des Datenschutzes
  • Preise der Second Level Domains
  • Einrichtung eines Beirats
  • Sperrlisten
  • Einhaltung der Registrierungsrichtlinien

Dies lässt Raum für Spekulationen: Wird es in dem CSU-regiertem Bayern keine Erotikdomains wie “verficktes.bayern” geben? Wie werden die “Schwarzen Listen” bestimmt, die bestimmte Begriffe von der Registrierung ausschließen? Oder muss man damit rechnen, das bereits registrierte Domainnamen nachträglich gelöscht werden?

Offensichtlich legt man im Gegensatz zur Denic die Verantwortung für die Domainanmen stark in die Hände der Betreiber. Während die Denic nur bei offenkundigen Rechtsverletzungen angehalten ist Domainnamen zu löschen, wird unter .bayern die Frage was “plagiierende Domains” und  Kennzeichenrechtsverletzungen sind in die Hand der Betreiber gelegt.

Noch weitgehender dürfte sich der Punkt “Unterbindung von Rechtsverletzungen” auswirken: Damit könnten Eingriffe gemeint sein, wenn es um Inhalte von unter .bayern-Domains hinterlegten Webseiten geht.

 

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Rangfolge der ccTLDs

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Über 225 Millionen registrierte Domains

Geschrieben am 13 März 2012 von Domainvermarkter02

Versign, Betreiber der Registries für .com sowie .net, hat seinen vierteljährlich erscheinenden  Domain-Name-Industry-Bericht veröffentlicht. Verisign anlysiert die Entwicklung in der Domain-Branche auf Basis verschiedenster statistischer und analytischer Methoden.

Betrachtet und ausgewertet wird in dem aktuellen Domain-Name-Industry-Bericht das vierte Quartal 2011 (Q4/2011).Gesamtregistrierungen aller TLDs bis Ende 2011

Demnach heißt es, dass bis zum Ende des letzten Quartals in 2011, insgesamt mehr als 225 Millionen Domainnamen, bei allen Top-Level-Domains (TLDs) zusammengenommen, registriert waren. Im Vergleich zum dritten Quartal 2011 (Q3/2011) entspricht dies einem Wachstum von 2,7 Prozent. In absoluten Zahlen bedeutet dies eine Zunahme um 5,9 Millionen. Zieht man das Vorjahresquartal (Q3/2010) als Vergleichswert heran, so zeigt sich, dass die Zahl der registrierten Domains binnen eines Jahres um mehr als 20,4 Millionen angestiegen ist. – Ein Plus von gut zehn Prozent!

Insgesamt konnten im vergangen Jahr nahezu alle TLDs zulegen. So konnte die Zahl der länderbezogenen Top-Level-Domains (ccTLDs) die 90 Millionen-Marke knacken. Insgesamt 90,6 Millionen registrierte Domains können hier mit Ablauf von Q4/2011 gezählt werden. Dies bedeutet eine Steigerung von 4,2 Prozent gegenüber Q3/2011. Im Jahresvergleich ist dies ein Zuwachs von 13,2 Prozent.

.de bei ccTLDs weiter spitze!

Weiterhin machen die zehn wichtigsten der über 290 ccTLD-Endungen die es gibt rund 60 Prozent aller Registrierungen aus. Aus den Reihen der 20 größten ccTLDs konnten die ccTLDs von Polen (.pl), Schweden (.se), Tokelau (.tk) sowie der russischen Föderation (.ru) im Quartalsvergleich um jeweils mehr als vier ccTLDs Übersicht 2011Prozent zulegen, während .com- und .net-TLDs in Q4/2011 zwar weiter, auf eine Gesamtzahl von 113,8 Millionen Domainnamen, wachsen konnte, aber mit einem Wachstum von lediglich zwei Prozent bei der Gegenüberstellung von Q3/2011 und Q4/2011, unter dem allgemeinen Durchschnitt (4,2 %) liegt. Auch im Jahresvergleich blieben .com und .net mit einer Wachstumsrate von acht Prozent unter dem Gesamtdurchschnittswert aller TLDs (10 %).

In der Reihenfolge der wichtigsten ccTLDs hat sich im Vergleich zum Vorquartal Q3/2011 nichts verändert. Hier führt weiterhin .de (Deutschland) die Rangliste an. Auf den weiteren Plätzen folgen .uk (Großbritannien), .tk (Tokelau), .nl (Niederlande) sowie .ru (Russische Föderation).

Rangfolge der ccTLDsAuch in der Rangfolge aller TLDs (ccTLDs inklusive generische TLDs) hat sich gegenüber Q3/2011 keine Veränderung ergeben. Den Platz an der Sonne belegt weiterhin .com, gefolgt von.de, .net und .uk. Erst dahinter können sich .org sowie .info einreihen, aber immerhin noch vor den aufstrebenden .tk-, .nl- und .ru-Endungen.

Insgesamt zeigt der Bericht, dass die Domain-Branche, ungeachtet eines schwierigen wirtschaftlichen Umfeldes, geprägt durch Wirtschafts-, Finanz- und Staatenkrisen, in seinem Wachstum unbeschädigt bleibt und sich als stabiler Wachstumsgarant präsentiert.

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