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Steigende .com-Gebühren: Mehr Preisdruck durch neue TLDs?

Geschrieben am 16 August 2012 von Domainvermarkter-Magazin

zuerst veröffentlicht im Domainvermarkter-Magazin 07

Ende März veröffentlichte ICANN einen Entwurf für die Verlängerung des Vertrags mit Verisign über den Betrieb der Top-Level-Domain .COM. Wie der derzeit gültige Vertrag sieht der Entwurf vor, dass die Registrierungsstelle die Gebühren, die sie den Registraren in Rechnung stellt, innerhalb eines Zeitraums von 6 Jahren bis zu vier Mal erhöhen darf. Die Preise können dabei jedes Mal um bis zu 7 Prozent steigen.

Da die Preisgestaltung zwischen Verisign und dem US-Handels- sowie dem US-Wirtschaftsministerium ausgehandelt wurde, sind diese und andere Bestimmungen des Vertrags nicht Gegenstand des verlängerten Vertrags zwischen ICANN und Verisign. Vielmehr betont ICANN, dass „If the .com pricing provisions were to be changed to be similar to the other large gTLDs then that would most likely allow Verisign to raise prices by 10% per year in each of the six years of the agreement, as in the .biz, .info, .net, and .org agreements.“ Neustar, die Registrierungsstelle für .BIZ-Domains, hat von diesem Recht bereits Gebrauch gemacht und zum 1. Februar 2012 die Registrierungspreise um 7,5 Prozent auf 7,85 US-Dollar angehoben.

Status quo
7,85 US-Dollar verlangt derzeit auch Verisign für eine .COM-Domain. Nimmt das Unternehmen sein Recht wahr, die Preise in Übereinstimmung mit dem Vertrag vier Mal zu erhöhen, müssen Registrare bereits 2016, spätestens jedoch 2018, über 10 US-Dollar pro Domain bezahlen.
„Das Steigen der Preise ist nicht schön: übertrieben tiefe und dann stetig steigende Preise sind eine Form von absichtlicher Täuschung der Kunden. Aber für eine nicht-spekulative Nutzung von Domains sind die Preiserhöhungen absolut unwichtig“, sagt Werner Straub, Vorstandsmitglied von CORE Internet Council of Registrars.

Zusätzlich zu den turnusmäßigen Erhöhungen kann Verisign die Preise ebenfalls dann anheben, wenn dem Unternehmen Kosten aufgrund von Investitionen in die technische Infrastruktur entstehen. Die Ergänzung des Vertrags betreffen beispielsweise technische Aspekte wie die Verpflichtung der Registry, künftig auch IPv6- Adressen, DNSSEC oder Internationalized Domain Names zu unterstützen.

Ausblick
Einige Branchenexperten gehen davon aus, dass die Einführung neuer Top- Level-Domains die etablierten Registrybetreiber unter stärkeren Rechtfertigungsdruck setzt. Wenn neue allgemein verfügbare TLD-Domains den Registraren für deutlich geringere Gebühren angeboten werden, stellt sich die Frage, warum diese bei den bestehenden TLDs so hoch sind.

Andererseits könnten sich die Anbieter der neuen TLDs an der Preisgestaltung der etablierten TLDs orientieren. Hierbei könnten sie bei ICANN offene Türen einrennen. Denn die Organisation weist bereits anlässlich der Verlängerung mit Verisign darauf hin, dass für neue TLDs oder Community-TLDs wie .asia, .cat, .jobs, .mobi, .post, .pro, .tel, .travel oder .xxx keine Kontrolle der Registrierungspreise in den Betreiberverträgen enthalten sind.

„Die neuen Registries stehen unter einem gewaltigen Druck, die aufgewendeten finanziellen Mittel für die Bewerbung und für Investoren wieder einzuspielen“, sagt Andreas Schreiner, Geschäftsführer der InterNetWire Communications GmbH. „Daher ist zumindest in den nächsten zwei bis drei Jahren mit vergleichbaren Domainpreisen wie bei .COM und .NET zu rechnen. Ein Preisdumping wird es vorerst nicht geben.“

Werner Straub ergänzt: „Ich glaube, dass die meisten neuen TLDs deutlich höhere Preise verlangen werden, im Durchschnitt mitunter bis zum 10-fachen Preis einer .com-Domain, und dass sie im Endeffekt trotzdem billiger und nützlicher sein werden.“ Denn, so Straub, sorgten vergleichsweise hohe Registrierungskosten eher dafür, dass die Domains nicht in erster Linie aus spekulativen Gründen registriert würden, sondern für die Nutzung durch die „normalen Domaininhaber“.

Von Matthias Maier, info@textstudio.info

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nTLDs – ICANN verlängert Kommentierungs-Frist

Geschrieben am 13 August 2012 von Domainvermarkter02

Die ICANN hat die Frist, in der die Öffentlichkeit zu dem neuen Top-Level-Domains-Programm (nTLDs-Programm) Stellung nehmen kann, um 45 Tage verlängert. Bis einschließlich Mittwoch, den 26. September 2012 kann somit noch jeder seine Bedenken, Befürchtungen und Meinungen zu den einzelnen TLD-Bewerbungen bei der ICANN einreichen. 

Ursrünglich sollte die Frist zur öffentlichen Kommentierung der nTLD-Bewerbungen lediglich 60 Tage betragen, womit die am 13. Juni 2012 gestartete öffentliche Kommentierungsphase eigentlich am Sonntag, den 12.08.2012 enden sollte. Die ICANN begründet die Erweiterung dieses Zeitfensters mit zahlreichen Anfragen und Bitten von verschiedensten Seiten, daunter auch der US-Regierung, die sich ob der unerwarteten Masse der insgesamt 1.930 eingereichten nTLD-Bewerbungen um 1.409 verschiedenen Endungen, für eine Fristverlängerung ausgesprochen hatten. Eine genaue und faire Evaluation der eingreichten Bewerbungen, die für eine qualifizierte Kommentierung unabdingbar ist, sei ansonsten nicht möglich, so der allgemeine Grundtenor.

Decken tut sich die nun beschlossene Verlängerung der Kommentierungsfrist auch mit dem, für den Bewerbungsprozess des nTLD-Programms maßgeblichen, Applicant Guidebook der ICANN, in dem, für den Fall dass signifikant mehr nTLD-Bewerbungen als erwartet eingreicht werden, die Möglichkeit einer Fristverlängerung vorgesehen ist. Da anstelle der erwarteten 500 Bewerbungen nun 1.930 Bewerbungen um 1.409 nTLDs vorliegen, scheint die Verlägerung der Frist also nur konesquent und beinahe auch unumgänglich.

Bis zum Ende des eigentlich vorgesehen Zeitfensters am Sonntag, den 12.08.2012 wurden bei der ICANN bereits mehr als 5.500 Kommentare und Stellungnahmen mit Kritik und Anmerkungen zu einzelnen nTLD-Bewerbungen und Bewerbern eingreicht, deren Zahl sich nun wohl noch einmal deutlich erhöhen wird.

Somit dürfte sich auch das gesammte weitere Verfahren, an deren Ende dann die letztendliche Einführung der nTLDs stehen soll, nach Verlängerung der eigentlichen Bewerbungsphase sowie dem Abstand nehmen vom “digitalen Bogenschießen”, beides aufgrund technischer Pannen, zusätzlich hinauszögern.

Weitere Informationen finden sich auf der nTLD-Infosite (engl.) der ICANN.

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Technische Probleme: „Digitales Bogenschießen“ gestoppt!

Geschrieben am 25 Juni 2012 von Domainvermarkter02

Das umstrittene „digitale Bogenschießen“, das die ICANN zur Ermittlung einer Bearbeitungsreihenfolge der Bewerbungen um die neuen generischen Top-Level-Domains (NewgTLDs) aus der Taufe gehoben hat, ist vorerst gestoppt. Erneut sind es technische Probleme die die ICANN dazu zwingen den Prozess auf unbestimmte Dauer auszusetzen. Seit dem 23. Juni ist das System nun abgeschaltet; Eine Registrierung ist derzeit nicht mehr möglich.

Wann das ohnehin viel kritisierte Verfahren des „Digital Archery“ (wir berichteten) fortgesetzt wird, ist noch nicht bekannt. Und auch ob es überhaupt weitergeht, scheint nun mehr als fraglich. Branchenkenner gehen von einem endgültigen Scheitern und einem Zurückrudern der ICANN in Sachen “Digital Archery” aus.

In einer Presseerklärung versucht die ICANN die aktuellen Probleme zu beschreiben und nimmt Stellung zu den erneuten technischen Problemen:

Der wichtigste Grund (Anmerk. der Redaktion: für die Aussetzung des Systems) ist, dass Bewerber davon berichteten, dass der Zeitstempel des Systems, aus noch ungeklärten Gründen, unerwartete, falsche Ergebnisse liefert. Unabhängige Analysten konnten dies bestätigen.

Wie genau es zu den Varianzen bei der Ausstellung des Zeitstempels kommt, ist derweil noch vollkommen unklar. Klar scheint nur, dass der Fehler irgendwo im eigenen technischen System begründet liegt.
Wahrscheinlich scheint einigen ICANN-Analysten eine unzureichende Netzwerklatenz (beanspruchte Zeit einer Datenübertragung zwischen Rechnern innerhalb eines Netzwerkes), andere sehen die Probleme eher in einer fehlerhaften Reaktion des Zeitstempel-Systems unter verschiedenen Ausgangsumständen als Ursache. Genaueres prüfen Experten aktuell.

Geringe Akzeptanz des Verfahrens – wie es weitergeht ist fraglich
Eigentlich sollte das Zeitfenster zur Registrierung und Abholung des Zeitstempels zum 28. Juni geschlossen werden. Bis zur Aussetzung des Systems am 23. Juni, hatten sich jedoch erst 20 Prozent der Bewerber um eine der NewgTLDs registriert und sich ihren, für das „digitale Bogenschießen“ zwingende erforderlichen, Zeitstempel abgeholt. Dies spricht für die geringe Akzeptanz auf die das Verfahren des „Digital Archery“ in der Branche gestoßen ist, und dafür, dass nach den nun vorliegenden technischen Schwierigkeiten, möglicherweise ganz von dem Schießen mit dem digitalen Bogen Abstand genommen wird. Dies ist bislang aber nicht mehr als eine Vermutung. Wie, wann und ob es überhaupt weiter geht mit dem digitalen Bogenschießen, dazu äußerte sich die ICANN noch nicht. Der weitere Evaluierungsprozess in Sachen NewgTLDs soll aber fortgesetzt werden wie geplant.

Technische Panne der Grund für Salazar-Rücktritt?
Diese erneute, peinliche technische Panne im Einführungsprozess der NewgTLDs, lässt den überraschenden Rücktritt von Michal Salazar, der am späten Donnerstag Abend via Pressemitteilung vermeldet wurde, in einem ganz neuen Licht erscheinen. Salazar zeichnete sich bei der ICANN hauptverantwortlich für das NewgTLDs-Programm. Die Vermutung liegt nahe, das Salazar nun persönliche Konsequenezen aus dem neuerlichen, technischen Fauxpas gezogen hat. Eine Begründung für den überraschenden Rücktritt Salazars, kurz bevor das jahrelang unter seiner Feder geplante NewgTLD-Programm endlich zum Abschluss gebracht wird, wurde nicht gegeben. Die zeitliche Nähe zu dem Bekanntwerden der aktuellen “Zeitstempelprobleme”, unterfüttert jedoch die Vermutung, dass der Rücktritt im direkten Zusammenhang mit den neuerlichen technischen Problemen liegt. Mit diesen muss sich ab sofort Kurt Pritz auseinandersetzten, der die Federführung über das NewgTLDs-Programm, zumindest solange bis die Position neu besetzt wird, kommisarisch übernommen hat.

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70 Bewerbungen für neue TLDs aus Deutschland

Geschrieben am 13 Juni 2012 von Christoph Grueneberg

ICANN hat die Bewerberliste für neue gTLDs bekanntgegeben. Insgesamt gibt es Bewerbungen für 1.930 neue Endungen, davon nur 70 aus Deutschland. Um 230 NewgTLDs gibt es mehr als einen Bewerber (insgesamt 751 Bewerbungen), so dass es 1.409 verschiedene Endungen geben könnte.

Die komplette Liste aller Bewerbungen findet sich hier: http://newgtlds.icann.org/en/program-status/application-results/strings-1200utc-13jun12-en

Die Liste der deutschen Bewerbungen ist teilweise sehr überraschend. Nur wenige der hier begehrten Endungen waren vorher bekannt. Eine .spiegel oder eine .lidl hatte vor der heutigen Bekanntgabe wohl keiner auf  Liste. Interessant, wer sich hingegen nicht beworben hat: Die Springer-Gruppe verzichtet auf .welt oder .bild, und .bmw findet keinen Mitbewerber in .daimler oder .mercedes.

Die Deutsche Vermögensberatungs AG (DVAG) scheint fest daran zu glauben, dass eine neue TLD auch beim Ranking hilft – denn für Domainexperten ist es ansonsten völlig unverständlich, warum diese sich mit .vermögensberatung und .vermögensberater u.a. um zwei reine Umlautbegriffe bewirbt. Ob der Gründer der DVAG Reinfried Pohl seine .pohl bekommt könnte spannend werden. Nachnamensdomains ohne überragender Bekanntheit könnten Namensrechte gleichnamiger Personen entgegenstehen. Aber Eitelkeit kennt ja bekanntlich keine Grenzen.

Ebenfalls interessant ist die ähnlich gelagerte Bewerbung für .schwarz (nach dem Gründer von Lidl), schließlich gehört schwarz.de einem kleinem Computerhaus und schwarz.com einer US-Firma.

Hier die komplette Liste aller deutschen gTLD-Bewerbungen:

Domainendung / TLD Bewerber
ACO ACO Severin Ahlmann GmbH & Co. KG
ADAC Allgemeiner Deutscher Automobil-Club e.V. (ADAC)
ALLFINANZ Allfinanz Deutsche Vermögensberatung Aktiengesellschaft
ALLFINANZBERATER Allfinanz Deutsche Vermögensberatung Aktiengesellschaft
ALLFINANZBERATUNG Allfinanz Deutsche Vermögensberatung Aktiengesellschaft
AUDI AUDI Aktiengesellschaft
BAUHAUS Werkhaus GmbH
BAYERN Bayern Connect GmbH
BERLIN dotBERLIN GmbH & Co. KG
BLANCO BLANCO GmbH + Co KG
BMW Bayerische Motoren Werke Aktiengesellschaft
BOEHRINGER Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG
BOSCH Robert Bosch GMBH
COLOGNE NetCologne Gesellschaft für Telekommunikation mbH
DEUTSCHEPOST Deutsche Post AG
DHL Deutsche Post AG
DVAG Deutsche Vermögensberatung Aktiengesellschaft DVAG
EDEKA EDEKA Verband kaufmännischer Genossenschaften e.V.
EMERCK Merck KGaA
EPOST Deutsche Post AG
FRESENIUS Fresenius Immobilien-Verwaltungs-GmbH
GEA GEA Group Aktiengesellschaft
GMBH TLDDOT GmbH
GMBH InterNetWire Web-Development GmbH
GMX 1&1 Mail & Media GmbH
HAMBURG Hamburg Top-Level-Domain GmbH
HIV dotHIV gemeinnuetziger e.V.
IFM ifm electronic gmbh
IMMO dotimmobilie GmbH
KOELN NetCologne Gesellschaft für Telekommunikation mbH
KSB KSB Aktiengesellschaft
LIDL Schwarz Domains und Services GmbH & Co. KG
LINDE Linde Aktiengesellschaft
LLC myLLC GmbH
LLP myLLP GmbH
LTD myLTD GmbH
MAIL 1&1 Mail & Media GmbH
MAN MAN SE
MED DocCheck AG
MERCK Merck KGaA
MINI Bayerische Motoren Werke Aktiengesellschaft
NRW Minds + Machines GmbH
OBI OBI Group Holding GmbH
ONL I-REGISTRY Ltd., Niederlassung Deutschland
ONLINE I-REGISTRY Ltd., Niederlassung Deutschland
POHL Deutsche Vermögensberatung Aktiengesellschaft DVAG
REISE dotreise GmbH
REXROTH Bosch Rexroth AG
RICH I-REGISTRY Ltd., Niederlassung Deutschland
RUHR regiodot GmbH & Co. KG
RWE RWE AG
SAARLAND dotSaarland GmbH
SAP SAP AG
SARL mySARL GmbH
SCHAEFFLER Schaeffler Technologies AG & Co. KG
SCHWARZ Schwarz Domains und Services GmbH & Co. KG
SCHWARZGROUP Schwarz Domains und Services GmbH & Co. KG
SEW SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG
SPIEGEL SPIEGEL-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG
SRL mySRL GmbH
STADA STADA Arzneimittel AG
TAXI Taxi Pay GmbH
TRUST Deutsche Post AG
TUI TUI AG
vermögensberater Deutsche Vermögensberatung Aktiengesellschaft DVAG
vermögensberatung Deutsche Vermögensberatung Aktiengesellschaft DVAG
VERSICHERUNG dotversicherung-registry GmbH
VIP I-REGISTRY Ltd., Niederlassung Deutschland
VIP Vipspace Enterprises LLC
WEB Schlund Technologies GmbH

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Die Hintergründe für die neuen TLDs

Geschrieben am 13 Juni 2012 von Domainvermarkter-Magazin

zuerst veröffentlicht im Domainvermarkter-Magazin 07

Aus ökonomischer Sicht ist die Entscheidung der ICANN, hunderte oder gar tausende neuer Domainendungen gleichzeitig einzuführen, unsinnig. Politisch mag dies ein Befreiungsschlag sein, muss so doch kein TLD-Bewerber jahrelange Lobbyarbeit betreiben (Dotberlin) oder die Gerichte bemühen (dotxxx), um zu der begehrten eigenen Endung zu kommen. Gleichzeitig wird aber der Wert einer eigenen TLD geschmälert und damit auch das langfristige wirtschaftliche Überleben vieler neuer generischer TLDs in Frage gestellt. Die ICANN begründet die Einführung der neuen TLDs mit Innovation und Wettbewerb.

Mehr Wettbewerb und Innovationen?
Aber hält dieses Argument einer kritischen Betrachtung stand? Kein Autohersteller käme auf die Idee, mit einem Schlag 100 neue Modelle zu präsentieren und zu glauben, es wären gleichzeitig genügend Käufer da. Das Drucken von mehr Geldscheinen führt schließlich auch nicht zu mehr Vermögen, sondern zu Inflation und Bankrott.

Letztendlich, da wird die ICANN Recht behalten, wird die New-TLD-Lawine zu einem gnadenlosen Wettbewerb der neuen Registries um die Domain-Besteller führen. Ob dies dem Domainkunden wirklich nutzt, darf bezweifelt werden. Wenn es wirklich um mehr Wettbewerb ginge, dann müsste die ICANN zuerst die .com Verträge modifizieren: Hier führt das Monopol durch Verisign zu ständig steigenden Preisen. Und das, obwohl nach allen Regeln der Economies of Scale die Registrierungsgebühren sinken müssten und andere TLD-Betreiber wie die DENIC zeigen, dass man weit wirtschaftlicher arbeiten kann.

Cui bono?
Wie kam es also zu der Entscheidung, so viele neue TLDs einzuführen? Bei der ICANN, welche für die Entscheidung der Vergabe neuer TLDs zuständig ist, sind die eigentlichen Domainnutzer nicht oder nur marginal vertreten. Wurde bei der ICANN die öffentliche Wahl für Vertreter der Nutzerschaft 2003 abgeschafft, hat es eine solche bei der DENIC in Deutschland noch nie gegeben. Dabei wäre es technisch keine Schwierigkeit, jedem Domaininhaber eine Stimme zu geben und damit auch eine repräsentative Wahl der Domaininhaber stattfinden zu lassen. Aber der normale Internetnutzer spielt bei der ICANN keine Rolle.

Wer alles profitiert
Die ICANN-Treffen werden dominiert von Lobbyisten, unterwegs in eigener Sache oder als Vertreter von Registraren und Registries. Nur wer hauptberuflich von der ICANN oder deren Arbeit direkt profitiert, kann es sich leisten, die zahlreichen weltweiten Treffen zu besuchen. Daran ändern auch Stipendien nichts, werden diese doch für jedes Treffen neu vergeben. So sind es natürlich Mitglieder aus diesem Umfeld der ICANN, die bereits jetzt kräftig an der Einführung neuer TLDs verdienen. Sowohl Registrare als auch Registries stellen sich als Berater und Technikpartner für die neuen TLDs zur Verfügung. Auch wenn die ICANN selbst gemeinnützig ist, so ist doch klar, dass die Akteure der ICANN ebenfalls von den zusätzlichen Einnahmen profitieren. Denn Geld, welches für die Bewerbung um die nTLDs und Betriebsabgaben an die ICANN fließt, muss auch wieder irgendwo ausgegeben werden. So werden sich entweder die Gehälter und Aufwandsentschädigungen erhöhen oder es muss schlicht mehr Personal eingestellt werden – wahrscheinlich sogar beides.

Die ICANN selbst macht sich zudem unentbehrlich, denn eine Organisation, die nicht nur wenige gTLDs kontrollieren muss (die Länder-TLDs sind zum größten Teil unabhängig), sondern nun gleich hunderte Endungen betreut, macht sich unersetzlich. Selbst wenn 50% der neu eingeführten Endungen wieder vom Markt verschwinden, bleiben hunderte, die weiterhin verwaltet und kontrolliert werden müssen.

Peter Dengate Thrush war Vorsitzender der ICANN und in dieser Funktion maßgeblich an der im Juni 2011 erteilten Genehmigung des Programms zur Einführung neuer gTLDs beteiligt. Nach erfolgreicher Durchsetzung des nTLD-Programmes verließ er im Juni 2011 ICANN, um im Juli 2011 als Aufsichtsratsvorsitzender der Top Level Domain Holdings Limited (TLDH) anzuheuern. Die TLDH bewirbt sich zusammen mit der Tochterfirma Minds + Machines um zahlreiche nTLDs.

Von Christoph Grüneberg

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Risiken und Nebenwirkungen neuer TLDs

Geschrieben am 13 Juni 2012 von Domainvermarkter-Magazin

zuerst veröffentlicht im Domainvermarkter-Magazin 07

Selbst die begehrtesten neuen TLDs werden ein Problem bekommen, welches Domainer hingegen zu ihrem Vorteil nutzen können: Überlaufverluste hin zu .com oder ccTLDs. Einiges Aufsehen erregte 2011 die Umbenennung des amerikanischen Onlinehändlers Overstock in O.Co. Im Zuge der Einführung von Second-Level Domains unter der kolumbianischen ccTLD .co wurde Overstock ein Aushängeschild in den Bemühungen der Registry, .co als Alternative zu .com zu positionieren.

Drohende Überlaufverluste
Das Problem von Overstock: Die Domain o.com gehört nicht Overstock, sondern ist von der IANA (Internet Assigned Numbers Authority) reserviert und steht damit nicht zur freien Verfügung. So mussten die Verantwortlichen bei Overstock enttäuscht feststellen, dass nach Werbespots 61% der interessierten Zuschauer versuchten, die Seite o.com statt o.co zu besuchen. Ein Streuverlust, der letztendlich der Firma Overstock viel Schaden zufügt und zeigt, wie schwer es ist, gegen die Gewohnheiten der Internetnutzer neue Domainendungen durchzusetzen.

Ähnlich geht es vielen Webprojekten, die mit einer guten Idee, aber wenig Startkapital zuerst einmal unter .net oder .info starten. Spätestens wenn das Projekt populär wird, geben viele Suchende den Domainnamen mit .com oder aber mit der passenden ccTLD ein. Der Preis für die entsprechende Domainnamen, die von den Überlaufverlusten profitieren, steigt natürlich mit wachsenden Fehleingaben. Schlecht für die Unternehmen, die meinen, mit einer billigeren .net auf den Kauf einer .com oder ccTLD-Domain Geld sparen zu können. Noch schlimmer ist es natürlich, wenn die Domainnamen, welche die Überlaufverluste bekommen, gar nicht zum Verkauf stehen. Dann bleibt als Ausweg oft nur ein ebenfalls aufwendiges Rebranding.

Dieses Schicksal droht nun allen, die denken, ein erfolgreiches Projekt lediglich unter einer neuen TLD starten zu können. Nehmen wir einmal an, jemand möchte in Deutschland unter kosmetik.shop mit großflächiger Werbung seine Domain etablieren. Wie viele User werden wohl aus Gewohnheit versuchen, kosmetikshop.de einzugeben? Wer also ein wirklich gutes Projekt etablieren will, wird die entsprechende Domain unter .com oder die ccTLD entsprechend mitregistrieren. Dies ist der Hauptgrund, warum Domaininvestoren, die auf .de und .com setzen, auch in absehbarer Zukunft keine Angst vor den neuen Endungen haben müssen. Ihre Domainnamen unter .com und unter den ccTLDs könnten durch die nTLDs einen weiteren Wertzuwachs erlangen.

Kosten und Justiz
Jede Investition unter einer neuen TLD birgt auch unbekannte Risiken. Neben der Frage, ob sich eine TLD etablieren wird, ist auch die Entwicklung der TLD völlig ungewiss. Exorbitante Preissteigerungen der Registrierungskosten oder der Bankrott der Registry wären möglich. Ebenfalls wird auch rechtlich wieder einmal Neuland betreten. So wird in Deutschland jede Endung von den Gerichten anders beurteilt.

Wem steht ein stadtname.shop zu?

Wann haben wir eine Zuordnungsverwirrung und wann nicht?

Viele Fragen, die bei .com oder .de im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte geklärt wurden, stellen sich bei den nTLDs wieder neu.

Hinzu kommt, dass in den vergangenen Monaten und Jahren zahlreiche Abenteurer Marken für Endungen wie .music haben eintragen lassen. Hier könnte es noch die eine oder andere Überraschung geben, auch wenn hier eher die Registries betroffen sein dürften.

Von Christoph Grüneberg

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ICANNs Digital Archery: Kirmesverfahren bestimmt über Bearbeitungsreihenfolge bei nTLDs

Geschrieben am 11 Juni 2012 von Christoph Grueneberg

Nach Abschluss der unfreiwillig verlängerten Bewerbungsphase für neue generische Top-Level-Domains (NewgTLDs) hat die ICANN nun das Schießen um die Bearbeitungsreihenfolge eröffnet. Das ganze Verfahren nennt sich „Digital Archery“. So ist es kein Wunder, dass sich der ein oder andere Bewerber vorkommt, als wäre er auf der Kirmes oder beim Schützenfest. Dem ist aber nicht so, schließlich haben alle Bewerber vorab 185.000 US-$ Bewerbungsgebühr je Endung bezahlen müssen.

Es wurde sich insgesamt um mehr als 1.900 neue Domainendungen beworben, wobei einige Endungen wahrscheinlich gleich bei mehreren Marktteilnehmern auf der Liste stehen dürften.

Da die ICANN nicht alle Bewerbungen auf einmal bearbeiten kann, wird die Reihenfolge in einem sportlichen Online-Wettbewerb entschieden, dem „Digitalen Bogenschießen“.

Für jede gTLD-Bewerbung gibt es einen Zeitpunkt, zu dem der Bewerber auf einer bestimmte Webseite klicken muss. Wobei sich jeder den Zeitpunkt vorher selber aussuchen darf. Je genauer an dem gesetzten Zeitpunkt geklickt wird, um so früher wird die Bewerbung bearbeitet. Danach will die ICANN jeweils Tranchen zu je 500 TLDs abarbeiten. Natürlich werden auch alle Bewerbungen zusammengefasst, die sich um die gleiche Endung bewerben.

Da derzeit noch unklar ist wie lange die Bearbeitung dauert, kann es große finanzielle Nachteile mit sich bringen, nicht schon im ersten Batch dabei zu sein. Derzeit geht die ICANN von fünf Monaten Bearbeitungszeit für die ersten 500 Bewerbungen aus.

Einige auf Domaincatching spezialisierte Unternehmen haben dann auch prompt ein Geschäftsmodell aus diesem Verfahren gemacht. Denn gerade beim Catchen gelöschter Domainnamen kommt es auf millisekundengenaue Arbeit an. Diese Erfahrung können nun die Bewerber für sich einkaufen. Man muss also nicht gerade selber ein Schützenkönig sein um hier seine Trefferchancen zu erhöhen. Dies unterscheidet das Verfahren von der Kirmes: Auf dem Rummelplatz würde es im Wettstreit sicher nicht gut ankommen, wenn man nicht selber schießt, sondern einen Söldner für sich schießen läst. Daran merken wir, dass es beim Digital Archery nicht um ein Freizeitvergnügen geht, sondern um handfeste Geschäfte.

Weitere Informationen gibt es auf der offiziellen Webseite der ICANN zum Verfahren

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.bayern: Domainvergabe per Versteigerung?

Geschrieben am 16 April 2012 von Domainvermarkter02

Der Bewerber der neuen Top-Level-Domain (nTLD) .bayern plant die Versteigerung von besonders begehrten Domains. Dies geht aus einem Interview des Bayrischen Rundfunks (BR) mit dem Geschäftsführer der Bayern Connect GmbH hervor, welche die .bayern-TLD mit Lizenz des Freistaats Bayern betreiben will.

Im Interview äusserte Bayern Connect Geschäftsführers Caspar von Veltheim, dass man plane „einzelne Domains unterhalb von .bayern, also zum Beispiel hotel.bayern, (…) im Falle mehrerer Bewerber “diskriminierungsfrei” zu vergeben – indem man sie versteigere“.

Die Bayern Connect GmbH ist eine Tochter der international tätigen und an der Londoner Börse notierten Holding-Gesellschaft TLDH, die sich mit weiteren Tochtergesellschaften auch um die Vergabe für Rom, Berlin und New York bemüht. Hier findet sich mit Peter Dengate ein Ex-ICANN CEO an der Spitze der Holding, was zumindest für ausreichend Know-How spricht.

Grüne üben Kritik

Kritik am Ausschreibungsverfahren und der Gewinnerfirma kommt von  der Grünen-Landtags-Abgeordneten Ulrike Gote. Sie findet bereits das Ausschreibungsverfahren der bayrischen Staatsregierung “wenig transparent”. Dass die Bayern Connect GmbH eine Tochter der TLDH Holding ist, die ihren Sitz auf den als Steuerparadies geltenden Jungferninseln hat, sorgt bei ihr für weiteres Unverständnis und Befürchtungen, die .bayern könnte bald weiterverkauft werden.

Lediglich ein Konkurrent bei Ausschreibung um .bayern

Um Betreiber von .bayern zu werden musste sich die Bayern Connect GmbH im Rahmen der Ausschreibung der bayrischen Staatsregierung gegen lediglich einen Mitbewerber, dem dotbayern e.V., durchsetzten. Nach Aussagen des im Bayerischen Finanzministerium für IT-Angelegenheiten zuständigen Staatssekretär, Franz-Josef Pschierer, habe Bayern Connect ein vielfaches an Gewinnbeteiligungen angeboten wie die Konkurrenz dotBayern e.V. und somit letztendlich das Rennen gemacht.

Landesregierung hat sich Eingriffsrechte zusichern lassen

Fragen werfen allerdings Meldungen auf, dass sich der Freistaat Bayern umfangreiche Mitspracherechte bei der Vergabe von Domainnamen unter .bayern gesichert hat. So wolle man keine “missbräuchliche Verwendung des Landesnamens zulassen” (heise.de).

Der Betreiber Caspar von Veltheim bestätigt: “Oberste Entscheidungsinstanz für die Zuteilung von .bayern-Subdomänen bleibt aber der Freistaat Bayern” (br.de).

In der Antwort auf die Anfrage der Grünen zu .bayern im Landtag von Bayern wird das Staatsministeriums konkret; demnach wird vertraglich folgendes mit dem Betreiber geregelt:

  •  Zuteilung von Second Level Domains
  • Vermeidung plagiierender Domains
  • Kennzeichenschutz
  • Schutz bestimmter Gattungsbegriffe
  • Unterbindung von Rechtsverletzungen
  • Gewährleistung des Datenschutzes
  • Preise der Second Level Domains
  • Einrichtung eines Beirats
  • Sperrlisten
  • Einhaltung der Registrierungsrichtlinien

Dies lässt Raum für Spekulationen: Wird es in dem CSU-regiertem Bayern keine Erotikdomains wie “verficktes.bayern” geben? Wie werden die “Schwarzen Listen” bestimmt, die bestimmte Begriffe von der Registrierung ausschließen? Oder muss man damit rechnen, das bereits registrierte Domainnamen nachträglich gelöscht werden?

Offensichtlich legt man im Gegensatz zur Denic die Verantwortung für die Domainanmen stark in die Hände der Betreiber. Während die Denic nur bei offenkundigen Rechtsverletzungen angehalten ist Domainnamen zu löschen, wird unter .bayern die Frage was “plagiierende Domains” und  Kennzeichenrechtsverletzungen sind in die Hand der Betreiber gelegt.

Noch weitgehender dürfte sich der Punkt “Unterbindung von Rechtsverletzungen” auswirken: Damit könnten Eingriffe gemeint sein, wenn es um Inhalte von unter .bayern-Domains hinterlegten Webseiten geht.

 

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ICANN will New-TLD-Bewerberliste am 30. April bekanntgeben

Geschrieben am 03 April 2012 von Domainvermarkter02

Mit Spannung wird erwartet um welche neuen Domainendungen demnächst der Domainnamensraum erweitert werden könnte. Nun hat die ICANN in einer Pressemitteilung mit dem 30. April 2012 das Datum bekannt gegeben, an welchem die vollständige Liste der Bewerbungen veröffentlicht werden soll. Wenn alles wie erwartet abläuft.

Dann läge die ICANN nach eigenen Angaben voll im selbst aufgestellten Zeitplan. Rod Beckstorm, Präsident und CEO der ICANN äußert sich in der Presseerklärung wie folgt:

Unser Plan war es immer, die Liste mit den Bewerbern um eine der neuen gTLD, ca. zwei Wochen nach dem Schließen des Bewerbungsfenster am 12. April dieses Jahres zu veröffentlichen. Mit der Bekanntgabe eines Veröffentlichungstermin, so Beckstorm weiter, möchte man allen die Möglichkeit eröffnen, sich auf diesen mit Spannung erwarteten Moment vorzubereiten.

Allerdings merkt der ICANN-Präsident einschränkend an, dass es für den Fall einer überwältigend großen Anzahl von Bewerbungen durchaus noch zu einer Verschiebung des anvisierten und nun offiziell verkündeten Termin kommen kann.

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Neue TLDs: Domainer sind wenig begeistert – Über den Sinn und Nutzen neuer Domainendungen

Geschrieben am 14 Februar 2012 von Domainvermarkter-Magazin

zuerst veröffentlicht im Domainvermarkter-Magazin 06

Der Beschluss der ICANN, ab 2013 nahezu beliebige Top-Level-Domains (TLDs) zuzulassen, sorgt weltweit für Schlagzeilen. In denen ist nicht selten von angeblicher Adressen-Knappheit die Rede, die mit den neuen Endungen beseitigt würde.

Vielen Domainern fällt es schwer, in die derzeitige Jubelstimmung einzufallen. Dies liegt sicher nicht zuletzt daran, dass viele der zuletzt eingeführten gTLDs wie .jobs, .travel, .pro, .name oder .museum ein Nischendasein führen und auch wirtschaftlich nicht besonders erfolgreich sind. Da fragen sich nicht wenige Domainprofis, welchen Erfolg wohl eine deutschsprachige Endung wie .reise haben wird, wenn schon eine globale .travel in den letzten Jahren auf wenig Resonanz gestoßen ist. Noch viel schlimmer: Vielen Nicht-Domainexperten sind diese bereits jetzt bestehenden Spezialendungen noch nicht einmal bekannt.
Deswegen möchten wir an dieser Stelle ein paar kritische Stimmen zum Sinn und Nutzen weiterer Top-Level-Domains nicht nur aus der internationalen Blogosphäre wiedergeben:

In dem größten deutschsprachigen Domainforum Consultdomain.de wurde betreffend der Einführung der neuen generischen Top-Level-Domains eine interessante und im Ergebnis aufschlussreiche Umfrage gestartet. Gefragt wurde, welche von neun aufgelisteten Domainendungen die Chance haben wird, sich zu etablieren. Die Umfrageteilnehmer konnten sich für unbegrenzt viele Antwortmöglichkeiten entscheiden.
Zur Auswahl standen neben .web, .shop, .hotel auch sich auf bestimmte Regionen beziehende Domainendungen wie .berlin oder .bayern sowie die Antwortmöglichkeit „keine von denen“. Eine Mehrheit von über 46% entschied sich für die Möglichkeit „keine von denen“. Knapp 43,5% der User rechnen damit, dass sich am wahrscheinlichsten noch die Endung .shop durchsetzen wird. Alle weiteren Vorschläge folgten mit einem großen Abstand. Auch die Domainendungen, die auf eine bestimmte Region hinweisen, schnitten denkbar schlecht ab. So erhielt die Endung .bayern lediglich 5,26%, .berlin immerhin über 13% der Stimmen.
Natürlich ist diese Umfrage nicht als repräsentativ zu betrachten und dennoch gibt sie einen recht guten Einblick darüber, wie wenig die professionellen Domainer im deutschsprachigen Raum von der beschlossenen Einführung neuer Top-Level-Domains halten.
http://consultdomain.de/forum/dot-tldforum/48636-neue-gtlds-alles-ueber-newgtlds-hier-rein-sammelthread-32.html

Thorsten Weigel sieht den Wert gerade von .de Domains in seinem Blog Domainmarkt.de weiter steigen:
„Benutzern ist eine Domain mit der Endung .de bekannt. Sie empfinden diese als vertrauenswürdiger. Eine unbekannte Domainendung, wie beispielsweise .biz oder .travel gibt’s schon seit einiger Zeit. Erfolglos! Wie viel Erfolg ist dann einer .gay oder .garten beschieden, die kein Mensch als offizielle Endung erkennen kann? Der Wert der .de wird durch die Erweiterung des Adresssystems und die Verunsicherung zunehmen. Wie beim Immobilienmarkt. Werterhalt und Wertsteigerung gibt es nur in guten Lagen: .de.
Eine Immobilie im Münchner Zentrum, gekauft vor Jahrzehnten, war zwar damals auch „teuer“, hat aber heute eine erheblichere Wertsteigerung. Im Gegensatz zu einem Grundstück irgendwo in der „Pampa“: .hostel, .pampa weit außerhalb des Stadtgebiets.
Die neuen Domainendungen arbeiten also für die Inhaber guter, beschreibender .de-Domains. Mit Sicherheit!
http://blog.domainmarkt.de/2011/06/neue-domainendungen/

Esther Dyson, Gründungsvorsitzende der ICANN kritisiert auf npr.org:
„Ich denke, es ist eine Art nutzloser Markt und wenn ich 185.000$ übrig hätte, würde ich diese in irgendetwas anderes investieren. Neue Werte werden auf diesem Wege nicht geschaffen. Im Grunde werden lediglich Wörter verkauft.“
http://www.npr.org/2011/06/21/137308306/not-just-dot-com-but-dot-yournamehere

Domainconsultant.com gehört zu den schärfsten Kritikern der Einführung neuer TLDs:
„Charles Ponzi wäre stolz. (…) Ist man der Besitzer einer bekannten Marke, dann wird es für diese Unternehmen richtig teuer, da sie quasi gezwungen sind, sich vor cybersquatting zu schützen. (…)
Profitieren werden davon vor allen Dingen die ICANN und die Registrare, da sich diese beiden an der Spitze der Pyramide befinden. (…) Ansonsten wird wohl keiner von der Einführung der neuen gTLDs profitieren bzw. es wird keinem wirklich nutzen. Man muss ja nur mal einen Blick zurückwerfen auf die letzte nutzlose Erweiterung der TLDs vor einigen Jahren. (…)
Es gibt im Prinzip gar keinen Bedarf an den neuen Domainendungen. Hier geht es nur um´s Geld verdienen, was mir zeigt wie korrupt die ICANN mittlerweile geworden ist.“
http://www.domainconsultant.com/?p=2925

Der Domainblogger Elliot J. Silver von elliotsblog.com fragt sich nach dem praktischen Sinn neuer Domainendungen wie .canon:
„Aus meiner Sicht funktionieren „Marken“.com Domains tadellos. Möchte ein Verbraucher beispielsweise auf die Canon Website gelangen, stellt es für diesen keine Probleme dar, Canon.com einzugeben oder die Seite ganz einfach mit Hilfe von google zu suchen.“
http://www.elliotsblog.com/i-dont-understand-brand-gtlds-6284

Morgan Linton, morganlinton.com:
„Meiner Meinung nach ist das ICANN-Vorhaben bezüglich der neuen TLDs bei weitem das Beste, was den .com-Domains jemals passieren konnte. Betrachtet man die Domainverkäufe der letzten 15 Jahre, dann lässt sich klar erkennen, dass die .com-Domains die höchsten Preise erzielten. Und dies weltweit. (…)
Also was passiert hier? – Eine wirklich gute Sache für die .com-Domains. – Alle Welt blickt nun auf den Domainmarkt und sieht, dass ein reger Handel mit Domainnamen besteht. Domainnamen werden nun wie Immobilien als Investment betrachtet. Mit jeder neuen gTLD, die gelauncht wird, wächst auch das öffentliche Interesse an der Domain-Industrie. Auf diesem Wege kommen immer mehr Menschen in diesen Bereich. Mehr Investoren, mehr Entwickler.“
http://morganlinton.com/the-real-winner-in-the-new-gtld-world-com/

Danno, dannosblog.com fragt sich, warum Nike eine .nike etablieren sollte, wenn es schon eine nike.com besitzt:
„Unternehmen, die sich registrieren lassen wollen, wird es wohl erst einmal um die 400.000 US $ kosten, lediglich um sich die „exklusiven Rechte“ für die Domainerweiterungen zu sichern. Die Ausgaben, die weiter hierfür investiert werden müssen, werden wohl mehrere Millionen $ pro Jahr betragen.
Top-Level-Domain-Erweiterung? – Ich behaupte, dass diese als „Marken oder Unternehmen“ bezeichneten Top-Level-Domains diese Bezeichnung nicht verdienen. Viel mehr sind diese so etwas wie „Top-Level-Sub-Domains“. (…) Es gibt nichts, was man nicht bereits jetzt mit einem bestehenden Domainnamen wie (hier als Beispiel genannt) nike.com machen könnte” (…) Für die meisten Firmen wird es sich nicht lohnen, hier Millionen Investitionen zu tätigen für die geringen Vorteile. Dennoch – unabhängig davon was ich davon halte – werden sich viele für eine eigene TLD bewerben.“
http://dannosblog.com/2011-06/new-top-level-domain-extentions-or-just-top-level-sub-domains/

 Andrew Allemann, Domainnamewire.com:
„Einige Leute vermuteten, dass die neuen TLDs eine exzellente Möglichkeit für große, global tätige Unternehmen wie beispielsweise eBay oder IBM eröffnen würde, ihre Marke im Domainnamen zu branden. Anstelle von eBay.com oder IBM.com könnten sie dann ihre eigenen Domainendungen .ebay beziehungsweise .ibm verwenden.
Nehmen wir einmal an, dass diese beiden Unternehmen diese neuen Endungen zukünftig tatsächlich verwenden würden. Quizfrage: Auf welchem Wege wäre dann die Firmenhomepage erreichbar? Es würde nicht genügen, lediglich „ebay“ in die Browserzeile einzugeben. So wie Browser derzeit (noch) programmiert sind, kann man nicht einfach .ebay in den Browser eingeben und dann erwarten, dass man auf die .ebay Seite gelangt. Nötig wäre hierfür eine „second level domain“ wie zum Beispiel home.ebay. Selbst wenn globale Marken ihre eigenen TLDs bekommen werden, so werden sie weiterhin die .com Adressen betreiben müssen.
Nehmen wir einmal an, eBay verweist auf der alten .com-Seite zur neuen Seite „shop.ebay“. Infolgedessen werden wohl 99% der Leute in ihren Browser erst einmal die falsche Adresse shop.ebay.com eingeben. Diese Zahl wird im Laufe der Zeit zwar sinken, doch dies vermutlich nur sehr langsam.
Und wie sieht es mit Emailadressen aus? Lautet die Adresse beispielsweise support@shop.ebay, werden wohl wiederum rund 99% der Menschen, sich daran erinnern, dass da doch noch eine TLD hingehört, die Mail an support@mail.ebay.com senden. Im Endeffekt müsste eBay diese Adresse genauso einrichten.“
http://domainnamewire.com/2009/01/26/why-ebay-and-ibm-make-no-sense/

Von Christoph Grüneberg und Pascal Lacaille

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