Archive | Generische TLDs

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Generische Top-Level-Domains – Eine Übersicht

Geschrieben am 20 August 2012 von Domainvermarkter-Magazin

Im Jahr 1985 entschlossen sich die damaligen Verwaltungsinstitutionen des Internets, bestehend aus der Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA), der National Science Foundation (NSF) und weiteren US-Forschungseinrichtungen dazu, sieben gTLDs zu schaffen, von denen drei (.com, .net, .org) weitestgehend zur freien Registrierung von Domainnamen zur Verfügung stehen sollten. Vier weitere (.edu, .mil, .gov, .int) wurden mit besonderen Restriktionen belegt und sind somit nicht für Jedermann frei verfügbar.

Gemäß diesem Beschluss wurden folgende gTLDs ab 1985 neu eingeführt:

Ungesponserte TLDs
.com – (Einführung 1985)
Die gTLD-Endung .com steht für „commercial“ (gewerblich/geschäftlich). Eingeführt im Januar 1985, wurde die erste .com-Adresse (symbolics.com) im März 1985 registriert. Mit über 100 Millionen registrierten Domains ist die .com-Endung die mit großem Abstand meist registrierte TLD. Verwalter und Betreiber der .com-Adressen ist der Verisign Information Service mit Sitz im kalifornischen Mountain View, USA.

.net – (Einführung 1985)
.net hat die Bedeutung „network“ (Netzwerk) inne und steht seit Januar 1985 zur Registrierung zur Verfügung. Hinter .com ist .net mit 14.720.724 Domains die zweitpopulärste gTLD. Die Endung .net wird wie auch .com und .name von dem US-amerikanischen Verisign Information Service verwaltet und betrieben.

.org – (Einführung 1985)
Hinter der TLD .org verbirgt sich der Begriff „organization“ (Organisation). Die Endung .org zählt aktuell fast 10 Millionen Domains und ist somit die gTLD, die am dritt häufigsten registriert ist. Verwaltet und betrieben wird die .org-TLD von der Public Interest Registry (PIR) mit Sitz in Reston, Virginia, USA.

TLD mit besonderen Restriktionen
.int – (Einführung 1988)
Die Endung .int steht für „international“. Verfügbar sind .int-Domains seit dem Jahr 1988; allerdings nur für internationale Organisationen, für welche .int exklusiv reserviert ist. Zuständig für Verwaltung und Betrieb der .int-Adressen ist die im kalifornischen Marina del Rey ansässige Internet Assigned Numbers Authority (IANA). Zu der genauen Anzahl registrierter .int-Domains liegen leider keine Daten vor.

Gesponserte TLDs (gem. DNS Erweiterungs-Beschluss 1985)
.edu – (Einführung 1985)
Die Domain-Endung .edu mit der Bedeutung „education“ (Bildung) ist für Bildungseinrichtungen auf der ganzen Welt vorgesehen. Seit dem Jahr 2001 benötigt jeder, der eine .edu-Adresse registrieren lassen will, eine Akkreditierung des US-Bildungsministeriums. Informationen zu der Gesamtzahl registrierter .edu-Domains liegen leider nicht vor. Sponsor von .edu ist EDUCASE, ein gemeinnütziger Verein, der seine Aufgabe darin sieht mehr Bildung durch die intelligente Nutzung von moderner Informations- und Kommunikationstechnologie zu fördern.

.mil – (Einführung 1985)
Die TLD .mil steht für „military“ (Militär) und ist ausschließlich US-Militär-Einrichtungen vorbehalten. Daten, wie viele Domains unter einer .mil-Endung registriert sind, stehen leider nicht zur Verfügung. Sponsor ist das US Department of Defense Network Information Center (US-Verteidigungsministerium).

.gov – (Einführung 1985)
.gov steht für „government“ (Regierung). Unter einer .gov können ausschließlich Organe und Institutionen der US-Regierung eine Domain registrieren. So hat beispielsweise jeder US-Bundesstaat seine eigene .gov-Adresse. Valide Zahlen, wie viel Domains unter einer .gov registriert sind, liegen leider nicht vor. Als Sponsor tritt die U.S. Government Entities (US-Regierungsbehörde) in Erscheinung.

Sukzessive Erweiterung des DNS ab 2000
Mit der wachsenden Bedeutung und der Rolle des Internets als das Medium der Zukunft wuchs auch der Bedarf an verfügbaren Web-Adressen (Domains), so dass sich die 1998 zu dem Zweck der Verwaltung des Internets gegründete ICANN in mehreren Schritten und mit den Jahren zu der Einführung weiterer, neuer uTLDs und sTLDs entschloss.

Ungesponserte TLDs seit 2000
.biz – (Einführung 2001)
Die TLD .biz hat die Bedeutung „business“ (geschäftlich/kaufmännisch). Eine .biz-Domain kann heute von nahezu jedem gelauncht werden, ohne dass besondere Voraussetzungen erfüllt werden müssen. Zuständig für Betrieb und Verwaltung der knapp 2,3 Millionen registrierten .biz-Adressen zeichnet sich das US-Unternehmen Neulevel, das sich zu 90 Prozent im Besitz der Neustar Inc. aus Sterling,  Virginia, USA befindet.

.info – (Einführung 2001)
Unter einer .info-TLD, was für „information“ steht, kann seit Mai 2001 jeder Interessent eine Domain registrieren. Nach der TLD .com ist die .info-Endung die zweite gTLD, die ohne Restriktionen für jeden zugänglich ist. Mit über 8 Millionen registrierten Domains ist .info die viert beliebteste gTLD. Betreiber und Verwalter von .info ist das irische Unternehmen Afilias mit Hauptsitz in Dublin.

.name – (Einführung 2001)
Die gTLD .name mit der entsprechenden Bedeutung kann seit Januar 2002 von allen Individuen registriert werden, die ihren Eigen-, Spitz- oder Künstlernamen nutzen wollen, um ihren Blog, ihr Unternehmen oder ihre Marke mit eben diesem Namen zu promoten. Zur Zeit liegen 235.000 Registrierungen einer .name-Domain vor. Betrieben und verwaltet wird .name von Verisign Information Service, Mountain View, Kalifornien, USA.

.pro – (Einführung 2004)
Die TLD .pro steht für „professionals“ (Profis) und ist speziellen Berufsgruppen und qualifizierten Fachkräften vorbehalten, die sich durch ein entsprechendes Zertifikat auszeichnen können. Seit Juni 2004 stehen .pro-Domains zur Registrierung zur Verfügung. Die ca. 125.000 Domains, die unter einer .pro registriert sind, werden von einer Tochter der Afilias Ltd., der RegistryPro mit Sitz in Vancouver, British Columbia, Kanada, verwaltet und betrieben.

Gesponserte TLDs seit 2000
.museum – (Einführung 2001)
Unter einer .museum können Museen, (Kunst-)Ausstellungen und Berufsgruppen mit Branchenbezug eine Domain registrieren. Durchgesetzt hat sich die Endung .museum jedoch nicht, wovon die gerade einmal 439 registrierten .museum-Domains zeugen. Sponsor ist die extra zu diesem Zweck von dem International Council of Museums (ICOM) gegründete Museum Domain Management Association (MuseDoma).

.coop – (Einführung 2001)
.coop meint „cooperatives“ (Genossenschaften) und ist folglich vorgesehen für genossenschaftliche Service-Angebote, die sich den Grundsätzen der International Co-operative Alliance (ICA) verpflichtet fühlen. Seit Januar 2002 können entsprechende Genossenschaften eine Domain unter der Endung .coop registrieren, wovon allerdings bislang lediglich ca. 10.000 mal Gebrauch gemacht wurde. Als Sponsor der .coop tritt die DotCooperation LLC, eine Tochter der National Cooperative Business Association (branchenübergreifende Organisation von Genossenschaften in den USA) in Erscheinung, in deren Auftrag die Midcounties Co-operative Limited (Gallows Hill, UK) als Registry fungiert.

.aero – (Einführung 2002)
Unter der TLD .aero, was für „aeronautics“ (Luftfahrt) steht, können seit März 2002 Unternehmen, Vereine und Organisationen eine Domain registrieren, die aus dem Bereich der Luftfahrt oder einer damit in direkter Verbindung stehenden Branche wie beispielsweise Fluggesellschaften, Flughäfen oder Reiseveranstaltern stammen und die .aero-Adresse nutzen wollen, um Informations- und Service-Angebote verfügbar zu machen. Mit 7.693 registrierten Domains ist die .aero-TLD eher eine Randerscheinung im DNS. Sponsor ist die in Belgien als genossenschaftliche Vereinigung gegründete Société Internationale de Télécommunication Aéronautiques (SITA), die ihre mehr als 700 Mitglieder aus den Bereichen der Luftfahrt und Touristik sowie Logistik mit Datenverarbeitungs- und Kommunikationsdiensten versorgt.

.travel – (Einführung 2005)
Mit .travel (Reise) wurde im Oktober 2005 eine spezielle TLD für Unternehmen und Anbieter der Reisebranche (Reiseanbieter, Reisebüros, Fluganbieter, etc.) verfügbar gemacht. Registriert wurden seitdem 26.115 .travel-Domains. Gesponsert wird .travel von der Non-Profit Organisation The Travel Partnership Corporation (TTPC), welche die Interessen von 124 Reise-Fachverbänden aus neun Branchen und 73 Ländern vertritt.

.tel – (Einführung 2005)
Die TLD .tel steht für „telecommunication“ (Telekommunikation) und ist seit März 2009 als TLD verfügbar. .tel-Domains ermöglichen durch die Verwendung von NAPTR (Naming Authority Pointer ) und TXT records eine einfache, standardisierte und  automatisierte Speicherung sowie Veröffentlichung von Kontaktdaten. Von einer .tel-Domain und deren Möglichkeiten wird bislang 281.451 mal Gebrauch gemacht. Sponsor von .tel ist das britische Unternehmen Telnic Limited, welches im Jahr 2000 zum Zweck der .tel-Vermarktung gegründet wurde.

.cat – (Einführung 2005)
Mit .cat hat die „Autonome Gemeinschaft Katalonien” (Principat de Catalunya) im Nordosten Spaniens eine eigene TLD erhalten, unter welcher seit Februar 2006 eine Domain registriert werden kann, was bislang 52.103 mal geschah. Allerdings stehen .cat-Adressen nur für Inhalte in katalanischer Sprache oder mit einem Bezug auf die katalanische Kultur zur Verfügung. Gesponsert wird die sTLD .cat von Fundació puntCAT, einer gemeinnützigen Vereinigung mit Sitz in der katalanischen Hauptstadt Barcelona, die sich dem Erhalt und Schutz der katalanischen Kultur und Sprache verschrieben hat.

.jobs – (Einführung 2005)
Die TLD .jobs wurde ins Leben gerufen, um für Unternehmen und Arbeitgeber eine Plattform zu schaffen, auf der Stellenangebote promotet und geeignete Arbeitskräfte akquiriert werden können. Die Endung .jobs ist daher ausschließlich Unternehmen mit Stellenangeboten vorbehalten. Die Möglichkeit, eine .jobs-Domain zu registrieren, besteht seit Dezember 2005 und wurde bisher 41.413 mal genutzt. Sponsor ist die Employ Media LLC (Cleveland, Ohio, USA), eine Tochter der Society for Human Resource Management (SHRM), der weltweit größten Personal-Management-Vereinigung mit Mitgliedern in über 100 Ländern.

.mobi – (Einführung 2005)
.mobi wurde als spezielle TLD für Dienste ins Leben gerufen, welche die Nutzung von mobilen Endgeräten explizit unterstützen und auf diesem Wege zur besseren Orientierung der User beitragen. Möglich ist eine Registrierung einer .mobi-Domain seit dem Jahr 2006. Seitdem wurden bereits 1.016.562 .mobi-Adressen registriert. Mit der MTLD Top Level Comain Limited (dotmobi) ist eine Tochter des irischen Registrars Afilias Ltd. Sponsor der TLD .mobi. Gegründet und unterstützt von zahlreichen namhaften Unternehmen der Mobilfunk- sowie Telekommunikationsbranche (Telekom, Vodafone, Google, Nokia, Microsoft, etc.) und in enger Zusammenarbeit mit dem World Wide Web Consortium (W3C), fungiert dotmobil als wichtige Schnittstelle zwischen reinen Internetdiensten und denen der Mobilfunk-Industrie.

.asia – (Einführung 2006)
Die TLD .asia steht für die ICANN-Region Asien/Australien/Pazifik und ist entsprechend für Personen als auch Unternehmen gedacht, welche in dieser Region ansässig sind. Seit Oktober 2007 sind .asia-Domains verfügbar, wovon bislang 196.553 mal Gebrauch gemacht wurde. Sponsor ist die DotAsia Organisation, eine mitgliederbasierte Non-Profit Organisation mit Sitz in Hongkong, die sich als Vertretung der Internet Communities in Asien, Australien und den Pazifikstaaten sieht.

.xxx – (Einführung 2011)
Nachdem die Bewerbung zur Einführung einer .xxx -TLD, unter welcher Webseiten mit „pornographischen Inhalten“ registriert werden können, sowohl im Jahr 2000 als auch im Jahr 2004 scheiterte, erteilte die ICANN nach jahrelangem Hin und Her der ICM Registry im März 2011 den Zuschlag für den Betrieb von .xxx als sTLD. Seit September 2011 können .xxx-Domains von Unternehmen der Porno-Branche registriert werden. Sponsor der neu eingeführten .xxx-Endung ist die International Foundation for Online Responsibility (IFFOR) mit Sitz in Washington D.C., USA, die explizit zu diesem Zweck als Non-Profit Organisation gegründet wurde.

.post – (Anfang August 2012)
Mit der TLD .post („postal“) wurde bereits im Jahr 2009 eine eigene TLD speziell für Post-, Logistikdienstleister und anverwandte Organisationen beschlossen. In der Root-Zone eingetragen und somit Verfügbar ist .post allerdings erst seit wenigen Tagen (Anfang August 2012).  Sponsor der geplanten TLD .post ist die Universal Postal Union (Weltpostverein), eine Institution mit Sitz im schweizerischen Bern, die den reibungslosen, weltweiten Brief- und Postverkehr durch das Einführen von Rahmenbedingungen und internationalen Standards regelt.

Besuchen Sie auch unser Special zu den New gTLDs

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Steigende .com-Gebühren: Mehr Preisdruck durch neue TLDs?

Geschrieben am 16 August 2012 von Domainvermarkter-Magazin

zuerst veröffentlicht im Domainvermarkter-Magazin 07

Ende März veröffentlichte ICANN einen Entwurf für die Verlängerung des Vertrags mit Verisign über den Betrieb der Top-Level-Domain .COM. Wie der derzeit gültige Vertrag sieht der Entwurf vor, dass die Registrierungsstelle die Gebühren, die sie den Registraren in Rechnung stellt, innerhalb eines Zeitraums von 6 Jahren bis zu vier Mal erhöhen darf. Die Preise können dabei jedes Mal um bis zu 7 Prozent steigen.

Da die Preisgestaltung zwischen Verisign und dem US-Handels- sowie dem US-Wirtschaftsministerium ausgehandelt wurde, sind diese und andere Bestimmungen des Vertrags nicht Gegenstand des verlängerten Vertrags zwischen ICANN und Verisign. Vielmehr betont ICANN, dass „If the .com pricing provisions were to be changed to be similar to the other large gTLDs then that would most likely allow Verisign to raise prices by 10% per year in each of the six years of the agreement, as in the .biz, .info, .net, and .org agreements.“ Neustar, die Registrierungsstelle für .BIZ-Domains, hat von diesem Recht bereits Gebrauch gemacht und zum 1. Februar 2012 die Registrierungspreise um 7,5 Prozent auf 7,85 US-Dollar angehoben.

Status quo
7,85 US-Dollar verlangt derzeit auch Verisign für eine .COM-Domain. Nimmt das Unternehmen sein Recht wahr, die Preise in Übereinstimmung mit dem Vertrag vier Mal zu erhöhen, müssen Registrare bereits 2016, spätestens jedoch 2018, über 10 US-Dollar pro Domain bezahlen.
„Das Steigen der Preise ist nicht schön: übertrieben tiefe und dann stetig steigende Preise sind eine Form von absichtlicher Täuschung der Kunden. Aber für eine nicht-spekulative Nutzung von Domains sind die Preiserhöhungen absolut unwichtig“, sagt Werner Straub, Vorstandsmitglied von CORE Internet Council of Registrars.

Zusätzlich zu den turnusmäßigen Erhöhungen kann Verisign die Preise ebenfalls dann anheben, wenn dem Unternehmen Kosten aufgrund von Investitionen in die technische Infrastruktur entstehen. Die Ergänzung des Vertrags betreffen beispielsweise technische Aspekte wie die Verpflichtung der Registry, künftig auch IPv6- Adressen, DNSSEC oder Internationalized Domain Names zu unterstützen.

Ausblick
Einige Branchenexperten gehen davon aus, dass die Einführung neuer Top- Level-Domains die etablierten Registrybetreiber unter stärkeren Rechtfertigungsdruck setzt. Wenn neue allgemein verfügbare TLD-Domains den Registraren für deutlich geringere Gebühren angeboten werden, stellt sich die Frage, warum diese bei den bestehenden TLDs so hoch sind.

Andererseits könnten sich die Anbieter der neuen TLDs an der Preisgestaltung der etablierten TLDs orientieren. Hierbei könnten sie bei ICANN offene Türen einrennen. Denn die Organisation weist bereits anlässlich der Verlängerung mit Verisign darauf hin, dass für neue TLDs oder Community-TLDs wie .asia, .cat, .jobs, .mobi, .post, .pro, .tel, .travel oder .xxx keine Kontrolle der Registrierungspreise in den Betreiberverträgen enthalten sind.

„Die neuen Registries stehen unter einem gewaltigen Druck, die aufgewendeten finanziellen Mittel für die Bewerbung und für Investoren wieder einzuspielen“, sagt Andreas Schreiner, Geschäftsführer der InterNetWire Communications GmbH. „Daher ist zumindest in den nächsten zwei bis drei Jahren mit vergleichbaren Domainpreisen wie bei .COM und .NET zu rechnen. Ein Preisdumping wird es vorerst nicht geben.“

Werner Straub ergänzt: „Ich glaube, dass die meisten neuen TLDs deutlich höhere Preise verlangen werden, im Durchschnitt mitunter bis zum 10-fachen Preis einer .com-Domain, und dass sie im Endeffekt trotzdem billiger und nützlicher sein werden.“ Denn, so Straub, sorgten vergleichsweise hohe Registrierungskosten eher dafür, dass die Domains nicht in erster Linie aus spekulativen Gründen registriert würden, sondern für die Nutzung durch die „normalen Domaininhaber“.

Von Matthias Maier, info@textstudio.info

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gesamtübersicht_TLD_Q1/2012

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Verisign: Über 233 Millionen registrierte Domains & stabiles Wachstum

Geschrieben am 19 Juli 2012 von Domainvermarkter02

Der Betreiber der Registries für .com- und .net-Domains, Verisign, hat jüngst seinen vierteljährlich erscheinenden Domain-Name-Industry-Bericht veröffentlicht, der stets einen aufschlussreichen Einblick über die aktuellen Bewegungen auf dem Domainmarkt gewährt. Auf Grundlage verschiedenster, statistischer und analytischer Methoden analysiert Verisign in seinem Domain-Name-Industry-Bericht die jüngsten Entwicklungen und Tendenzen in der Domain-Branche.

Der aktuell veröffentlichte Domain-Name-Industry-Bericht betrachtet das erste Quartal 2012 (Q1/2012) und wertet dieses, auch im Vergleich zu den zurückliegenden Quartalen, aus.

Der Bericht zeigt, dass sich der Domainmarkt weiterhin auf einem stetigen Wachstumskurs befindet. Mit Abschluss des ersten Quartals 2012 waren, alle Top-Level-Domains zusammengenommen, mehr als 233 Millionen Domainnamen registriert. So viele wie niemals zuvor. Dies entspricht im Vergleich zum vorausgegangen vierten Quartal 2011 einem Wachstum von 3,3 Prozent, was in absoluten Zahlen ausgedrückt einer Zunahme von 7,5 Millionen registrierter Domainnamen entspricht. Im Vergleich zum Vorjahr (Q1/2011) bedeutet dies ein Wachstum um 23 Millionen, beziehungsweise 11 Prozentpunkte.

stabiles Wachstum auf Niveau des Vorjahres

Mit Blick auf die Country Code Top-Level-Domains (ccTLDs) lässt sich sogar ein noch deutlicheres Wachstum attestieren. 94,9 Millionen ccTLDs waren bis Ende März registriert, was im Vergleich zu Q4/2011 einer Steigerung von 4,8 Prozent und im Jahresvergleich um 16,2 Prozent entspricht.

Auch .com- und .net-Domains konnten erneut zulegen, allerdings liegt ihre Wachstumsrate im Quartalsvergleich zu Q4/2011 sowie im Jahresvergleich zum vorangegangenen Jahr 2011, mit 2,5 und 13,2 Prozent unter der, der oben bezifferten ccTLDs. In absoluten Zahlen bedeutet dies, dass 116,7 Millionen Domains mit .com- und .net-Domains registriert waren.
Wobei die .com-Domains im Verlauf des vergangenen Quartals Q1/2012, die magische Marke von 100 Millionen registrierter .com-Domains brechen konnte.

Insgesamt wurden in dem betrachteten Zeitraum von Januar bis März diesen Jahres 8,9 Millionen .com- und .net-Domains neu registriert. Dies entspricht einer Steigerung von 7,7 % im Jahresvergleich und 13,2 % im Vergleich zu Q4/2011.

.de führt weiter die Top-Ten der ccTLDs an

Bei den ccTLDs machen weiterhin die zehn am häufigsten registrierten Domainendungen, der insgesamt mehr als 290 ccTLDs die zu einer Registrierung zur Verfügung stehen, rund 60 Prozent aller registrierten Domains dieser Gruppe aus.

Die deutsche ccTLD .de führt diese Rangfolge der am meist registrierten Länder-Code Domains nach Abschluss des ersten Quartals 2012 weiterhin, vor der ccTLD .uk (Großbritannien) und .tk, der Länder-Code Domain der zu Neuseeland gehörenden Zwergen-Insel im Pazifischen Ozean Tokelau, an. Da die hauptsächliche kostenlose Vergabe von .tk erklärt hier die Masse der Registrierungen. Auch auf den folgenden Plätzen der Top-Ten ccTLDs haben sich im Vergleich zum vierten Quartal 2011 nahezu keine Änderungen ergeben, außer das die Länderkennung Australiens (.au), die Italiens (.it) von Rang zehn der am häufigsten registrierten ccTLDs verdrängt hat.

In der Rangfolge aller TLDs belegt die deutsche .de-TLD mit knapp unter 15 Millionen registrierter Domains (Q1/2012) weiterhin den zweiten Rang nach .com- und vor .net-Domains. Es folgen die TLD-Endungen .uk (Großbritannien), .org, .info, .tk (Tokelau), .nl (Niederlande), .ru (Russische Föderation) sowie .eu (Europäische Union).

Insgesamt bleibt der Domainmarkt also stabil und bietet dank der soliden und gesunden Wachstumsraten Investoren interessante Möglichkeiten und Chancen, außerhalb der zur Zeit extrem unsicheren Finanzmärkte und wenig lukrativen, aber sicheren oder aber gut verzinsten, weil extrem riskanten Staatsanleihen, zu investieren.

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Technische Probleme: „Digitales Bogenschießen“ gestoppt!

Geschrieben am 25 Juni 2012 von Domainvermarkter02

Das umstrittene „digitale Bogenschießen“, das die ICANN zur Ermittlung einer Bearbeitungsreihenfolge der Bewerbungen um die neuen generischen Top-Level-Domains (NewgTLDs) aus der Taufe gehoben hat, ist vorerst gestoppt. Erneut sind es technische Probleme die die ICANN dazu zwingen den Prozess auf unbestimmte Dauer auszusetzen. Seit dem 23. Juni ist das System nun abgeschaltet; Eine Registrierung ist derzeit nicht mehr möglich.

Wann das ohnehin viel kritisierte Verfahren des „Digital Archery“ (wir berichteten) fortgesetzt wird, ist noch nicht bekannt. Und auch ob es überhaupt weitergeht, scheint nun mehr als fraglich. Branchenkenner gehen von einem endgültigen Scheitern und einem Zurückrudern der ICANN in Sachen “Digital Archery” aus.

In einer Presseerklärung versucht die ICANN die aktuellen Probleme zu beschreiben und nimmt Stellung zu den erneuten technischen Problemen:

Der wichtigste Grund (Anmerk. der Redaktion: für die Aussetzung des Systems) ist, dass Bewerber davon berichteten, dass der Zeitstempel des Systems, aus noch ungeklärten Gründen, unerwartete, falsche Ergebnisse liefert. Unabhängige Analysten konnten dies bestätigen.

Wie genau es zu den Varianzen bei der Ausstellung des Zeitstempels kommt, ist derweil noch vollkommen unklar. Klar scheint nur, dass der Fehler irgendwo im eigenen technischen System begründet liegt.
Wahrscheinlich scheint einigen ICANN-Analysten eine unzureichende Netzwerklatenz (beanspruchte Zeit einer Datenübertragung zwischen Rechnern innerhalb eines Netzwerkes), andere sehen die Probleme eher in einer fehlerhaften Reaktion des Zeitstempel-Systems unter verschiedenen Ausgangsumständen als Ursache. Genaueres prüfen Experten aktuell.

Geringe Akzeptanz des Verfahrens – wie es weitergeht ist fraglich
Eigentlich sollte das Zeitfenster zur Registrierung und Abholung des Zeitstempels zum 28. Juni geschlossen werden. Bis zur Aussetzung des Systems am 23. Juni, hatten sich jedoch erst 20 Prozent der Bewerber um eine der NewgTLDs registriert und sich ihren, für das „digitale Bogenschießen“ zwingende erforderlichen, Zeitstempel abgeholt. Dies spricht für die geringe Akzeptanz auf die das Verfahren des „Digital Archery“ in der Branche gestoßen ist, und dafür, dass nach den nun vorliegenden technischen Schwierigkeiten, möglicherweise ganz von dem Schießen mit dem digitalen Bogen Abstand genommen wird. Dies ist bislang aber nicht mehr als eine Vermutung. Wie, wann und ob es überhaupt weiter geht mit dem digitalen Bogenschießen, dazu äußerte sich die ICANN noch nicht. Der weitere Evaluierungsprozess in Sachen NewgTLDs soll aber fortgesetzt werden wie geplant.

Technische Panne der Grund für Salazar-Rücktritt?
Diese erneute, peinliche technische Panne im Einführungsprozess der NewgTLDs, lässt den überraschenden Rücktritt von Michal Salazar, der am späten Donnerstag Abend via Pressemitteilung vermeldet wurde, in einem ganz neuen Licht erscheinen. Salazar zeichnete sich bei der ICANN hauptverantwortlich für das NewgTLDs-Programm. Die Vermutung liegt nahe, das Salazar nun persönliche Konsequenezen aus dem neuerlichen, technischen Fauxpas gezogen hat. Eine Begründung für den überraschenden Rücktritt Salazars, kurz bevor das jahrelang unter seiner Feder geplante NewgTLD-Programm endlich zum Abschluss gebracht wird, wurde nicht gegeben. Die zeitliche Nähe zu dem Bekanntwerden der aktuellen “Zeitstempelprobleme”, unterfüttert jedoch die Vermutung, dass der Rücktritt im direkten Zusammenhang mit den neuerlichen technischen Problemen liegt. Mit diesen muss sich ab sofort Kurt Pritz auseinandersetzten, der die Federführung über das NewgTLDs-Programm, zumindest solange bis die Position neu besetzt wird, kommisarisch übernommen hat.

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70 Bewerbungen für neue TLDs aus Deutschland

Geschrieben am 13 Juni 2012 von Christoph Grueneberg

ICANN hat die Bewerberliste für neue gTLDs bekanntgegeben. Insgesamt gibt es Bewerbungen für 1.930 neue Endungen, davon nur 70 aus Deutschland. Um 230 NewgTLDs gibt es mehr als einen Bewerber (insgesamt 751 Bewerbungen), so dass es 1.409 verschiedene Endungen geben könnte.

Die komplette Liste aller Bewerbungen findet sich hier: http://newgtlds.icann.org/en/program-status/application-results/strings-1200utc-13jun12-en

Die Liste der deutschen Bewerbungen ist teilweise sehr überraschend. Nur wenige der hier begehrten Endungen waren vorher bekannt. Eine .spiegel oder eine .lidl hatte vor der heutigen Bekanntgabe wohl keiner auf  Liste. Interessant, wer sich hingegen nicht beworben hat: Die Springer-Gruppe verzichtet auf .welt oder .bild, und .bmw findet keinen Mitbewerber in .daimler oder .mercedes.

Die Deutsche Vermögensberatungs AG (DVAG) scheint fest daran zu glauben, dass eine neue TLD auch beim Ranking hilft – denn für Domainexperten ist es ansonsten völlig unverständlich, warum diese sich mit .vermögensberatung und .vermögensberater u.a. um zwei reine Umlautbegriffe bewirbt. Ob der Gründer der DVAG Reinfried Pohl seine .pohl bekommt könnte spannend werden. Nachnamensdomains ohne überragender Bekanntheit könnten Namensrechte gleichnamiger Personen entgegenstehen. Aber Eitelkeit kennt ja bekanntlich keine Grenzen.

Ebenfalls interessant ist die ähnlich gelagerte Bewerbung für .schwarz (nach dem Gründer von Lidl), schließlich gehört schwarz.de einem kleinem Computerhaus und schwarz.com einer US-Firma.

Hier die komplette Liste aller deutschen gTLD-Bewerbungen:

Domainendung / TLD Bewerber
ACO ACO Severin Ahlmann GmbH & Co. KG
ADAC Allgemeiner Deutscher Automobil-Club e.V. (ADAC)
ALLFINANZ Allfinanz Deutsche Vermögensberatung Aktiengesellschaft
ALLFINANZBERATER Allfinanz Deutsche Vermögensberatung Aktiengesellschaft
ALLFINANZBERATUNG Allfinanz Deutsche Vermögensberatung Aktiengesellschaft
AUDI AUDI Aktiengesellschaft
BAUHAUS Werkhaus GmbH
BAYERN Bayern Connect GmbH
BERLIN dotBERLIN GmbH & Co. KG
BLANCO BLANCO GmbH + Co KG
BMW Bayerische Motoren Werke Aktiengesellschaft
BOEHRINGER Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG
BOSCH Robert Bosch GMBH
COLOGNE NetCologne Gesellschaft für Telekommunikation mbH
DEUTSCHEPOST Deutsche Post AG
DHL Deutsche Post AG
DVAG Deutsche Vermögensberatung Aktiengesellschaft DVAG
EDEKA EDEKA Verband kaufmännischer Genossenschaften e.V.
EMERCK Merck KGaA
EPOST Deutsche Post AG
FRESENIUS Fresenius Immobilien-Verwaltungs-GmbH
GEA GEA Group Aktiengesellschaft
GMBH TLDDOT GmbH
GMBH InterNetWire Web-Development GmbH
GMX 1&1 Mail & Media GmbH
HAMBURG Hamburg Top-Level-Domain GmbH
HIV dotHIV gemeinnuetziger e.V.
IFM ifm electronic gmbh
IMMO dotimmobilie GmbH
KOELN NetCologne Gesellschaft für Telekommunikation mbH
KSB KSB Aktiengesellschaft
LIDL Schwarz Domains und Services GmbH & Co. KG
LINDE Linde Aktiengesellschaft
LLC myLLC GmbH
LLP myLLP GmbH
LTD myLTD GmbH
MAIL 1&1 Mail & Media GmbH
MAN MAN SE
MED DocCheck AG
MERCK Merck KGaA
MINI Bayerische Motoren Werke Aktiengesellschaft
NRW Minds + Machines GmbH
OBI OBI Group Holding GmbH
ONL I-REGISTRY Ltd., Niederlassung Deutschland
ONLINE I-REGISTRY Ltd., Niederlassung Deutschland
POHL Deutsche Vermögensberatung Aktiengesellschaft DVAG
REISE dotreise GmbH
REXROTH Bosch Rexroth AG
RICH I-REGISTRY Ltd., Niederlassung Deutschland
RUHR regiodot GmbH & Co. KG
RWE RWE AG
SAARLAND dotSaarland GmbH
SAP SAP AG
SARL mySARL GmbH
SCHAEFFLER Schaeffler Technologies AG & Co. KG
SCHWARZ Schwarz Domains und Services GmbH & Co. KG
SCHWARZGROUP Schwarz Domains und Services GmbH & Co. KG
SEW SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG
SPIEGEL SPIEGEL-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG
SRL mySRL GmbH
STADA STADA Arzneimittel AG
TAXI Taxi Pay GmbH
TRUST Deutsche Post AG
TUI TUI AG
vermögensberater Deutsche Vermögensberatung Aktiengesellschaft DVAG
vermögensberatung Deutsche Vermögensberatung Aktiengesellschaft DVAG
VERSICHERUNG dotversicherung-registry GmbH
VIP I-REGISTRY Ltd., Niederlassung Deutschland
VIP Vipspace Enterprises LLC
WEB Schlund Technologies GmbH

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Neue gTLDs: Aufschwung für den Domainmarkt?

Geschrieben am 13 Juni 2012 von Domainvermarkter-Magazin

zuerst veröffentlicht im Domainvermarkter-Magazin 07

Ist es nun aber so, dass gerade bei Domainern die Einführung neuer TLDs abgelehnt wird, weil sie um ihre mühsam erworbenen Pfründe fürchten? Nur die wenigsten Domainer gehen davon aus, dass Domainnamen unter .com oder den Länderdomains wie .de an Wert verlieren werden. Im Gegenteil! Schon in den vergangenen Jahren hat sich immer wieder gezeigt, dass Projekte, die unter Alternativendungen wie .net oder .org begannen, irgendwann auch die dazugehörige .com benötigten.

Viel wichtiger aber ist die neue mediale Aufmerksamkeit, die jetzt schon mit der Einführung neuer TLDs auf den Domainmarkt gerichtet wird. Gerade die regionalen und lokalen Endungen werden das Thema Domainhandel zum allabendlichen Stammtischgespräch werden lassen. Man muss sich nur die Diskussionen über die Fragen ausmalen, wer die besten Domainnamen bekommen darf, wie diese genau verteilt werden und was eine einzelne Domain am Ende kosten wird. Dies birgt genügend Stoff für die Medien.

Mehr mediale Aufmerksamkeit
Wer sich an die Begleitumstände bei der Einführung der letzten .de Kurzdomains erinnern kann, der wird ahnen können wie es zugehen wird, wenn nun eine komplett neue Vergabe von Domainnamen ansteht. Alle Probleme, die in den vergangenen Jahren in dem langsam gewachsenen .de Namensraum entstanden und mühsam gelöst worden sind, werden dann geballt auf einmal auftreten. Im Gegensatz zu reinen generischen TLDs wie .shop birgt eine Stadtdomain wie .berlin viel Konfliktpotential.

Die Diskussionen um den Wert von Domainnamen werden mit Sicherheit dazu führen, dass der Domainhandel an sich mehr Bekanntheit erfährt. Und wünschen sich das nicht alle Domainer schon seit langem?

Von Christoph Grüneberg

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Die Hintergründe für die neuen TLDs

Geschrieben am 13 Juni 2012 von Domainvermarkter-Magazin

zuerst veröffentlicht im Domainvermarkter-Magazin 07

Aus ökonomischer Sicht ist die Entscheidung der ICANN, hunderte oder gar tausende neuer Domainendungen gleichzeitig einzuführen, unsinnig. Politisch mag dies ein Befreiungsschlag sein, muss so doch kein TLD-Bewerber jahrelange Lobbyarbeit betreiben (Dotberlin) oder die Gerichte bemühen (dotxxx), um zu der begehrten eigenen Endung zu kommen. Gleichzeitig wird aber der Wert einer eigenen TLD geschmälert und damit auch das langfristige wirtschaftliche Überleben vieler neuer generischer TLDs in Frage gestellt. Die ICANN begründet die Einführung der neuen TLDs mit Innovation und Wettbewerb.

Mehr Wettbewerb und Innovationen?
Aber hält dieses Argument einer kritischen Betrachtung stand? Kein Autohersteller käme auf die Idee, mit einem Schlag 100 neue Modelle zu präsentieren und zu glauben, es wären gleichzeitig genügend Käufer da. Das Drucken von mehr Geldscheinen führt schließlich auch nicht zu mehr Vermögen, sondern zu Inflation und Bankrott.

Letztendlich, da wird die ICANN Recht behalten, wird die New-TLD-Lawine zu einem gnadenlosen Wettbewerb der neuen Registries um die Domain-Besteller führen. Ob dies dem Domainkunden wirklich nutzt, darf bezweifelt werden. Wenn es wirklich um mehr Wettbewerb ginge, dann müsste die ICANN zuerst die .com Verträge modifizieren: Hier führt das Monopol durch Verisign zu ständig steigenden Preisen. Und das, obwohl nach allen Regeln der Economies of Scale die Registrierungsgebühren sinken müssten und andere TLD-Betreiber wie die DENIC zeigen, dass man weit wirtschaftlicher arbeiten kann.

Cui bono?
Wie kam es also zu der Entscheidung, so viele neue TLDs einzuführen? Bei der ICANN, welche für die Entscheidung der Vergabe neuer TLDs zuständig ist, sind die eigentlichen Domainnutzer nicht oder nur marginal vertreten. Wurde bei der ICANN die öffentliche Wahl für Vertreter der Nutzerschaft 2003 abgeschafft, hat es eine solche bei der DENIC in Deutschland noch nie gegeben. Dabei wäre es technisch keine Schwierigkeit, jedem Domaininhaber eine Stimme zu geben und damit auch eine repräsentative Wahl der Domaininhaber stattfinden zu lassen. Aber der normale Internetnutzer spielt bei der ICANN keine Rolle.

Wer alles profitiert
Die ICANN-Treffen werden dominiert von Lobbyisten, unterwegs in eigener Sache oder als Vertreter von Registraren und Registries. Nur wer hauptberuflich von der ICANN oder deren Arbeit direkt profitiert, kann es sich leisten, die zahlreichen weltweiten Treffen zu besuchen. Daran ändern auch Stipendien nichts, werden diese doch für jedes Treffen neu vergeben. So sind es natürlich Mitglieder aus diesem Umfeld der ICANN, die bereits jetzt kräftig an der Einführung neuer TLDs verdienen. Sowohl Registrare als auch Registries stellen sich als Berater und Technikpartner für die neuen TLDs zur Verfügung. Auch wenn die ICANN selbst gemeinnützig ist, so ist doch klar, dass die Akteure der ICANN ebenfalls von den zusätzlichen Einnahmen profitieren. Denn Geld, welches für die Bewerbung um die nTLDs und Betriebsabgaben an die ICANN fließt, muss auch wieder irgendwo ausgegeben werden. So werden sich entweder die Gehälter und Aufwandsentschädigungen erhöhen oder es muss schlicht mehr Personal eingestellt werden – wahrscheinlich sogar beides.

Die ICANN selbst macht sich zudem unentbehrlich, denn eine Organisation, die nicht nur wenige gTLDs kontrollieren muss (die Länder-TLDs sind zum größten Teil unabhängig), sondern nun gleich hunderte Endungen betreut, macht sich unersetzlich. Selbst wenn 50% der neu eingeführten Endungen wieder vom Markt verschwinden, bleiben hunderte, die weiterhin verwaltet und kontrolliert werden müssen.

Peter Dengate Thrush war Vorsitzender der ICANN und in dieser Funktion maßgeblich an der im Juni 2011 erteilten Genehmigung des Programms zur Einführung neuer gTLDs beteiligt. Nach erfolgreicher Durchsetzung des nTLD-Programmes verließ er im Juni 2011 ICANN, um im Juli 2011 als Aufsichtsratsvorsitzender der Top Level Domain Holdings Limited (TLDH) anzuheuern. Die TLDH bewirbt sich zusammen mit der Tochterfirma Minds + Machines um zahlreiche nTLDs.

Von Christoph Grüneberg

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Risiken und Nebenwirkungen neuer TLDs

Geschrieben am 13 Juni 2012 von Domainvermarkter-Magazin

zuerst veröffentlicht im Domainvermarkter-Magazin 07

Selbst die begehrtesten neuen TLDs werden ein Problem bekommen, welches Domainer hingegen zu ihrem Vorteil nutzen können: Überlaufverluste hin zu .com oder ccTLDs. Einiges Aufsehen erregte 2011 die Umbenennung des amerikanischen Onlinehändlers Overstock in O.Co. Im Zuge der Einführung von Second-Level Domains unter der kolumbianischen ccTLD .co wurde Overstock ein Aushängeschild in den Bemühungen der Registry, .co als Alternative zu .com zu positionieren.

Drohende Überlaufverluste
Das Problem von Overstock: Die Domain o.com gehört nicht Overstock, sondern ist von der IANA (Internet Assigned Numbers Authority) reserviert und steht damit nicht zur freien Verfügung. So mussten die Verantwortlichen bei Overstock enttäuscht feststellen, dass nach Werbespots 61% der interessierten Zuschauer versuchten, die Seite o.com statt o.co zu besuchen. Ein Streuverlust, der letztendlich der Firma Overstock viel Schaden zufügt und zeigt, wie schwer es ist, gegen die Gewohnheiten der Internetnutzer neue Domainendungen durchzusetzen.

Ähnlich geht es vielen Webprojekten, die mit einer guten Idee, aber wenig Startkapital zuerst einmal unter .net oder .info starten. Spätestens wenn das Projekt populär wird, geben viele Suchende den Domainnamen mit .com oder aber mit der passenden ccTLD ein. Der Preis für die entsprechende Domainnamen, die von den Überlaufverlusten profitieren, steigt natürlich mit wachsenden Fehleingaben. Schlecht für die Unternehmen, die meinen, mit einer billigeren .net auf den Kauf einer .com oder ccTLD-Domain Geld sparen zu können. Noch schlimmer ist es natürlich, wenn die Domainnamen, welche die Überlaufverluste bekommen, gar nicht zum Verkauf stehen. Dann bleibt als Ausweg oft nur ein ebenfalls aufwendiges Rebranding.

Dieses Schicksal droht nun allen, die denken, ein erfolgreiches Projekt lediglich unter einer neuen TLD starten zu können. Nehmen wir einmal an, jemand möchte in Deutschland unter kosmetik.shop mit großflächiger Werbung seine Domain etablieren. Wie viele User werden wohl aus Gewohnheit versuchen, kosmetikshop.de einzugeben? Wer also ein wirklich gutes Projekt etablieren will, wird die entsprechende Domain unter .com oder die ccTLD entsprechend mitregistrieren. Dies ist der Hauptgrund, warum Domaininvestoren, die auf .de und .com setzen, auch in absehbarer Zukunft keine Angst vor den neuen Endungen haben müssen. Ihre Domainnamen unter .com und unter den ccTLDs könnten durch die nTLDs einen weiteren Wertzuwachs erlangen.

Kosten und Justiz
Jede Investition unter einer neuen TLD birgt auch unbekannte Risiken. Neben der Frage, ob sich eine TLD etablieren wird, ist auch die Entwicklung der TLD völlig ungewiss. Exorbitante Preissteigerungen der Registrierungskosten oder der Bankrott der Registry wären möglich. Ebenfalls wird auch rechtlich wieder einmal Neuland betreten. So wird in Deutschland jede Endung von den Gerichten anders beurteilt.

Wem steht ein stadtname.shop zu?

Wann haben wir eine Zuordnungsverwirrung und wann nicht?

Viele Fragen, die bei .com oder .de im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte geklärt wurden, stellen sich bei den nTLDs wieder neu.

Hinzu kommt, dass in den vergangenen Monaten und Jahren zahlreiche Abenteurer Marken für Endungen wie .music haben eintragen lassen. Hier könnte es noch die eine oder andere Überraschung geben, auch wenn hier eher die Registries betroffen sein dürften.

Von Christoph Grüneberg

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Welche Chancen haben nun die neuen TLDs im Einzelnen?

Geschrieben am 12 Juni 2012 von Domainvermarkter-Magazin

zuerst veröffentlicht im Domainvermarkter-Magazin 07

Die neuen TLDs kann man in drei Kategorien einteilen: Firmen/Marken-TLDs, regionale TLDs und sonstige TLDs. Jede dieser Gruppen hat unterschiedliche Zielsetzungen.

Firmen/Marken-TLDs
Gab es bisher zwar branchenspezifische Domainendungen wie .aero oder .travel, wird es nun erstmals Endungen geben, die einen Firmennamen oder eine Marke repräsentieren. Diese TLDs werden der Öffentlichkeit höchstwahrscheinlich nicht frei zur Verfügung stehen. Die Betreiber dürften kaum Interesse daran haben, einzelne Domains unter ihrer TLD an Dritte zu verkaufen. Dies gilt für Endungen wie beispielsweise .microsoft oder .bmw. Auch die kostenlose Abgabe im Rahmen von Marketingaktionen ist unwahrscheinlich, da immer die Gefahr besteht, dass der Firmen- oder Markenname leiden könnte. Daher werden diese Endungen nur geringe Auswirkungen auf den regulären Domainmarkt haben. Der Erfolg oder Misserfolg hängt völlig davon ab, was die Betreiber von „ihrer” TLD erwarten. Generell ist auch umstritten, ob eine eigene Marken-TLD überhaupt einen Vorteil gegenüber der .com-Domain einer Marke hat. Eine .marke ist als solche nicht aufrufbar, es müsste immer eine Domain wie info.marke aufgerufen werden – wobei derzeit noch keine Konvention unter den Usern besteht, welche Domain dies letztendlich sein wird.

Regionen TLDs
Zu den begehrtesten neuen TLDs gehören TLDs mit einem örtlichen Bezug. In Deutschland sind es Städte, die Endungen wie .berlin oder .koeln unterstützen, aber auch Bundesländer, die Bewerbungen für .bayern oder .nrw ermöglichen. Welche davon am Ende echten Publikumserfolg haben wird, bleibt abzuwarten. So dürfte eine .nrw wohl weniger Anklang als eine .bayern finden. Werden sich viele Privatpersonen oder Firmen finden, die Wert darauf legen, eine Adresse mit .nrw zu besitzen? In NRW definiert man sich immer noch über Gebiete wie Westfalen, Lippe, das Ruhrgebiet oder Rheinland. Gerade als Werbung für örtliche Betriebe ist das Bundesland NRW zu unscharf, um etwa etwas sinnvolles unter einer cafes.nrw projektieren zu können. Eine scharf abgegrenzte Domain wie .berlin oder .koeln kann da schon eher auf Zuspruch der lokalen Wirtschaft hoffen. Auch der Wirtschaftsraum in diesen Millionenstädten sollte ausreichend sein, um eine eigene TLD tragen zu können. Kategoriebegriffe wie hotels.berlin oder rundfahrten.hamburg könnten neuen Schwung ins immer noch schwierige lokale Webseitenprojektgeschäft bringen. Allerdings sollte man das Potential nicht überschätzen: Wenn es bisher unter projekt-stadtname.de schwierig war, zahlende Kunden für Onlineeinträge zu gewinnen, so muss man fragen, warum dies nun unter projekt.stadtname leichter gehen sollte. Gerade bei solchen örtlichen Branchenverzeichnissen ist die Konkurrenz hart: Nicht nur die Gelben Seiten sind hier immer noch eine Macht. Auch Google hat in den vergangenen Jahren manchen Projektbetreiber hart aus seinen Träumen erwachen lassen. Denn die wichtigsten Suchergebnisse bei Google, z.B. nach Handwerkern oder Hotels, werden auf den ersten Plätzen mit eigenen Daten von Google bestückt. Viele Geschäftsmodelle, die auf den ersten Blick prima unter einer Städte-TLD-Domain funktionieren könnten, scheitern leider am Realitätscheck.

Einmischung aus der Politik?
Zudem wird gerade bei den Regionen-TLDs öffentlicher und politischer Druck eine große Rolle spielen. Beispielhaft sei hier die TLD .bayern genannt, die im Bayerischen Landtag schon vor Einführung unter kritischer Beobachtung steht. (Siehe hierzu auch den Artikel “.bayern: Domainvergabe per Versteigerung?” auf Seite 11 im Magazin)
Der Druck, es von Handwerkerinnungen bis hin zu vielen Vereinen und Parteien allen Interessenverbänden recht zu machen, ist hoch. Wenn aber die Domainnamen nicht nach rein ökonomischen, sondern nach politischen Interessen vergeben werden sollten, mindert dies den Wert der Domains. Ein wirklich freier Markt entsteht nur dann, wenn Domainnamen ohne Diskriminierung vergeben werden. Zumindest dürfte aber in Deutschland das langfristige Überleben der Regional-TLDs gesichert sein: Eine einmal eingeführte TLD wird wohl niemals von einem Bürgermeister oder Ministerpräsidenten wieder aufgeben werden. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Stadtwerke neben defizitären Verkehrsbetrieben auch noch eine lokale Registry subventionieren werden. Eines Tages bekommt vielleicht jeder Kunde der örtlichen Versorger mit dem Stromanschluss eine kostenlose Domain dazu.

Sonstige kommerzielle TLDs
Wenig erstaunlich gibt es gerade um Endungen mit rein kommerziellem Potential reichlich Bewerbungen. Dabei werden Domainnamen unter .shop sicherlich zu den begehrtesten gehören, bergen diese doch hohes kommerzielles Potential. Ein Blick in die Domainstatistik zeigt, welche Suffixe, also Endungen von .de-Domains (Quelle: Erhebung aus eigenem Datenbestand) zu den beliebtesten gehören: online, immobilien, service, design, shop, info, consulting, deutschland, forum, reisen.
International sind dies laut einer Analyse von Lean Domain Search die Suffixe online, web, media, world, net, group, blog, shop, book, store. Generell wird es aber für jede neue kommerzielle TLD sehr schwierig werden, denn die Erfahrungen mit .info oder .biz lassen erwarten, dass es mühsam sein wird, neue Endungen bekannt und beliebt zu machen, besonders wenn sie nahezu austauschbar sind. Eine .online oder .web hat wenig Alleinstellungsmerkmale, wogegen eine .blog für große Bloghoster wie blogger.com eine lohnende Investition sein könnte. Es könnte bei den Geschäftsmodellen auch durchaus Überraschungen geben: Wenn eine .shop gleichzeitig eine Shoplösung mit anbietet, dann ergeben sich ganz andere Entwicklungen als bei einem reinem Domainverkauf.

Es bleibt also abzuwarten, mit welchen Konzepten die neuen TLDs an den Start gehen werden. Klassische Landrush-Situationen so wie bei .info oder auch bei .eu wird es nicht bei jeder Endung geben. Daneben gibt es noch TLDs, die besondere Zielgruppen umwerben, letztendlich aber auch ihren Betrieb aus den Registrierungsgebühren bestreiten müssen. Es bleibt abzuwarten, ob eine .gay wirklich funktioniert oder ob eine .green nicht am ewigen Tropf staatlich subventionierter Organisationen hängen wird.

Von Christoph Grüneberg

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Neue TLDs aus Sicht der Domaininvestoren

Geschrieben am 12 Juni 2012 von Domainvermarkter-Magazin

zuerst veröffentlicht im Domainvermarkter-Magazin 07

Nach dem Abschluss der ersten Bewerbungsphase sieht es so aus, als würde es zukünftig über 1000 neue Top-Level-Domains geben.

Doch wie erfolgreich können diese neuen Domainendungen aus kommerzieller Sicht werden? Wird bei 1000 neuen Endungen jede neue TLD ein Selbstläufer und gleichzeitig für den Betreiber eine Lizenz zum Gelddrucken? In den vergangenen Monaten wurde suggeriert, dass selbst mit absoluten Nischen-TLDs wie einer .versicherung Geld zu verdienen sei. Im Zweifelsfall wurde dann das Argument eines nahezu automatisch besseren Google Rankings bemüht. (Mehr hierzu im Artikel “Google: Keine Ranking-Vorteile für neue TLDs”)

Der Erfolg oder Misserfolg einer neuen TLD lässt sich nicht mit Sicherheit voraussagen. Viel hängt von den Marketingbemühungen der Betreiber ab. Der Launch der kolumbianischen Länderdomain .co hat aber gezeigt, wie mit immensem Werbeaufwand ein Hype um eine Endung geschaffen wird und sich die Investitionen der Betreiber schon ab dem ersten Jahr rechnen können. Ähnliches gilt für Endungen wie .asia oder .info, die über häufige Promoaktionen beständig hohe Registrierungszahlen halten können. Wie sieht es aber aus, wenn nun auf einen Schlag hunderte neue TLDs hinzukommen? Wer gehört dann zu den Gewinnern und Verlierern?

Kampf um Aufmerksamkeit
Wurden seit dem Start des Domainnamensraumes mit den Länderendungen und den generischen Domains nur wenige neue TLDs zugelassen, steht nun eine Vervielfachung des bisherigen Namensraumes bevor. Dies wird es vielen Betreibern erschweren, ihre neue TLD mit nur wenig Aufwand zu promoten. Bei den bisherigen Neueinführungen wurden besonders die Domaininvestoren kräftig umworben. Kaum ein Domainermeeting, bei dem nicht .co eine Party geschmissen hätte oder .tel und .asia als Sponsoren auftraten. Die Domainliveauktionen auf der Traffic-Konferenz wurden genutzt, um begehrte Keywords unter .me oder .mobi zu versteigern. Bekannte Domainer wie Frank Schilling (.xxx Paketkauf) oder Rick Schwartz (flowers.mobi) wurden als Leadinvestoren gewonnen. Zwar wurde nicht immer den bei Auktionen erzielten Verkaufspreisen getraut, aber viele Domainer öffneten bei Neueinführungen ihre Geldbörsen. Wer wollte nicht beim möglichen “nächsten großen Ding” dabei sein?

Budgetfragen
Andrew Alleman hat in seinem Blog die Frage gestellt, wie groß denn der Gesamtmarkt für Investitionen in neue TLDs bei Domainern sein könnte. Wenn bisher jährlich 10 Millionen Dollar bei TLD-Neueinführungen zur Verfügung stünden, wie würde sich dann dieses Budget auf hunderte neuer Domainendungen verteilen? Zudem garantieren Erfahrungen aus den bisherigen TLD-Neueinführungen nicht unbedingt das Bestehen einer immer noch gleich hohen Investitionsbereitschaft. Die Einnahmen aus den Domainparkingprogrammen haben seit 2008 stark abgenommen. Damit steht aktuell nicht so viel Cash zum Investieren zur Verfügung, wie sich das die nTLD-Betreiber vielleicht gerne wünschen. Nicht wenige Domainer haben selbst hohe Summen in Firmen investiert, die sich um die Zulassung neuer TLDs bewerben. Als Domaininvestor muss man sich grundsätzlich die Frage stellen, wie sich der Erwerb von Domainnamen unter den nTLDs kurz- oder langfristig refinanzieren lässt. Es ist nicht zu erwarten, dass die Domains mit nTLDs Type-in-Traffic haben werden. Woher soll dieser auch kommen? Selbst halbwegs bekannte Endungen wie .info oder .biz haben bisher so gut wie keinen natürlichen Traffic (Type-ins) von Besuchern. Eine ausreichende Refinanzierung über Domainparking scheidet bei neuen TLDs also zumindest für Domainer aus. Was nicht heißt, dass für den Eigentümer einer TLD das Parking durchaus ein Geschäftsmodell sein kann, so wie wir es in dieser Magazinausgabe anhand .tk berichten.

Jeder Euro oder Dollar, der für eine Domain unter einer neuen TLD von einem Investor ausgegeben wird, wird zuerst einmal totes Kapital sein. Es gibt keine laufenden Einnahmen, sondern nur ständig neue Kosten durch die Registrierungsgebühren. Gewinn wird nur bei einem Exit, also einem Domainverkauf erzielt. Die Registrierungskosten für die nTLDs werden kaum geringer sein als die für eine .com oder eine .info. Gleichzeitig wird es für Domaininvestoren schwierig werden, ihre Domains an den Endkunden zu bringen: Dieser wird dann ebenfalls die Auswahl unter hunderten gleichwertiger generischer Domains haben.

Dilemma der Registries
Aber es ist ja auch generell nicht gut für eine neue TLD, wenn die besten Domains in die Hände der Investoren wandern. Wenn alle guten Domains nur ein Verkaufsschild haben, statt projektiert zu werden, wird sich die TLD nie im Bewusstsein der Öffentlichkeit verankern können. Es droht das Schicksal einer .biz, die es nie schaffte, ausreichend „echte“ Projekte unter ihrer Endung zum Start zu bringen. Andere Endungen wie .mobi versuchten mit Wettbewerben wenigstens einige ihrer besten Domains gut projektiert zu bekommen. Es wird für die neuen Registries auf jeden Fall schwierig, hier den richtigen Spagat zu finden. Die etablierten Endungen haben den Vorteil, dass es über bald 20 Jahre ein natürliches Wachstum gegeben hat. Die besten Keyworddomains wurden meist zügig projektiert. Dies wird in Zukunft bei kaum einer neuen Endung funktionieren. Ohne schlüssiges Konzept der Domainvermarktung droht vielen Endungen das schnelle Vergessen.

Von Christoph Grüneberg

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