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Gipfelstrum

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Domainer auf dem Kilimandscharo – 200.000 US-Dollar für die Waterschool

Geschrieben am 30 November 2011 von von Domainvermarkter-Magazin

zuerst veröffentlicht im Domainvermarkter-Magazin 03

Anmerkung der Redaktion: Es gibt viele internationale Domainkonferenzen und auch gemeinsame Aktivitäten. Nicht nur in den USA ist es üblich, die geschäftlichen Kontakte zu nutzen, um für eine gute Sache Spenden zu sammeln. Ohne Aktionen wie die Kilimandscharo-Besteigung hätte das Projekt Waterschool sicher einen geringeren Bekanntheitsgrad und auch weniger Spenden. Ein Grund, warum auch das Domainvermarkter-Magazin „Climb for Clean Water“ und die Organisation Waterschool (www.waterschool.com) unterstützt. Hier der Reisebricht von Nico Zeifang und Stefan Wiegard.

Der Expeditionstrupp

Kamila Sekiewicz (früher Sedo), Tessa Holcomb (PPX International), Matthias Kaiser (Namedrive), Stefan Wiegard und Nico Zeifang (Team Internet GmbH) am Machame Gate

Es war der 6. März 2010, an dem 26 Freunde der Waterschool im Rahmen des „Climb for Clean Water“ den Gipfel des Kilimandscharo erreichten. Durch die Aufsehen erregende Initiative konnten Spendengelder in Höhe von knapp 200.000 US-Dollar eingesammelt werden. Das Geld wird mehr als 20 000 Menschen ein Leben lang mit sauberem Wasser versorgen. Es kommt zu einhundert Prozent den Projekten vor Ort zugute, da einer der Spender die gesamten administrativen Kosten der Waterschool für das Jahr 2010 übernommen hat. Aber jetzt erste einmal zurück zum Anfang:

Tag EINS – Ein Beweis für Teamgeist                                                Mit dem Bus erreichten wir Machame Gate, den Ausgangspunkt unseres Trecks. Dort erwarteten uns bereits unsere beiden Chef-Guides Godfrey und Robert sowie die Porter, Köche und weitere Guides, ohne die dieses einmalige Erlebnis niemals möglich gewesen wäre. Bei strahlendem Sonnenschein registrierten wir uns für den Aufstieg. Wir konnten es kaum erwarten, endlich loszulegen. Der Wettergott meinte es allerdings nicht allzu gut mit uns. Kaum hatten wir die ersten dreihundert Meter hinter uns gebracht, zog sich der afrikanische Himmel zu und es begann, in Strömen zu regnen. Sonderlich überraschend kam das nicht: Schließlich fiel unsere Besteigung des Kilimandscharos mitten in den Beginn der Regenzeit. Sieben Stunden und achtzehn Kilometer später erreichten wir müde und nass die Machame Camp Site auf 2890 Metern Höhe. Hier offenbarte sich ein weiteres Problem. Ein Rucksack stand fertig gepackt an der Rezeption unseres Hotels. Das bedeutete: An unserem Standort im Camp auf knapp 3000 Metern Höhe stand er uns NICHT zur Verfügung. Für zwei Teilnehmer war das besonders problematisch, denn sie hatten keinerlei trockene Kleidung mehr. Hier bewies das Team erstmals, dass ein Wort wie „Teamgeist“ keine leere Hülse sein muss. Die beiden wurden von den restlichen Teilnehmern im Handumdrehen mit Ersatzkleidung eingedeckt. Nach einem kurzen Abendessen ging es für uns dann erst einmal in den warmen Schlafsack, der gut vor der Kälte schützte, die sich bald zeigte. Gegen Abend lag die Temperatur bereits nahe des Gefrierpunktes.

Die ersten Schritte

Die ersten Schritte des Aufstiegs durch den Wald

Tag ZWEI – erste Probleme mit der Höhe
Bereits zu früher Stunde drangen Stimmen aus den Zelten. Alle fieberten Tag Zwei entgegen, krochen aus ihren Zelten und begannen mit der “Basiskörperpflege”. Es gab warmes Wasser aus Tupperware-Boxen, Seife und alles Notwendige zum Zähneputzen. Danach ging es zum Frühstückszelt, bevor jeder seinen Daypack mit Kleidung, Wasser und Proteinriegeln packte. Am zweiten Tag kam es beim Aufstieg erstmals zur Bildung kleinerer Gruppen: Es schien so, als habe nun jeder Teilnehmer seinen Rhythmus gefunden. Allmählich verließen wir den Regenwald und die üppige Vegetation machte Büschen und Moos Platz. Bis zum Mittagessen war das Wetter freundlicher, doch nachmittags kam der Regen erneut. Am frühen Abend erreichten wir nach einer neun Kilometer langen Etappe das Shira Camp auf 3840 Metern. Die Höhe machte sich bei einigen Teilnehmern so langsam während der obligatorischen Tests des Sauerstofflevels bemerkbar, unsere eigenen Werte sahen jedoch im Allgemeinen noch gut aus. Allerdings wurde uns so langsam kalt. Es wurde Zeit, den Tag zu beenden.

Das Gipfelcamp

Der dritte Morgen: Blick aus dem Camp Richtung Gipfel.

Tag DREI – eine einfache Etappe, die keine war
Am Vorabend hieß es noch, am Tag DREI unseres Trecks würde uns eine recht einfache Tour erwarten. Achtzehn Kilometer später wussten wir,dass diese Aussage der Guides wohl motivierend sein sollte und nicht so ganz der Wahrheit entsprach. Der Weg kostete Kraft. Viel Kraft. Lunch gab es heute auf dem 4600 Meter hohen Lava Tower, bevor wir wieder auf 3950 Meter zum Barranco Camp herunterstiegen. „Walk high, sleep low“ heißt die Devise. Diese Regel einzuhalten, ermöglicht es dem Körper, sich an die Höhe zu gewöhnen. Am heutigen Tag machten die ersten Teilnehmer dennoch mit Symptomen der Höhenkrankheit Bekanntschaft und litten unter Kopfschmerzen und Übelkeit. Da wir auf Godfreys Anraten jeweils vier bis fünf Liter Flüssigkeit zu uns genommen hatten, blieben uns diese Probleme glücklicherweise erspart.

Gruppenfoto der Teilnehmer

Gruppenphoto während des zweiten Tages. U.a. mit folgenden Domainern (v.l.): Stefan, Nico, Rick Latona, Kevin Daste, GGG, Kamila, Tessa, Jazmin Carrillo (Parked.com)

Tag VIER – einmal hoch… und wieder runter
Tag Vier begann mit eisigen Temperaturen. Heißer Tee und Kaffee halfen jedoch, die Kälte etwas zu vertreiben, und der herrliche Blick ins Tal nach Moshi entschädigte zudem fürs Zittern. Weniger ermutigend war allerdings der Blick nach oben: Die Barranco Wall lag vor uns und ragte imposant gen Himmel. Höhe kann auch Angst machen. Und je größer die Höhenangst der einzelnen Teilnehmer war, desto länger sollte es für sie dauern, bis sie das Lunchcamp erreicht hatten. „Länger“ kann ganz schön lang werden. Nach dem Mittagessen begann einer der deprimierenden Teile der gesamten Kili-Experience.

Wir bewegten uns zweihundert Höhenmeter hinauf und dann 250 Höhenmeter hinunter; anschließend ging es dreihundert Höhenmeter hinauf und dann wieder 150 Höhenmeter runter. So in etwa ging der Weg Stunde um Stunde. Gegen Ende des Fünfzehn-Kilometer Abschnittes kam es dann ganz dicke: Ein nicht enden wollender Hagelschauer hinterließ nicht nur schmerzhafte Spuren im Gesicht und an den Händen. Er verlangsamte auch den Aufstieg erheblich: Innerhalb von etwa fünfzehn Minuten hatte sich eine ungefähr 25 Zentimeter hohe Hagelschicht auf den Boden gelegt. Aus diesem Grund war es beinahe dunkel, als wir das Barafu Camp auf 4550 Metern erreichten.

Gipfelstrum

Stefan Wiegard und Nico Zeifang (Team Internet GmbH) auf dem Uhuru Peak (5895m). Mit dabei waren auch die Waterschool-Supporter Domain- Vermarkter Ltd. & Co. KG sowie InternetX GmbH

Tag FÜNF – den Gipfel erreicht
Nach einer unruhigen und kurzen Nacht von drei bis vier Stunden begann um zwei Uhr der Gipfeltag. Es gab nochmals warmen Tee und ein paar Kekse. Anschließend schalteten wir die Kopflampen an und bahnten uns den Weg schwer atmend durch die Dunkelheit in Richtung Gipfel. Bereits nach wenigen Minuten hatten sich zahlreiche kleinere Gruppen gebildet, die den letzten Weg auf die Spitze mit unterschiedlicher Geschwindigkeit inAngriff nahmen. Leider musste sich aufdiesem Teilstück eine der Teilnehmerinnen der Höhenkrankheit geschlagen geben und kehrte zusammen mit einem Porter um. Ihr gehörte der Respekt aller Teilnehmer. Ihr Wille hatte sie an die Grenzen der körperlichen Leistungsfähigkeit geführt, sie reagierte dennoch rational genug, um zur richtigen Zeit umzukehren. Bei etwa 5200 Metern Höhe bekamen auch wir Schwierigkeiten. Kopfweh und Übelkeit machten sich bemerkbar. Wir ließen uns aus der ersten Gruppe zurückfallen, um uns dem Gipfel zu Dritt etwas langsamer zu nähern. Den traumhaften Sonnenaufgang über dem Meru Peak genossen wir an diesem Morgen nur bedingt, da mit schwindender Dunkelheit immer deutlicher wurde, welche Tortur noch vor uns lag. Bei langsam steigenden Temperaturen wurden unsere Schritte immer kleiner und wurde unser Tempo immer langsamer.

Der Lavatower

Abstieg vom Lavatower, dem höchsten Punkt des dritten Tages. Der blaue Himmel war inzwischen dem Nebel gewichen.

Gegen 7:15 Uhr erreichten wir den Kraterrand – Stella Point. Der Gipfel war von hier aus zwar in Sicht, der Weg dorthin erschien uns jedoch noch lang und beschwerlich. Dank aufmunternder Worte derjenigen, die den Gipfel bereits erreicht hatten und uns beim Abstieg entgegenkamen, erreichten wir um 8:30 Uhr trotz der Strapazen den Uhuru Peak auf 5895 Metern. Wir hatten es geschafft. Im Endorphinrausch verdrückten wir die eine oder andere Träne. Der Blick vom Gipfel über Tansania bis zum Horizont war umwerfend und einzigartig. Hinzu kam das Gefühl, nach sechs Monaten Vorbereitungen und fünf schwierigen Tagen endlich das Ziel erreicht zu haben. Nach einigen Fotos und Umarmungen begann der am meisten anstrengende Teil des gesamten Climb for Clean Waters: Wir mussten zurück ins Camp. Die Übelkeit hatte es uns bereits vor Stunden unmöglich gemacht, Wasser oder Nahrung zu uns zu nehmen. Daher hatte unser Körper kaum mehr Energie für den dreieinhalbstündigen Abstieg ins Barafu Camp. Immer wieder wurde uns für wenige Sekunden schwarz vor Augen und wir erlebten den Abstieg wie in Trance: ein Schritt nach dem anderen. Rutschen. Stolpern. Sich wieder fangen. Rutschen. Stolpern… Mitsamt Schuhen und kompletter Ausrüstung fielen wir im Camp in unsere Zelte und schliefen. Doch bereits zwei Stunden später – gegen 14 Uhr – wurden wir aus unserem Tiefschlaf geweckt. Wir mussten noch am selben Tag zur Millenium-Site absteigen. Mit der ersten Gruppe machten wir uns auf und erreichten gegen 17 Uhr unser Camp für die letzte Nacht. Die letzten Teilnehmer hatten den Gipfel nur eine Stunde vorher – um 16 Uhr – erreicht und so dauerte es bis tief in die Nacht, ehe auch sie in ihre Zelte fielen. Zu diesem Zeitpunkt schliefen wir bereits den Schlaf der Gerechten.

Der Kilimandscharo

Beim Abstieg an Tag 6 offenbarte sich uns der Berg nochmals vor strahlend blauem Himmel.

Tag SECHS – die Rückkehr
Was eigentlich zum Schaulaufen hätte werden sollen, war für die meisten von uns nocheinmal eine Tortur. Der Abstieg setzte den Knien und anderen Gelenken zu und zog sich Stunde um Stunde in die Länge. Unsere Mägen hatten sich noch nicht gänzlich vom Gipfelaufstieg erholt und machten es uns bei zunehmender Hitze
(mit Erreichen des Regenwaldes wurden die Temperaturen erneut tropisch) unmöglich, das abgekochte und durch Chlortabletten übel schmeckende Wasser zu trinken. Irgendwann erreichten wir dennoch das Tal. Hier angekommen, entschädigte das eine oder andere “Gipfelbier” für die Tortur der Vortage. Das Erreichen des Gipfels und der immense Spendenerfolg wurden reichlich begossen.

Oberhalb der Baumgrenze

Gregg McNair, Stefan Wiegard und Nico Zeifang

Fazit
Alles in allem war der Climb for Clean Water ein voller Erfolg: Wir haben neue Freunde gewonnen und durften an einem unglaublichen Event teilnehmen, das wir nie vergessen werden, gerade weil es uns in die Nähe unserer Grenzen geführt hat. Für die Waterschool brachte die Aktion 200.000 Dollar an persönlichen Spenden und vor allem extrem viel Publicity, die sich über mehrere Wochen in einem deutlich erhöhten Spendenvolumen bemerkbar machte. Ein Dank an alle Unterstützer der Waterschool.

Nico Zeifang und Stefan Wiegard, Team Internet GmbH

Mehr zur Waterschool unter:
www.thewaterschool.org

 

 

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DNSSEC – Das Sicherheitsschloss für´s Domain Name System

Geschrieben am 29 November 2011 von von Domainvermarkter-Magazin

zuerst veröffentlicht im Domainvermarkter-Magazin 03

Was DNSSEC ist und ab wann Domaininhaber es nutzen können

Der fünfte Mai 2010 war für die Betreiber der Rootserver ein ganz besonderer Tag: Seit diesem Tag liefern nämlich alle dreizehn Rootserver-Instanzen eine signierte Zonendatei aus. In dieser Zonendatei sind alle Top-Level-Domains eingetragen und „digital unterschrieben“. So soll die Authentizität von Informationen sichergestellt werden: etwa die der IP-Adressen autoritativer Nameserver von einzelnen Top-Level-Domains. Um bei möglichen Schwierigkeiten aufgrund des höheren Traffics schnell wieder zum Urzustand zurückkehren zu können, wurden Platzhalter-Signaturen verwendet, die nicht validierbar sind.

Was bringt DNSSEC?
Die Überprüfung der Integrität und der Identifizierung des Absenders sind besonders wichtig, wenn es um die Übermittlung sensibler Informationen wie Benutzernamen, Passwörter oder Daten von Kreditkarten geht. Das DNS wurde nämlich zu einer Zeit entwickelt, als sich noch niemand vorstellen konnte, dass Bestellungen oder sogar Bankgeschäfte über das Internet abgewickelt werden. Unter anderem aus diesem Grund entschieden sich die Betreiber der DNS-Infrastruktur dafür, dass User Datagram Protocol (UDP) für den Austausch von Informationen zu nutzen, welcher Server für welche Domain zuständig ist. Vorteile dieser Kommunikationsform: Sie wird nur für die Adressierung der Informationen an bestimmte Anwendungen wie beispielsweise an Browser oder E-Mail-Clients genutzt. Zudem ist sie einfach zu realisieren und relativ unempfindlich gegen Störungen wie den Verlust einzelner Datenpakete. In dieser Einfachheit liegt allerdings auch der Nachteil von UDP. Hier fallen Sicherheitsaspekte besonders in´s Gewicht: Der Empfänger der Informationen kann nämlich nicht überprüfen, ob die Informationen unverändert angekommen sind und ob der Absender überhaupt derjenige ist, der gefragt wurde!

Ein viel beachteter Test mit Folgen
Diese Protokolllücke nutzte der US-Forscher Dan Kaminsky bei einem Test aus. Er „vergiftete“ den Zwischenspeicher eines rekursiven Nameservers gezielt mit falschen Informationen zu einer beliebigen Domain. Rekursive Nameserver fragen selbst DNS-Informationen von autoritativen Nameservern der Registrierungsstellen ab. Nach der Veröffentlichung von Kaminskys Ergebnissen auf der US-Sicherheitskonferenz „Black Hat“ (Sommer 2008), berichteten Medien weltweit über diese Schwachstelle bei der Implementierung des DNS-Protokolls. Kriminelle, die das Verfahren von Kaminski zu dieser Zeit genutzt hätten, hätten so falsche Informationen zu einer bestimmten Domain im Zwischenspeicher eines rekursiven Nameservers ablegen können. Dieser hätte die gefälschten Information anschließend an alle Resolver (einem Bestandteil von Clients, die für die Namensauflösung in IP-Adressen zuständig sind) ausgeliefert, die ihn nach der IP-Adresse des für die Domain zuständigen Servers gefragt haben. Der Nutzer hätte in einem solchen Fall nicht gemerkt, dass er auf einer von Kriminellen betriebenen Phishing-Seite gelandet ist oder dass sein Mail-Client seine Nachricht an einen Mailsever mit einer „falschen“ IP-Adresse geschickt hat. In der Adresszeile seines Browsers hätte beispielsweise wie gewohnt die URL seiner Bank gestanden und auch die E-Mail-Adresse hätte so wie immer ausgesehen. Die Hersteller der Nameserversoftware reagierten auf dieses Angriffsszenario schnell und veröffentlichten kurz darauf Patches, die ihre Systeme weniger anfällig für diese Art von Cache Poisoning-Angriffen machen. Das grundsätzliche Problem allerdings, das Fehlen von Sicherheitsmerkmalen im DNS-Protokoll selbst, lösten diese Software-Updates nicht.

DNSSEC-Erweiterung ergänzt das DNS-Protokoll
Technisch gesehen ist DNSSEC bereits ein recht alter Standard: das erste Dokument, das sich mit dem Thema „Domain Name System Security Extensions“ befasste, wurde als Request for Comments (RFC) 2065 bereits im Januar 1997 veröffentlicht. Eine aktualisierte Fassung des Standards, der einige Verbesserungen des ersten Entwurfs beinhaltete, liegt seit 2005 als RFC4035 vor. Sie wird auch als DNSSEC-bis bezeichnet. Eine der wichtigsten Änderungen in dieser Version ist das Unterbinden des so genannten „zone walking“. Im ursprünglichen Standard war es noch möglich, die komplette Zone wie beispielsweise alle .de-Domains durch das Abfragen eines signierten Zoneneintrags (einer Domain) auszulesen. Vor allem die europäischen Registrierungsstellen drängten aus Datenschutzgründen auf eine Überarbeitung des ursprünglichen Vorschlags.

Das Grundprinzip von DNSSEC(-bis)
Das Grundprinzip von DNSSEC(-bis) blieb aber unverändert. Alle Einträge einer Zone, also die Informationen, welcher autoritative Nameserver für eine Domain zuständig ist, werden durch einen kryptographischen Schlüssel des Zonenverwalters signiert. Die Zoneneinträge erhalten zu diesem Zweck zusätzliche Ressource Records, wodurch sich die Größe der Einträge erhöht. Diese Ressource Records schickt der Nameserver dem anfragenden Resolvern. Mit Hilfe der zusätzlichen Informationen können Resolver überprüfen, ob die Antwort auf dem Weg zu ihnen verfälscht wurde. Da das Antwortpaket außerdem einen signierten kryptographischen Schlüssel (Zertifikat) liefert, kann der Resolver neben der Integrität auch den Absender überprüfen. So kann er bestimmen, ob er der erhaltenen Information vertraut oder nicht. Diese Zertifikate sind wie das DNS hierarchisch angeordnet. Die signierte Rootzone ist der „Anker“ dieser so genannten Chain of Trust. Die Zertifikate der Registrierungsstellen, mit denen sie die Einträge ihrer Zone signieren, stellen die zweite Ebene dar. Vollständig und für den Endanwender nutzbar wird DNSSEC jedoch erst, wenn auch die Domaininhaber die Einträge ihrer Zone signieren. Erst dann können die DNS-Informationen vollständig validiert werden, indem der Resolver in der Zertifizierungskette solange nach oben wandert, bis er ein für ihn vertrauenswürdiges Zertifikat erreicht. Das ist das Zertifikat der Rootzone, der so genannte „Trust Anchor“.

Aktueller Stand bei DNSSEC
In Europa wird DNSSEC bislang nur in Bulgarien, Schweden, der Schweiz, Tschechien und Portugal operativ eingesetzt. Den größten Erfolg verzeichnet bislang .cz: Dort sind Mitte Mai 2010 bereits mehr als 98.000 Domains signiert worden. Das entspricht 14,4 Prozent aller .cz-Domains. Wie die Registrierungsstellen von Bulgarien und Portugal veröffentlicht auch SWITCH nicht, wie viele Domaineinträge mit DNSSEC signiert wurden. Aber die Signierung scheint bisher hinter den Erwartungen zurückzubleiben. Das teilte zumindest Samuel Benz von SWITCH der Öffentlichkeit auf dem zweiten DNSSEC-Meeting der DENIC im Januar 2010 mit. Die Anwender würden die Validierung von signierten Domains derzeit testen, so Samuel Benz. In Deutschland führt beispielsweise die DENIC zusammen mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und dem eco-Verband einen nicht-öffentlichen Test durch. Dieser Test soll praxisnahe Daten liefern, die in die Entscheidung über die Aufnahme des operativen DNSSEC-Betriebs einfließen. Dieser Test dauert noch bis Ende des Jahres. Erst danach sei mit einer Entscheidung über die Einführung von DNSSEC für .de zu rechnen, so die Pressestelle der DENIC. Auf der Projektseite nennt die DENIC das erste Quartal 2011 als Zeithorizont für die Vorstellung des Abschlussberichts. Der nächste große Schritt steht allerdings bereits am ersten Juli 2010 an: Dann werden die bislang verwendeten Platzhalter-Signaturen der Rootserver gegen die tatsächlich validierbaren Signaturen ausgetauscht.

Matthias Maier, freier Journalist

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Vom Gejagten zum Jäger – Domaininhaber wehren sich gegen Disputes

Geschrieben am 05 Oktober 2011 von von Domainvermarkter-Magazin

Zuerst veröffentlicht im Domainvermarkter-Magazin 03, Autoren: Boris Hoeller und Christian Weiß

Domainstreit 2.0 bis 2.1
Auf der Spielwiese des Domainers gab es schon immer eine Ecke mit einem schwer durchdringlichen, ja dunklen Dickicht. Abmahnung, DISPUTE, einstweilige Verfügung und Hauptsacheverfahren garniert mit hohen Anwalts und Gerichtskosten machen das dort wohnende Ungeheuer aus, das von Zeit zu Zeit – und wohl mit Anstieg der Anzahl der Domains eines Halters vermehrt – sein hässliches Gesicht zeigt.

Gerichtliche Entscheidungen, die es in besonderer Weise verstanden, die Interessenslage von denjenigen, die zu spät kamen zu assimilieren, sorgten für den Nackenschmerz beim Domain-Halter. Doch die Zeiten des Kopfschüttelns sind vorbei. Die von vielen Domainern als schleppend empfundene Klärung wesentlicher Rechtsfragen, auch beim Bundesgerichtshof, hat jetzt derartige Konturen angenommen, dass so manche althergebrachte vermeintliche Gerechtigkeitsformel oder so genannte Goldene Regeln bei der Domain-Registrierung überkommen erscheint. Hatten die Instanzgerichte früher den Inhabern von Werktiteln, Marken und besonderen geschäftlichen Bezeichnungen neben einem Unterlassungsanspruch zugleich noch einen Anspruch auf Löschung der Domänen zugestanden, so stellt sich dies heute anders dar. Die Forderung nach einer Unterscheidung zwischen der Beschränkung der Benutzbarkeit einer Domain einerseits und der Frage danach, ob bereits die Registrierung einer solchen Adresse eine Rechtsverletzung darstellen kann, wurde schließlich vom Bundesgerichtshof anerkannt. Bei den Landgerichten und den Oberlandesgerichten hat sich diese Klarstellung mittlerweile herumgesprochen. So wird man allgemein gesprochen heute feststellen können, dass der Streit um die Frage der Berechtigung eines Freigabeverlangens bezüglich einer Domain entschieden ist. Nur die erwiesen böswillige Domänenregistrierung in Behinderungsabsicht einerseits und die Registrierung einer Domain identisch zu dem Namen einer Person stellen die Fallgruppen dar, in denen noch ernsthaft Gefahren für den Bestand einer URL ausgemacht werden können.

Angriffe gegen den Bestand einer Domain, die etwa aus einer Registermarke erfolgen, können in der Regel vom Domäneninhaber mühelos pariert werden. Nur in den seltensten Fällen wird beispielsweise eine Marke derartig stark sein, dass sie die Evolution zu einem namensrechtgleichen Rechtsgebilde geschafft hat. Die Aussage „Markenrechte bedrohen nicht die Existenz der Domain, sondern nur deren Benutzbarkeit“ könnte sich zum Merksatz entwickeln. Da aber heutzutage noch viele Angriffe gegen Domains nach dem alten Schema erfolgen, namentlich wird die Unterlassung der Benutzung schlechthin und die Freigabe der Domänen gefordert, gibt dies Veranlassung für eine klärende Gegenwehr des Domaininhabers. Zwar könnte dieser hinsichtlich des Freigabeanspruchs eine darauf gerichtete Abmahnung gelassen ignorieren, gleichwohl sieht er sich in den überwiegenden Fällen eines durch die DeNIC e.G. in Praxis leichter Hand auf Antrag des Angreifers verhängten DISPUTE-Eintrags über seine Domain ausgesetzt. Inhaberverfügungen über diese Internetadresse sind so gesperrt. Dies kann bei durchzuführenden Domaintransaktionen übel mitspielen. Zudem ist der Ausbau eines eventuell unter der Internetadresse befindlichen Portals – jedenfalls wirtschaftlich – wenig sinnvoll und auch der „Imageverlust“ bei hervorragenden Domains durch deren Befangenheit mit einem DISPUTE nicht zu vernachlässigen. Und das ist auch der Grund dafür, warum es für den Inhaber „Gegen-Attacke“ heißt: Der Domainstreit 2.0 hat begonnen. Die Klage des Abmahners wird mit einer Widerklage auf Löschung des DISPUTE beantwortet. Oder Version 2.1: der angegriffene Domäneninhaber beantwortet eine Abmahnung mit einer selber eingereichten Klage auf Feststellung der Nichtberechtigung der Abmahnung und Beseitigung des DISPUTE-Eintrages.

Hierzu zwei jüngst erwirkte Beispiele aus der Rechtsprechung der Instanzgerichte, in denen Angriffe von dem Domain-Inhaber erfolgreich abgewehrt werden konnten:

Landgericht Düsseldorf v. 19.08.2009 – 34 O 16/09 – cola.de:
Eine deutsche GmbH beantragte erfolgreich einen DISPUTE-Eintrag auf die seit 1999 mit (Portal-) Inhalten belegte Domain. Hierzu wäre sie ausweislich der DeNIC-Statuten gehalten gewesen, entsprechende (Marken-) Rechte glaubhaft zu machen, also im Prinzip in herabgesetztem Umfang – etwa durch eidesstattliche Versicherung – zu belegen. Jedoch gelang es diesem Unternehmen nicht nur nahezu 9 (!) Monate nicht, die von ihr vorgeschützten Gemeinschaftsmarkenrechte der Konzernmutter nachzuweisen. Sie konnte vielmehr trotz Nachfrage und Hinweis des Richters in der mündlichen Verhandlung die Berechtigung zur Geltendmachung der Markenrechte nicht dezidiert darlegen und insbesondere nicht beweisen; was ihr ein Leichtes gewesen wäre, sofern sie diese der DeNIC gegenüber bereits Monate zuvor glaubhaft gemacht hätte. Die Glaubhaftmachung im prozessualen Sinne setzt einen Beleg durch präsente, also vorliegende Dokumente voraus. Dem konnte die GmbH nicht nachkommen. Statt dessen blieb deren Anwalt nur das „Kopfschütteln“ als Reaktion. Vieles spricht also dafür, dass entsprechende Dokumente gar nicht vorlagen. Denn wer verliert schon gerne sehenden Auges einen (teuren) Prozess?

Landgericht Magdeburg v. 01.07.2009 – 7 O 38/09*003* – forum-leipzig.de:
Dem rechtskräftigen Urteil lag der Fall zu Grunde, dass sich ein Start-up-Unternehmer aus der Arbeitslosigkeit knapp 9 Monate nach Domainregistrierung ein Gewerbe für Internetdienstleistungen anmeldete. Einen Tag nach der entsprechenden Eintragung als Einzelkaufmann in das Handelsregister ließ er den Domain-Inhaber anwaltlich abmahnen – und einen weiteren Tag später via DeNIC unter Berufung auf diese Registereintragung einen DISPUTE-Eintrag erwirken. Dieses Vorgehen wies das Gericht in die Schranken. Zurecht: Der Jung-Unternehmer schaffte sich nachträglich ein Unternehmenskennzeichen. Zudem sprach die vom Gericht vorgenommene Interessenabwägung und letztlich wohl auch der Rechtsmissbrauchseinwand gegen ihn. Da in den meisten Fällen die Prognose für eine erfolgreiche Klage des angegriffenen Domainers als gut bezeichnet werden kann, stellt es sich als Ärgernis dar, dass die DeNIC den Angreifern überhaupt einen DISPUTE-Eintrag bewilligt hat. Hier sind Stimmen laut geworden, die es als unbilligen Zustand erachten, dass die Bewilligung eines Disputeintrages nicht hinreichend konkreten Regelungen folgt. Ob also im Rahmen der zweiten Generation des Domainstreits auch darüber gestritten wird, ob die DeNIC Ihre Monopolstellung bei der Sperrung von Domaintransfers im Einzelfall „missbraucht“ oder sich die Bewilligung eines Disputeintrages als Diskriminierung oder unbillige Behinderung darstellt, ist noch offen. Möglicherweise gehört dies aber schon zu den Fällen der Generation 3.0 des Domainstreits. Dafür, diesen zu führen, spricht einiges: Es kann bereits in tatsächlicher Hinsicht nicht angehen, dass beispielsweise eine Marke, die nur und sogar wenige Tage vor dem Dispute-Eintrag angemeldet, also nicht eingetragen worden ist, zu einer Sperre in der Verfügungsbefugnis des Domaininhaber über sein Recht und seinen Vermögensgegenstand Domäne führt – was in der Praxis kein Einzelfall ist. Abgesehen davon, dass damit weder dem grundrechtlich geschützten Eigentum der Domaininhaber, den DeNIC-Statuen, rechtsstaatlichen Grundsätzen bzw. der Gerechtigkeit genüge getan wird. Insbesondere nicht, wenn der glaubhaft machende Dispute-Antragsteller monatelang sein vermeintlich besseres Recht dem Domain-Inhaber nicht geltend macht; läuft letzterer doch sogar Gefahr, sich Schadensersatzansprüchen Dritter ausgesetzt zu sehen. Denn wer erwirbt schon gerne eine Dispute-belastete Domain? Dies zu verhindern würde jedenfalls  voraussetzen, dass die DeNIC den Halter zeitnah über einen DISPUTE informiert.

Zu den Autoren:
RA Boris Hoeller ist Gründer und Inhaber der Kanzlei HOELLER Rechtsanwälte. Diese führte die o. g. „Beispiel“- Verfahren. Der Co-Autor Christian Weiß war dort als Anwalt tätig und arbeitet jetzt bei DHPG.

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Internet – Ente: Als die DENIC verstaatlicht werden sollte

Geschrieben am 05 Oktober 2011 von von Domainvermarkter-Magazin

Zuerst veröffentlicht im Domainvermarkter-Magazin 03

Wie zdnet.de für Aufregung nicht nur unter Domainern sorgte

Die Nachricht war eine kleine Sensation und die Überschrift (1) auf zdnet.de deutlich:
„Innenminister de Maizière will die Adressvergabe im Internet verstaatlichen“. Auch im Text stand Vergleichbares. Dort hieß es: „Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) will die Vergabe von Adressen im Internet unter staatliche Aufsicht stellen.“ Im weiteren Artikel wurde dann auch deutlich, wer nach Auffassung von zdnet.de gemeint sein soll: die DENIC!

Innerhalb weniger Stunden verbreitete sich die Nachricht in zahlreichen Blogs und Foren. 4websites.de meldete unter Berufung auf den Artikel: „De Maizière fordert staatliche Domainvergabe“. Die DENIC – die bislang eigenständig und genossenschaftlich arbeitet, soll – nach den Plänen des Innenministers – in eine staatliche Verwaltungsstelle eingegliedert werden“, hieß es weiter. Auch auf gulli.com und in vielen weiteren Blogs wurde die Meldung aufgegriffen; die üblichen Beschimpfungen über die Unfähigkeit des Innenministers blieben dabei nicht aus. Dutzende Kommentare verurteilen seine angeblichen Absichten. Der Ruf der Regierung scheint bei Angelegenheiten rund ums Internet so schlecht zu sein, dass (fast)  niemand eine Meldung wie die auf zdnet.de hinterfragt.

Ein erster Blick auf die Quellen: Spiegel Online
Dabei hätte ein Blick auf die in zdnet.de angegebenen Quellen doch den ein oder anderen Leser stutzig machen können: Nirgendwo war dort die Rede davon, dass die Vergabe der Domainnamen verstaatlicht werden soll. Zdnet.de berief sich auf einen Artikel des Spiegel-Online (2) und auf ein Interview der taz (3). Bei Spiegel-Online (SPON) hieß es: “Bei dem Besuch in Übersee äußerte sich der Bundesinnenminister nachdenklich über die Rolle des Staates im Netz. Zu dem Umstand, dass derzeit weitgehend private Einrichtungen das Internet kontrollieren, sagte er: “Das wird keine ausreichende Antwort für die Zukunft sein”. Bislang greife der Staat erst dann ein, wenn es im Internet kriminell wird.” Das sind an sich bekannte Aussagen, die sich unter der Aussage „Das Internet ist kein rechtsfreier Raum“ zusammenfassen lassen. Weiter hieß es bei SPON: “Es werde in der Zukunft, so de Maizière, aber um Datensicherheit im Netz gehen, nicht nur um Datenschutz – also um das Grundvertrauen der Bürger, dass EMails oder Online-Überweisungen generell sicher seien. Daher stelle sich die Frage: “Was ist die Rolle des Staates im Internet?” Zur Diskussion stünde etwa, ob staatliche Einrichtungen eine Schutzpflicht für sichere Online-Kommunikation übernehmen sollen. Man könne aber auch den Standpunkt einnehmen, dass derartiger Datenaustausch immer mit einem Risiko behaftet sei, das Nutzer akzeptieren müssten.” Von  Domainnamen oder Adressen ist im gesamten Artikel auf Spiegel-Online keine Rede, es geht um die Kommunikation.

Ein zweiter Blick auf die Quellen: taz
In dem Artikel der taz, auf den sich zdnet.de beruft, wird deutlich, was der Innenminister meint: “Warum soll der Staat auf Vorschriften verzichten, nur weil ein Phänomen  international verbreitet ist? Wenn Toyota in Deutschland ein Auto verkauft, gilt die deutsche Zulassungsordnung. Auf den G-20-Treffen reden wir über internationale Regeln für die Finanzbranche, die national umgesetzt werden. Übrigens hat die Internetgemeinde so etwas schon selbst gemacht: Die Adressvergabe funktioniert, obwohl sie nur von Privatleuten  verabredet ist.” Es geht de Maiziere also um die Möglichkeit, internationale Abkommen zu treffen. Er nennt die Adressvergabe als BEISPIEL, wie sich solche Probleme sogar unter  Privatleuten lösen lassen. Und weiter in der taz: Frage “Das erstaunt den deutschen Juristen de Maizière? Antwort: Es ist zumindest ein Phänomen. Warum muss sich der Staat  einmischen, wenn es auch ohne ihn funktioniert? Weil das Internet kein rechtsfreier Raum sein darf. In der analogen Welt wollen wir keine No-go-Areas, in die sich kein außenstehender mehr hineinwagen kann. Das darf es auch in der digitalen Welt nicht geben. Sonst haben wir vielleicht bald eine Verkehrung der Diskussion, in der wir sagen müssen:  So viel Schutz, wie die Verbraucher vom Staat wollen, kann er ihnen im Netz gar nicht bieten. Frage: Also ein Gütesiegel vom Staat, wie es die Deutschen lieben? Antwort: Eine  Zertifizierung kann ich mir vorstellen. Es geht nicht zu allererst um Verbote. Auch der Straßenverkehr funktioniert ja nicht, weil Linksfahrer bestraft werden. Er funktioniert, weil das Rechtsfahrgebot in der Bevölkerung auf Akzeptanz stößt.”

Dementi des Innenministeriums
In beiden Quellen von ZDNET findet sich nicht die geringste Spur einer geplanten Verstaatlichung der Denic oder der Adressvergabe. Aber so ist das wohl mit Gerüchten: Einmal in die Welt gesetzt, sind sie nur schwer wieder einzufangen. Auch der Redaktion von zdnet fiel es schwer, sich für den missglückten Artikel zu entschuldigen. Immerhin meldet man das durch  den Artikel provozierte Dementi des Innenministers: „Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums dementierte heute gegenüber ZDNet, dass Bundesinnenminister de Maizière eine staatliche Vergabe von IP-Adressen anstrebe. Der Minister habe sich in den zugrunde liegenden Presseberichten allgemein zur Rolle des Staates im Umgang in dem Internet geäußert. Die Passagen bezögen sich jedoch nicht auf die Vergabe von Internetadressen. Der Minister habe vielmehr im zitierten taz-Interview wörtlich geäußert: “Die Adressvergabe  funktioniert, obwohl sie nur von Privatleuten verabredet ist.” Nicht alle Blogs und Newsseiten haben diese nachträgliche Korrektur des Artikels übernommen. Das Gespenst der Verstaatlichung bleibt also irgendwo im Netz erhalten. Die DENIC ist privatrechtlich und genossenschaftlich organisiert, bislang ohne konkreten staatlichen Auftrag oder gesetzliche Regelung. Es scheint so, als würde das vorerst so bleiben. In der nächsten Ausgabe des DomainvermarkterMagazins werden wir deshalb aus obigem Anlass ausführlich über die  Strukturen und die Beziehung zwischen DENIC und Staat berichten.
Christoph Grüneberg

Quellen:
1. zdnet.de
2. spiegel.de
3. taz.de

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DomainvermarkterForum – Entstehungsgeschichte des wichtigsten deutschen Domainer-Treffens

Geschrieben am 15 Juli 2011 von von Domainvermarkter-Magazin

Zuerst veröffentlicht im Domainvermarkter-Magazin 03 (überarbeitet)

Am achten und neunten September 2011 findet in Hamburg das mittlerweile siebte DomainvermarkterForum statt und setzt eine große Erfolgsgeschichte fort. Wahrscheinlich ahnte bei der Erstveranstaltung 2006 in Düsseldorf noch niemand, dass sich das Forum schon bald als der wichtigste Branchentreff für Domainer im deutschsprachigen Raum etabliert. Und eigentlich begann das alles ja mit einem Irrtum. Aber wir wollen nicht vorgreifen. Es wird Zeit für einen kleinen Rückblick und eine Vorschau.

Es war der September 2005, als die Domainer Thomas Müller und Christoph Grüneberg zur OMD (Online-Marketingmesse Düsseldorf, Vorgänger von Dmexco) nach Düsseldorf aufbrachen. Dort angekommen, staunten die beiden nicht schlecht. Sie stießen mitten hinein in einen Urologenkongress mit reichlich Viagra-Werbung! Von einer OMD hatte dort  niemand eine Ahnung. Selbst am Empfang wusste man nicht, was OMD überhaupt sein soll. Der Grund für das alles fand sich schnell: Man hatte sich bei dem Termin einfach um eine Woche vertan. Also fuhren die Herren Müller und Grüneberg als Ersatz für den ausgefallenen Messebesuch in die Düsseldorfer Altstadt, um am Rheinufer die warmen Herbstsonnenstrahlen zu genießen. Da die OMD keine besonderen Programmpunkte für den Domainhandel beinhaltete, entwickelten sie dort die Idee, eine entsprechende  Veranstaltung selbst zu organisieren.

Eine Erstveranstaltung mit großem Erfolg

Das Düsseldorfer Mariott-Courtyard-Hotel im Medienhafen erwies sich schnell als der ideale Tagungsort für die Veranstaltung. Die Tagungsräume bieten Platz für rund 90 Personen. Vor den Räumen befindet sich zudem eine große Lobby für den wichtigsten Tagesordnungspunkt: Networking!! Nun fehlte eigentlich nur noch das Wichtigste: Teilnehmer. Thomas Müller und Christoph Grüneberg luden ein und stießen auf reges Interesse. Zum ersten DomainvermarkterForum am 25. Februar 2006 in Düsseldorf erschienen über achtzig Gäste aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, den USA und Kanada.

Eröffnet wurde das DVF 2006 von Veranstalter Christoph Grüneberg mit einem Vortrag über „Domainnamen – die Immobilien des Internets“. Der von ihm gewählte Vergleich zwischen dem Domain-und dem Immobilienmarkt wird seitdem immer wieder in Berichten über den Domainmarkt aufgegriffen. Marius Würzner, Geschäftsführer und Mitgründer der SEDO-GmbH, gab anschließend einen Einblick in die Arbeit der größten deutschen Domainhandelsplattform.

Auch auf den nachfolgenden DomainvermarkterForen war SEDO nicht nur regelmässig Hauptsponsor, sondern auch mit diversen inhaltlichen Punkten vertreten. „Bonn-Anwalt“ Boris Hoeller berichtete in Düsseldorf über die neuesten Entwicklungen im Domainrecht. Er machte die Zuhörer auf ein fehlendes, einheitliches „Domainrecht“ in Deutschland aufmerksam. Die nicht vorhandenen gesetzlichen Grundlagen legen den Schwerpunkt bei Rechtsstreitigkeiten auf den Gerichtsstand! Vieles gibt es für Domainer zu beachten – Domainrecht wurde daher ein fester Bestandteil beim DomainvermarkterForum!

Über die Chancen für die Registrierung von guten .eu Domains in Deutschland informierte in einem Kurzvortrag Gerald Baumgartner von realtime.at, einem der erfolgreichsten EU-Registrare. Anschließend gab Christoph Michael Fritz von der affilinet GmbH einen ausführlichen Einblick in die Welt des Affiliate-Marketings.

Vor der abschließenden Domainnamen-Versteigerung erläuterte Frederik Schiwek von EuroDNS, warum es sich lohnen könnte, auf die damals kurz vor der Einführung stehenden neuen Domainendungen .mobi und .asia zu achten.

Nach der abschließenden Domainversteigerung traf sich die Mehrheit der Teilnehmer noch einmal beim gemeinsamen Abendbuffet im Hotelrestaurant. Nur wenige der  Domainvermarkter verließen frühzeitig die Hotelbar, denn hier fanden viele interessante Gespräche statt. Am Tresen wurde noch bis in die frühen Morgenstunden verhandelt. Auch der ein oder andere Domainname wechselte hier den Besitzer. Und wenn kein Blatt Papier aufzutreiben war, musste notfalls eine Serviette für einen Kaufvertrag herhalten. Bei einigen Fahrgemeinschaften wurde sogar noch während der Rückfahrt am nächsten Tag fleißig um den einen oder anderen Namen gefeilscht.

Immer im September, immer woanders

Schon wenige Monate später fand im September 2006 in München das zweite DomainvermarkterForum statt. Das Konzept wurde aufgrund der Erfahrungen und Anregungen  verfeinert. So wurde der Beginn auf Donnerstagmittag gelegt, damit die Teilnehmer gegebenenfalls noch am Vormittag anreisen konnten. Am Abend gab es einen gemeinsamen Biergartenbesuch mit warmem Buffet und zünftiger bayrischer Musik.

Der Termin Anfang September wurde auch bei den folgenden Veranstaltungen beibehalten. Der Veranstaltungsort wird dagegen bewusst jährlich gewechselt, um im Norden und Süden aber auch im Westen und Osten präsent zu sein. Auf München folgten 2007 die heimliche Domainhandelshauptstadt Hamburg und 2008 die Bundeshauptstadt Berlin. Hier traf man sich direkt im Herzen der Stadt am Potsdamer Platz. 2009 ging es in den Westen, diesmal zum Stammsitz der Firma SEDO und des Mitbewerbers Namedrive in Köln. Die Abendveranstaltungen wurden zur festen Tradition: Barbecue mit perfekt gegrilltem Fleisch in Hamburg, Besuch im Haus der 1000 Biere „Mommseneck“ in Berlin, das Früh-Kölsch mit Domblick in Köln und der Löwenbräu-Keller in München boten allen Teilnehmern den perfekten Rahmen zum Kennenlernen und Diskutieren.

Ein für viele Teilnehmer interessanter Themenschwerpunkt bei dem aktuell letzten DomainvermarkterForum in München stellte das Thema “Domain-Monetarisierung” dar. Hier wurden Alternativen zu den bekannten Domainparking-Lösungen diskutiert und vorgestellt. Erfahrungsberichte über die Projektierung von Premium-Domains wie Klassik.de, Bodybuilding.de und Sale.de zeigten den Teolnehmern, welches Potential in generischen Domainnamen liegt. In einem weiterem Schwerpunkt wurde die Frage debattiert, wie sich eine größerer Anzahl von Domainnamen zu Minisites oder Miniprojekten entwickeln lässt.

Der wichtigste Programmpunkt: Networking

Viele Teilnehmer kommen nicht wegen eines bestimmten Programmpunktes oder Vortrages, sondern um sich in ungezwungenem Rahmen auszutauschen und Kontakte zu knüpfen. Die Profinetzwerker diverser Stammtische freuen sich immer wieder insbesondere über neue Gesichter. Das DomainvermarkterForum bietet eine einmalige Mischung an Besuchern, die man auf anderen Treffen in der Domainszene so nicht antrifft. Deshalb ist es auch kein Wunder, dass die Anmeldung vieler Teilnehmer schon stattfindet, bevor das Tagungsprogramm bekannt ist. In der Domainbranche läuft man bei zu langen Planungszeiträumen Gefahr, von der Geschwindigkeit des Internets überholt zu werden. Deswegen wird das Tagungsprogramm zum DVF immer erst sehr kurzfristig vervollständigt. Zum festen Bestandteil des DVF ist die abschließende Domainauktion geworden. Mittlerweile wurden hier in den Live- und anschließenden Silent-Auktionen Domainnamen im Wert von über 900.000 Euro verkauft. Exklusiv für diese Veranstaltung holt Klaus Seitz noch einmal den Hammer aus seinem ledernen Auktionskoffer hervor. Eigentlich ist der ehemalige Spielzeugauktionator schon lange im Ruhestand, aber das Domainbusiness hat auch ihn nicht mehr losgelassen. Ein Freundschaftsdienst, der allen beteiligten Spaß macht: Veranstalter und Auktionator kennen sich bereits aus einem gemeinsamen ehrenamtlichen Engagement in Wuppertal.

Domainvermarkterforum 2011 am 08. und 09. September 2011 in Hamburg

Das nun schon 7. DomainvermarkterForum findet nach 2007 erneut in Hamburg statt. Ein Focus der Veranstaltung wird auf dem Thema  Domain-Investment liegen. Ebenfalls vorgesehen ist eine live SEO-Klinik mit dem bekannten Suchmaschinenoptimierer Andre Alpar. Am Ende der Veranstaltung wird es wieder die traditionelle Live-Auktion von Domainnamen geben.

Mit dem Empire Riverside Hotel wurde in Hamburg eines der trendigsten Hotels der Hansestadt gebucht – in der optimalen Lage zwischen Reeperbahn und Hamburger Hafen.

Da die Teilnehmerzahl auf dem DomainvermarkterForum aufgrund der gegebenen Raumkapazitäten beschränkt ist, empfiehlt sich eine rechtzeitige Anmeldung zu der Veranstaltung. Essen, Getränke und der auch für dieses Jahr wieder geplante Domainerabend sind bereits im Preis inbegriffen. Weitere Informationen und Anmeldung unter www.DomainvermarkterForum.de

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Domainmarkt – für den Neueinstieg ist’s nie zu spät

Geschrieben am 06 Mai 2011 von von Christoph Grueneberg

Zuerst veröffentlicht im Domainvermarkter-Magazin Ausgabe 03

Mittlerweile sind über 13 Millionen .de Domains registriert. Schaut man sich die .com Domains an, sind es sogar über 80 Millionen Registrierungen. Das ist verständlich: Schließlich wird unter .com ja nicht nur ein einziger Sprachraum wie unter .de adressiert. Bleibt da noch Raum für Neueinsteiger? Die Diskussion, ob es zu spät sei, um in den Domain-Markt einzusteigen, wird schon seit über zehn Jahren geführt. Sie begann in etwa zu jener Zeit, als die New Economy ihren Höhepunkt hatte. Sie endet… vielleicht nie?

Meine ersten beiden Domainnamen reservierte ich im Juni 1997 für günstige 300 DM Jahresgebühr (Resellerpreis, es gab auch Angebote für 500 DM und mehr). Zu diesem Zeitpunkt waren etwa 68.000 .de Domainamen vergeben. Leider entschied ich mich nicht für einen der vielen guten generischen Domainnamen, die zu diesem Zeitpunkt noch frei waren. Ich wählte vielmehr die Domains inserv.de für einen Internet-Service sowie die Domain Lokalseiten.de für ein lokales Nachrichtenprojekt. Die Gebühren waren einfach noch zu teuer für einen Studenten, der gerade sein erstes Startup gründete, und die Aussichten auf einen Weiterverkauf waren eher gering. SEDO wurde schließlich erst im Jahr 1999 (eine Million registrierte .de Domainnamen) gegründet.
Gutes Geld mit Domainparking verdiente man erst ab Ende 2003 (6,7 Mio registrierte .de Domainnamen). Wann war also der richtige Zeitpunkt, um intensiver in das Geschäft „einzusteigen“? Für mich war es das Jahr 2003. Ich hatte meine ersten 100 generischen Domainnamen ausschließlich zum Weiterverkauf reserviert und erzielte vielleicht zehn Prozent der anfallenden Domaingebühren durch Parkingeinnahmen. Im Laufe des Jahres stellte SEDO allerdings das Parking auf Google als Werbemittler um: Meine Parkingumsätze verzehnfachten sich. Alle reservierten Domains zusammen brachten nun genug Geld ein, um von den Einnahmen die jährlichen Reservierungsgebühren bezahlen zu können. Aber auch nach 2003 habe ich noch Tausende weiterer Domainnamen reserviert. Das zeigt, dass 2003 keineswegs das letzte Jahr guter freier Domains war. Tatsächlich kann man bis heute durch überlegte Strategien und mit etwas Phantasie freie Domainnamen finden, die sich wenig später als wertvoll herausstellen.

Die Zukunft der Modebranche
Anfang 2008 faszinierte mich das Thema der Zukunft der Modebranche. Ich war und bin davon überzeugt, dass man als Käufer in Zukunft anhand genauer Maße passgenaue Mode virtuell anprobiert. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass die entsprechenden Körpermessdaten zur Verfügung stehen. Solche zur Messung benötigten „Bodyscanner“ waren bereits in geringen Stückzahlen im Einsatz. Interessant wird ihr Einsatz aber erst dann, wenn Kunden Kleidung irgendwann nicht nur virtuell im Internet anprobieren, sondern Freunden und Bekannten in Netzwerken empfehlen. Das Geschäft fängt mit spielerischen Empfehlungen unter Freundinnen an und bietet dann auch professionellen Typberatern interessante Betätigungsmöglichkeiten.

Der Bedeutungszuwachs des Körperscanners
Wie so etwas funktioniert, ist übrigens in einem populären Werbespot für die XBox zu sehen (2009 Xbox Project Natal Announcement). Die Geräte, um einen menschlichen Körper in seinen Abmessungen zu erfassen, werden Bodyscanner genannt: auf deutsch Körperscanner. Am 31. Januar 2008 konnte ich die Domains koerperscanner.de und koerperscan.de frei reservieren. Die weiteren Varianten wie körperscanner. de waren übrigens auch noch frei. Im Oktober 2008 setzte die Diskussion um so genannte Nacktscanner ein, die 2010 durch den „Unterhosen-Bomber“ und seinen missglückten Anschlag eine Wiederbelebung erfuhr. Neben dem ordinären Begriff Nacktscanner hat sich die Bezeichnung Körperscanner für diese Geräte etabliert. Google verzeichnet im Januar 2010 über eine Millionen Treffer für den Begriff Körperscanner. Das war nicht ganz die Entwicklung, die ich für diesen Begriff vermutet hatte. Aber niemand wird bestreiten können, dass körperscanner. de mittlerweile einen nicht unerheblichen Wert hat.

Technische und gesellschaftliche Entwicklungen werden weiter stattfinden. Einige Begriffe werden populär, manche Wörter wieder bedeutungslos. Wer vorausschauend denkt, kann auch jetzt noch Domainnamen frei „von Hand“ registrieren. Wer Sonderaktionen nutzt, sogar für einen Euro Jahresgebühr.

Christoph Grüneberg

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Kein Anspruch von myfab.com auf myfab.de

Geschrieben am 14 März 2011 von von Domainvermarkter-Magazin

Möbelversand verliert Prozess und muss auch Kosten wegen unberechtigter Abmahnung übernehmen myfab.de

Von Ralf Möbius, Fachanwalt für IT-Recht

Zuerst veröffentlicht im Domainvermarkter-Magazin Ausgabe 03

Braunschweig, 28.04.2010. Das Start-up MyFab provozierte mit einer Abmahnung gegen einen Webdesigner auf Löschung der Domains myfab.de und my-fab.de erfolgreichen Widerstand.Es behauptete auch in der folgenden Klage, Opfer eines Domain-Grabbers geworden zu sein, der die Domains lediglich zu Sperrzwecken und in der Absicht registriert habe, sie sich von MyFab abkaufen zu lassen. Das Konzept von MyFab.com ist einfach.Designmöbel werden zu Niedrigpreisen angeboten. Ein Ledersofa im Bauhausstil mit der “unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers” von 5.000 Euro, wird für 999 Euro angeboten. Möglich ist dies, weil keine Margen für Großhändler und Möbelhäuser anfallen und der Kunde seine Waren im Internet bestellt und per Containerschiff aus China nach Hause geliefert bekommt.

Im Zuge des Versuchs, die Domains myfab.de und my-fab.de unmittelbar nach Gründung der MyFab Deutschland GmbH zu registrieren, musste das Start-up feststellen, dass beide Domains schon registriert waren. In seiner Klage behauptete MyFab dann, der verklagte Webdesigner habe sich die Domains im Januar 2009, ein 3/4 Jahr nachdem die MyFab-Unternehmensgruppe ihre Tätigkeit aufgenommen habe, registriert, um MyFab gezielt zu behindern. Es sei “schlicht undenkbar”, dass er sich die Phantasiebezeichnung “myfab” zufällig selbst ausgedacht hätte. Vorgerichtlich wurde sogar angedroht, den Webdesigner als Domain inhaber für sämtliche Umsatz ausfälle,die MyFab aufgrund der “Blockade” entstünden, haftbar zu machen, wenn er die Domains nicht freiwillig aufgeben würde. Allerdings konnte der angebliche Domain-Grabber schon mit der Klageer widerung durch Vorlage einer DENICAuskunft zweifelsfrei nachweisen, dass er die Domains bereits im Mai 2007 für sich reserviert hatte und damit sogar noch Monate vor Gründung der französischen Muttergesellschaft tätig geworden ist.

Der Beklagte ist als freier Mitarbeiter zweier Werbeagenturen in Hannover für den Bereich Webdesign, Domainregistrierung, Markendesign, und Datenbankerstellung verantwortlich und betreibt zusammen mit seinen Arbeitgebern unter myfab.de ein Informationsportal zur digitalen Heimfabrikation.Das Konzept der Heimfabrikation durch „Personal Fabricator“, kurz „Fabber“ genannt, hatte den Webdesigner begeistert und zur Registrierung der Domains myfab.de und my-fab.de wegen der Planung eines Portals geführt, welches wegen seines Studienabschlusses zum Zeitpunkt der Abmahnung aber noch nicht fertig war.

“Ich war von der Idee der Fabber fasziniert, weil derartige 3D-Drucker im Gegensatz zu Standard-Papierdruckern reale und benutzbare Gegenstände ausdrucken können. Aus meiner Sicht eine kleine Revolution,die wir unter einem Portal darstellen möchten. Die Registrierung einer schlagkräftigen Domain wie myfab.de lag insoweit natürlich nah”, erläuterte der verklagte Webdesigner aus Laatzen bei Hannover. Wegen der offensichtlich falschen Abmahnung durch MyFab verlangte er dann im Wege der Widerklage seinerseits Schadensersatz für die ihm bei seinem Anwalt entstandenen Kosten.Hierzu äußert sich der Vertreter des angeblichen Domain-Grabbers, Fachanwalt für IT-Recht Ralf Möbius: “Eine bloße Unterstellung einer Namensoder Markenrechtsverletzung ohne fachgerechte Prüfung der Priorität einer Domainregistrierung ist geradezu vorsätzlich rechtsverletzend und muss zum Ersatz der durch dieses Verhalten bei dem Beklagten entstandenen Kosten führen”.

Ein Vertrauensmoment zugunsten von MyFab hatte nicht vorgelegen, da die Domains myfab.de und my-fab.de erkennbar bereits vor Gründung der französischen Muttergesellschaft von My-Fab durch den beklagten Webdesigner registriert wurden und der Bundesgerichtshof einen solchen Umstand schon vor Abfassung der Abmahnung als regelmäßig beachtlich eingestuft hatte. Denn spätestens seit der Entscheidung des BGH mit Urteil vom 24.04.2008, Az. I ZR 159/05 – “afilias.de“, verletzt ein Nichtberechtigter, für den ein Zeichen als Domainname unter der in Deutschland üblichen Top-Level-Domain “.de” registriert ist, das Namens- oder Kennzeichenrecht desjenigen, der an einem identischen Zeichen ein Namens- oder Kennzeichenrecht hat, grundsätzlich nicht, wenn das Namens- oder Kennzeichenrecht des Berechtigten erst nach der Registrierung des Domainnamens durch den Nichtberechtigten entstanden ist (im Anschluss an BGH, Urteil vom 09.09.2004 – I ZR 65/02, GRUR 2005, 430 = WRP 2005, 488 – „mho.de“). Schliesslich wurde diese Rechtsprechung vom BGH, Urteil vom 19.02.2009 – I ZR 135/06 – “ahd.de”, noch einmal bestätigt. Eine Rechtsverletzung durch Domainregistrierung liegt nämlich nicht vor, wenn ein der Domain entsprechendes Unternehmenskennzeichen erst nach der Registrierung der Domain in Gebrauch genommen wird und für den Domaininhaber zum Registrierungszeitpunkt kein besonderes Interesse eines bestimmten Unternehmens erkennbar war, gerade jene dieser Geschäftsbezeichnung entsprechende Domain zu verwenden.

Diesen Umstand hatte MyFab weder zum Zeitpunkt der Abfassung der Abmahnung noch zum Zeitpunkt der Klagerhebung beachtet, da MyFab von einem ganz anderen Datum der Registrierung der streitgegenständlichen Domains ausging, obwohl es ohne weiteres zumutbar gewesen wäre, neben der Stellung von einem Dispute-Eintrag bei der DENIC auch eine History bezüglich der streitbefangenen Domains bei der DENIC anzufordern. Folgerichtig wurde die Klage des Möbel-Start-up-Unternehmens MyFab gegen den Webdesigner auf Löschung der Domains myfab.de und my-fab. de nicht nur abgewiesen, sondern der Chinamöbel-Versand wegen der unberechtigten Abmahnung sogar zur Übernahme der dem Webdesigner im Rahmen der vorgerichtlichen Korrespondenz durch seinen Anwalt entstandenen Kosten verurteilt.Das Urteil des Landgerichts Braunschweig hat das Aktenzeichen Az. 9 O 2367/09.

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Domainmarkt — steht der nächste große „Goldrausch“ bevor?

Geschrieben am 01 Januar 2011 von von Domainvermarkter-Magazin

Wie sich der Domainmarkt 2009 entwickelte und was auf die Branche zukommt

Zuerst veröffentlicht im Domainvermarkter-Magazin Ausgabe 03

von Matthias Maier, freier Journalist

Das Jahr 2009 würden viele Branchen wohl am liebsten aus ihrer Erinnerung und ihren Bilanzen streichen. Deutschland verzeichnete beispielsweise einen bislang ungekannten Einbruch der Wirtschaftsleistung von etwa fünf Prozent. Wer allerdings den Domainmarkt unter die Lupe nimmt, stellt fest, dass das vergangene Jahr dort kaum zu Wehklagen Anlass gab.

Deutsche Top-Level-Domain wächst unbeirrt weiter
Im Laufe des Jahres wuchs der Domainbestand, den die deutsche Registrierungsstelle DENIC verwaltet, um rund 800.000 Domains auf mehr als 12 Millionen Domains an. Dies entspricht einem Wachstum von knapp sieben Prozent. Die Inhaber von .de-Domains haben ihren Sitz nach wie vor überwiegend in Deutschland: nur 6,1 Prozent, also etwa 800.000 Domains, sind auf einen ausländischen Inhaber registriert. Dabei sind die Vereinigten Arabischen Emirate (ca. 128.000 Domains), die Schweiz (ca. 120.000 Domains) und die USA (ca. 80.000 Domains) die Nationen mit den größten Anteilen.

Auch der Sekundärmarkt widersteht der Wirtschaftskrise
Domains waren auch im vergangenen Jahr ein beliebtes Handelsgut. Über Sedo, eine der größten Domainhandelsplattformen, wechselten 2009 über 38.000 Domains für mehr als 54,7 Millionen Euro den Besitzer. Bei den generischen Top-Level-Domains verzeichnete .com zwar einen leichten Rückgang um zwei Prozent, blieb aber dennoch mit 74 Prozent unangefochten die am meisten gehandelte Domain-Endung. Verstärkt angeboten wurden Domains unter .org (+ 26 Prozent) und .net (+ 20 Prozent). Bei den länderbezogenenen Top-Level-Domains sicherten sich .de-Domains wie bereits 2008 den ersten Platz: 54 Prozent aller verkauften ccTLD-Domains endeten auf .de. Auf den Plätzen folgen mit weitem Abstand .co.uk und .eu mit einem Anteil von dreizehn bzw. elf Prozent. Bei den .de-Domains waren auch einige der im Oktober 2009 frei gegebenen Domains mit einem oder zwei Zeichen erfolgreich: pc.de erzielte einen Verkaufserlös von über 158.000 Euro und wurde so zur zweitteuresten .de-Domain des Jahres. Bei der Analyse der Durchschnittspreise steht allerdings eine andere Top-Level-Domain ganz oben: unter .fr lassen sich mit Domainverkäufen im Schnitt 2.958 Euro erzielen, bei .co.uk sind es immerhin noch 2.216 Euro und .at 1.541 Euro.

Der Blick in die Glaskugel
Gemeinsam mit der Unternehmensberatung Arthur D. Little hat der eco Verband die deutsche Internetwirtschaft analysiert und sich dabei auch mit den Entwicklungen auf dem sekundären Domainmarkt befasst. Die Ergebnisse der Anfang Februar veröffentlichten Studie zeigten bei den Befragten „deutlich positive Erwartungen für die Geschäftsentwicklung im deutschen Domain-Handel“. Ingesamt erwarteten rund 53 Prozent der Unternehmen bis 2012 steigende Umsätze. Diese überdurchschnittlich positiven Prognosen gründen sich laut Studie einerseits auf die stetig steigenden Registrierungszahlen. Andererseits sei auch die geplante Einführung neuer Top-Level-Domains durch die ICANN von Bedeutung. Von der Einführung dieser Domains verspricht sich die Studie zusätzliche Impulse für das Wachstum des Domainhandels.

Der virtuelle Zankapfel – neue generische Top-Level-Domains
Seit die ICANN bekannt gegeben hat, dass sie ein Verfahren für eine jederzeit mögliche Zulassung neuer Top-Level-Domains etablieren möchte, tobt ein teils erbittert geführter Streit zwischen Befürwortern und Gegnern. Jede dieser Gruppen möchte zeigen, dass ihre Argumente zutreffen. Die Coalition Against Domain Name Abuse (CADNA) geht beispielsweise in einem Anfang April 2010 vorgelegten Dokument davon aus, dass Unternehmen bei der Einführung neuer Top-Level-Domains weltweit mehr als 700 Million US-Dollar ausgeben müssen, um sich mit defensiven Registrierungen von Domains vor Cybersquatting zu schützen. Die CADNA legt dabei die Annahme zugrunde, dass jedes Unternehmen durchschnittlich drei Domains pro neuer TLD registriert und dass diese Domains in der Sunrise-Phase jeweils 500 US-Dollar kosten. Der australische Journalist David Goldstein widersprach dieser Ansicht in seinem Blogeintrag auf goldsteinreport.com. Seiner Meinung nach haben Markeninhaber bislang auf die defensive Registrierung von Domains in kleinen ccTLDs verzichtet und es sei nicht anzunehmen, dass sich die Unternehmen bei den neuen, kleinen gTLDs anders verhalten werden.

Die Minds and Machines – Studie
Dieses Argument wird durch eine Studie des Unternehmens Minds and Machines unterstützt, das sich unter anderem als Betreiber für die Einführung der Top-Level-Domain .bayern einsetzt. In einer Analyse kommt Minds and Machines zu dem Schluss, dass die Einführung neuer Top-Level-Domains kaum zu einem dramatischen Anstieg von Cybersquatting führen wird. Die jährlichen Kosten für die defensive Registrierung von Domains durch Markeninhaber werden laut Minds and Machines voraussichtlich 870.000 US-Dollar betragen, was weniger als 10 US-Cents für jede weltweit eingetragene Marke wäre. Grundlage dieser Schätzung ist die Analyse der Fälle von Cybersquatting in den bereits bestehenden generischen Top-Level-Domains. Die Verletzung von Markenrechten durch Domainregistrierungen ist demnach unter .com am wahrscheinlichsten: in den vergangenen neun Jahren entfielen auf die etablierten TLDs .com, .net und .org 94 Prozent aller Domainstreitschlichtungen nach dem UDPR-Verfahren. Nur sechs Prozent aller Cybersquattingfälle fanden in den seit 2001 neu eingeführten TLDs .asia, .biz, .cat, .info, .mobi, .name, .pro und .tel statt.

Schutzverfahren mit (noch) unbekannten Details
Weitere Gründe, warum Cybersquatting wohl nicht zu einem so großen Problem werden dürfte, wie die CADNA behauptet, sind die Verfahren des „IP Clearinghouse“ und die Uniform Rapid Suspension Prozesse (URSP). „Bei den neuen Top-Level-Domains sollen diese beiden Verfahrensregeln dafür sorgen, dass Markeninhaber ihre Rechte besser als bislang schützen können. Außerdem seien sie durch die Regelungen nicht mehr gezwungen, in missbräuchlicher Absicht von Dritten registrierte Domains in ihre Portfolios aufzunehmen“, erklärt Dr. Torsten Bettinger, Fachanwalt für Informationstechnologierecht in München. Noch sind die Details der neuen Regelungen unbekannt. Torsten Bettinger zufolge führen sie jedoch dazu, dass der Registrar den zukünftigen Domaininhaber oftmals bereits bei der Registrierung auf Rechtsverletzungen hinweist. Der Registrant kann anschließend entscheiden, ob er trotz dieser Informationen die Registrierung fortsetzen möchte oder nicht. Ob die bekannte automatische Domainregistrierung unter diesen Bedingungen noch sinnvoll ist, hängt von den Prozessen ab, die in der vierten Fassung des Application Guidebooks enthalten sein sollen. Das Guidebook soll noch vor dem ICANN-Meeting in Brüssel Mitte Juni veröffentlicht werden. Es bleibt also spannend – sowohl für Gegner als auch für Anhänger der neuen Top-Level-Domains.

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