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Entwicklung der TLD .cn

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.cn – Aufstieg und Fall einer Top-Level-Domain

Geschrieben am 28 November 2011 von von Domainvermarkter-Magazin

zuerst veröffentlicht im Domainvermarkter-Magazin 05

Derzeit machen vor allem zwei Top-Level-Domains Schlagzeilen: die erfolgreich neugestartete kolumbianische TLD .co und die demnächst verfügbare „Porno“-TLD .xxx. Aus dem Blick geraten ist hingegen ein ehemaliger Shooting-Star, die chinesische Domain-Endung .cn. Zweimal konnte .cn sogar die deutsche Endung, den langjährigen Spitzenreiter der länderbezogenen TLDs, vom Thron stoßen – nur um dann ebenso schnell in der Rangliste wieder nach hinten durchgereicht zu werden.

Ende 2007 herrschte bei der chinesischen Top-Level-Domain noch Aufbruchsstimmung. Im November dieses Jahres verwaltet die chinesische Registrierungsstelle CNNIC bereits über 7 Millionen Domains. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Interfax sagte ein Vertreter von CNNIC, dass zahlreiche chinesische Unternehmen eine .cn-Domain registrierten, um sich darüber ihren potenziellen ausländischen Geschäftspartnern zu präsentieren. Einen hierzu spiegelbildlichen Trend erkannte CNNIC zu dieser Zeit: Nämlich dass chinesische Internetnutzer auch von ausländischen Unternehmen einen Auftritt mit einer .cn-Domain erwarteten, wenn sie sich mit dem Anbieter und seinen Angeboten vertraut  machen möchten. So registrierte beispielsweise auch Google Ende 2007 mit g.cn seine chinesische Domain. In der Folge wuchs die chinesische TLD mit hoher Geschwindigkeit weiter.

Doppelter Führungswechsel 

Im August 2008 war es dann soweit: .cn überholte mit 12,3 Millionen Domains die deutsche Domain-Endung .de, die nur mit 12,1 Millionen aufwarten konnte. Die Erklärung schien offensichtlich zu sein. Denn wie der Domain-Recht-Newsletter berichtete, nutzten im Sommer 2008 bereits über 250 Millionen Chinesen das Internet oder bestimmte Anwendungen wie u. a. E-Mails, und auch die Breitbandanschlüsse wuchsen auf weltweit einmalige 214 Millionen. Angesichts dieser Zahlen schien es sicher, dass die chinesische Endung auch künftig den ersten Platz der länderbezogenen TopLevel-Domains einnehmen würde.

Im Sommer 2009 verbuchte CNNIC jedoch deutliche Verluste bei den registrierten Domains, die im Februar 2009 sogar auf mehr als 14 Millionen angewachsen waren. Da im Sommer 2009 unter .de 12,9 Millionen Domains registriert waren, fiel die chinesische Endung mit ihren 12,5 Millionen wieder auf den zweiten Platz zurück. Als Ursache wurde das Ende einer  Werbeaktion herangezogen, die äußerst günstige Gebühren für das erste Jahr der Registrierung beinhaltet hatte. Im vierten Quartal konnte CNNIC den ersten Platz erneut übernehmen. Doch von Dauer war dieser erneute Führungswechsel nicht.

Das jähe Ende des Wachstums

Ende 2009 verschärfte CNNIC die Registrierungsbedingungen erheblich, um die Integrität des Domain-NameSystems aufrechtzuerhalten und  den Versand von Schadprogrammen und Spams wirksamer zu bekämpfen. Mit Wirkung zum 14. Dezember dieses Jahres durfte nur noch derjenige eine .cn-Domain registrieren, der eine Kopie des Handelsregisterauszugs sowie des Personalausweises beifügen konnte. Dies machte es Privatpersonen de facto unmöglich, eine .cn-Domain zu registrieren. Bei Dokumenten, die nicht in Englisch oder Chinesisch verfasst waren, sollte zudem eine beglaubigte Übersetzung vorgelegt werden. Für den Fall, dass diese Dokumente nicht binnen fünf Tagen oder nicht den Auflagen entsprechend vorgelegt würden, drohte CNNIC mit der Löschung der registrierten Domain. Kurze Zeit später kamen weitere Einschränkungen hinzu. Ab dem 6. Januar 2010 waren ausländische Registrare von der Registrierung von .cn-Domains ausgeschlossen, sowohl im Autrag chinesischer als auch ausländischer Kunden.

Entwicklung der TLD .cn

Wenige Wochen später erlaubte CNNIC ausländischen Privatpersonen hingegen wieder, .cn-Domains zu registrieren. Für ausländische Unternehmen blieb es aber bei der Regelung, derzufolge sie einen Sitz in China nachweisen müssen. Am 24. Februar 2010 berichtete Kevin Murphy in seinem Blog domainincite.com über  weitergehende Pläne, nicht nur eine Kopie des Personalausweises des Registranten, sondern auch eine Inhaltsbeschreibung der Website zu  .cn  verlangen, die alles einschließt, was im Voraus oder gesondert genehmigt werden müsse.

Ist der Ruf erst ruiniert… 

Die Verschärfung der Registrierungsrichtlinien blieb nicht ohne Folgen für die Nachfrage nach .cn-Domains. Die Tageszeitung China Daily berichtete beispielsweise, dass die neuen Regeln viele chinesische Interessenten dazu bewegt hatten, ihre Domains unter anderen Top-Level-Domains wie .com zu registrieren. So sagte ein Lehrer, dass er für die Registrierung einer .cn-Domain viele Unterlagen einreichen müsse, wohingegen es bei einer .com-Domain genüge, eine E-Mail-Adresse anzugeben und die Registrierungsgebühr zu bezahlen. Bereits Ende Februar 2010 gab es nur noch rund 9,5 Millionen .cn-Domains, was einem Rückgang von annähernd 4 Millionen seit Einführung der strengeren Richtlinien im Dezember 2009 entspricht. Im März kündigten dann beispielsweise die Registrare Network Solutions und Go Daddy ihren Rückzug aus dem chinesischen Domain-Markt an. Denn die Durchsetzung der strengen Registrierungsvorschriten erhöhten ihre Kosten und reduzierten dadurch den erzielbaren Gewinn, teilte Kevin Murphy auf Anfrage mit.

Ausblick

Angesichts der bestehenden Richtlinien ist nicht zu erwarten, dass .cn mittelfristig den aktuellen Rückstand von rund 10 Millionen Domains auf .de aufholen kann. Künftiges Wachstum werde, so Murphy, wahrscheinlich bei den IDN-Domains in chinesischer Schrift  zu beobachten sein. Denn schließlich gebe es bereits sowohl .中㵤 und 中國, zwei Schreibweisen für .china. Murphy erwartet zudem, dass Registrierungsstellen wie Verisign und PIR sich bei ICANN für IDN-TLDs ihrer TopLevel-Domains .com, .net oder .org bewerben werden. Und auch für andere generische TLDs in chinesischer Schrift sieht der Blogger zukünftig gute Chancen, wenn ICANN den Bewerbungsprozess für neue TLDs freigibt.

Matthias Maier, freier Journalist

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Frank Schilling

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Frank Schilling: Domainnamen, Altes oder Neues – Jeder hat etwas zu verkaufen

Geschrieben am 25 November 2011 von von Domainvermarkter-Magazin

zuerst veröffentlicht im Domainvermarkter-Magazin 05

Autor: Frank Schilling (Deutsche Übersetzung von Olga Timochin)

Was weiß schon jemand, der dafür bekannt ist, „keine Domains zu verkaufen“, über das Verkaufen von Domainnamen? Nun, mir fallen durchaus ein, zwei Dinge dazu ein. Und wie der Titel dieses Beitrags lautet: Jeder hat etwas zu verkaufen.

Es spielt keine Rolle, ob Sie Autos, Immobilien, Finanzinstrumente oder Religion verkaufen… jeder verkauft irgendwann etwas. Einige Dinge sind schwer zu verkaufen: Teilzeiteigentum auf Maui, das so genannte Timesharing fällt mir da spontan ein. Andere Dinge dagegen verkaufen sich einfach: Wasser in der Wüste zum Beispiel. Man kann durchaus sagen: Die globale Wirtschaft funktioniert durch Verkäufe. Gleich ob Sie ein Paparazzi, ein Politiker, ein Klempner oder ein Pastor sind, jeder verkauft etwas.

Vor ein paar Jahren wurde ich von einem Unternehmen angesprochen. Diese Firma hat mich aufgefordert, meine Domainnamen auf ihrer Handelsplattform zum Verkauf anzubieten. Mir wurde eine Vielzahl von Gründen genannt, warum dies eine gute Idee sei. „Diese Namen bringen kein Geld“… „Der Verkauf von diesen Namen würde in Wirklichkeit den Wert meines Gesamtportfolios steigern“… „Es ist klug, auszumisten“. Kurz darauf rief ein weiterer Domain-Marktplatz an. Sie schlugen mir vor, dass ich meine Domainnamen durch „sie“ verkaufen solle. Zudem sollte ich das Limit für den Erwerbspreis nicht höher als auf 5.000 US-Dollar festlegen, da dies das Limit für Kreditkarten in ihrem automatischen Verkaufsprozess war… Sie schickten mir sogar eine Liste meiner Namen zu, die ich verkaufen sollte… Zehntausende, die noch nicht einmal genug Geld bringen würden, um die Registrierungskosten zu decken. Und wenn ich 2.000 bis 5.000 US-Dollar für jeden Domainnamen erhalten würde, wäre das nicht fabelhaft ?! Das Problem bestand jedoch darin, dass viele Namen, die sie mir für den Verkauf vorgeschlagen haben, ziemlich gut waren. Ich wäre ja selber schon bereit, für diese Domains jeweils mehr als zwei- bis fünftausend Dollar zu zahlen, wenn ich diese in einer Auktion ersteigern könnte. Ich lehnte die Angebote deshalb höflich ab.

Was ich im Glashandel gelernt habe
Jahre bevor ich mit dem Domaingeschäft angefangen habe und bevor ich mein Geld mit der Finanzierung von Immobilien verdiente, arbeitete ich für einen Glashersteller und verkaufte Flachglas kistenweise an diverse Fabrikanten. Glas (genau wie Domainnamen) ist ein Rohstoff-Business. Jeder wird Glas zu einem gewissen Zeitpunkt benötigen, ob er sich jetzt darüber bewusst ist oder nicht. Der Mann, der mich einstellte, hieß Ralph. Voller Ehrfurcht sah ich Ralph zu, wie er Aufträge annahm und mit seinem Taschenrechner kalkulierte, um Glas für hunderttausende von Dollars zu verkaufen. Mit seinem Telefon konnte er ganze Lastwagenzüge in Bewegung setzen. Die Kunden, die er anrief, freuten sich zudem offensichtlich über seinen Kontakt.

Ralph war ein großartiger Verkäufer, ehrlich und mit einem gesunden Menschenverstand. Er war ein Macher und er brachte die Dinge zum Laufen. Die wichtigste Lektion, die Ralph mich jemals lehrte, hieß: verkaufe Deine Produkte niemals zu billig. Er mahnte mich, wir würden Verkaufsgespräche führen, bei denen unsere Glaskäufer uns auf jegliche Art glaubhaft versichern würden, dass der maximale Preis, den sie für einen Posten Glas bezahlen könnten, bei 75 Cent je Fuß liegen würde. Sie würden drohen, dass sie das Produkt woanders kaufen, sie würden schwören, dass sie ein günstigeres Angebot hätten, sie würden betteln und schmeicheln, sie würden ihre Zuckerbrot und Peitsche-Taktik einsetzen. Aber Ralph würde dann das Gespräch ins eher persönliche lenken, er würde sie mit seiner freundlichen Art entwaffnen und er würde es elegant ablehnen, zu verkaufen.

Ich fragte Ralph, warum er denn nicht einem Verkauf zustimmen würde, bei dem wir 20 bis 30 % Marge pro Tonne Glas erzielen könnten. „Weil sie es sich leicht leisten können, mehr zu bezahlen“ antwortete er. „Und wenn ich den Posten verkaufe, dann ist er weg. Es dauert 3 Monate, einen neuen Posten zu bekommen… es wird sicher einen anderen Käufer geben, denn es ist eine Sondergröße, bei der man wenig Verschnitt hat. Und wenn ich die Kiste zu diesem geringeren Preis verkaufe, dann wird der Käufer das nächste Mal um einen weiteren Fünfcent-Rabatt bitten…“

Ralph kannte seine Kunden, er kannte sich in ihrem Business aus und – das Wichtigste – er verstand das Ökosystem des Teiches, in dem erlebte, ganz genau. Ralph wusste, wenn er für dieses Glas den Rabatt gewährt, dann würde zwar sein Konkurrent nicht die Bestellung erhalten. Im Gegenzug würde dieser aber ein anderes Produkt reduzieren. Diese Aktion würde wiederum Ralphs Gewinne bei diesem Artikel beeinträchtigen. Potenziell würde dies auch andere Bestellungen für „diesen Preis“ in anderen Produktbereichen von Ralph gefährden. Dies würde Ralph zwingen, gegen seine Wettbewerber in den anderen Produkten zu konkurrieren, in denen er nicht stark genug gewesen wäre. Kurzum: Es gibt ein Dutzend guter Gründe, den Auftrag nicht zu diesem Preis anzunehmen.

Ich war ein junger Händler in Ausbildung und dies alles lief ganz gegen meinen Verkäuferinstinkt. Mit der Zeit lernte ich dennoch sowohl das Ökosystem unserer kleinen Welt als auch die Logik von Ralph zu achten und zu schätzen. Ich könnte mir die Hacken ablaufen, um 10 Posten Glas mit 10 % Marge zu verkaufen oder ich könnte meine Füße auf meinen Schreibtisch legen, um nur 2 Posten mit 50 % Marge zu verkaufen. Dies würde mir den gleichen Profit bringen und ich hätte immer noch 8 andere Posten, die ich an einem anderen Tag verkaufen könnte!

Hintergründe

Der Blogbeitrag von Frank Schilling entstand 2008 angesichts einer drohenden Finanzkrise. Anlass war nach seiner Aussage vor allem der agressive Abverkauf von Domainportfolios von Firmen wie Namemedia, deren Ziel es ist, möglichst hohe Jahresumsätze zu erzielen, aber die wenig Interesse an langfristigen Strategien zeigen. Frank Schilling besitzt nach eigenen Angaben derzeit über 700.000 Domainnamen und dürfte damit neben Kevin Ham (auch bekannt als “The Man who ownes the Internet”) das derzeit größte privat verwaltete Domainportfolio der Welt besitzen. Auf dem Domainfest 2011 gab Frank Schilling an, dass seine Firma von Juli 2010 bis Ende Februar 2011 lediglich ca. 250 Domainnamen verkauft hat, dafür aber mit einem Gesamtwert von 7 Million $. Dies entspricht einem Durchschnittspreis von 28.000 Dollar je Domain – wobei Frank angab, die verkauften Domains wären nicht einmal die besten seiner Domainnamen gewesen. Alle Verkäufe gingen an Endkunden und entstanden nach direkten Anfragen. Jeden Tag erhält Frank Schilling über 100 Kaufanfragen und veröffentlicht die betreffenden Domainnamen unter http://domainnamesales.com/blog/.

Frank Schilling wurde 1969 in Tübingen geboren. Seine Familie wanderte 1971 mit ihm nach Kanada aus. Sein Vater Ray Schilling hatte gerade als Arzt approbiert und seine Mutter war Grundschullehrerin in Deutschland. Frank Schilling startete seine Karriere als Domainer erst relativ spät, im Jahr 2000. Als die große Internet-Blase platzte, war er bereit. Zahlreiche zuvor reservierte Domainnamen wurden im Zuge vieler Unternehmensaufgaben gerade in den Jahren 2002 und 2003 frei.

Frank Schilling

Frank Schilling

Frank Schilling nutze vor allem Snapnames, später auch pool.com und andere Snapdienste, um möglichst viele freiwerdende Domains zu catchen. Teilweise gab er bis zu 500.000 $ im Monat für Domains aus. Im Jahr 2004 war seine Firma Name Administration bereits im Besitz von 240.000 Domainnamen. Ein Hurricane verwüstete 2004 sein Haus auf den Caymans, als er gerade in Verhandlungen stand, sein gesamtes Portfolio für über 100 Mio. $ an die Firma mit Marchex zu verkaufen. Da seine gesamten Verkaufsunterlagen vernichtet wurden, kam sein Kollege Yun Ye zum Zuge, der für 164 Mio. $ an Marchex verkaufte. Frank Schilling trauerte dem geplatzen Geschäft aber nicht nach sondern widmete sich weiterhin voll dem Domaingeschäft. Er ist Gast auf zahlreichen Konferenzen und teilt seine Erfahrungen freizügig mit Kollegen. Frank Schilling ist eines der Beispiele im Domaingeschäft dafür, dass es nie zu spät ist einzusteigen. Ausführliche Porträts über Frank Schilling finden sich in dem Buch “The Domain Game” von David Kesmodel und auf DNJournal.com.

„Gute“ Domainnamen ähneln eher Öl als Glas
Das Domainnamen-Geschäft ist viel einfacher als das Glas-Geschäft. Wenn Sie sich die Namen anschauen, die die Leute haben wollen, werden Sie feststellen, dass sich die Verkäufe (und die Verkaufsanfragen) immer um die Domainnamen drehen, die irgendeine Art von Traffic aufweisen. Ich rede nicht einmal von den Domains mit Einnahmen aus dem pay-per-click. Man kann durchaus Domainnamen besitzen, die zwar Besucher haben, aber wegen falsch eingestellter oder fehlender passender Werbung nur schlecht konvertieren. Ich rede über den Herzschlag, liebe Leser… Namen, die jemand in seine Adressleiste eintippt, weil ihm die Zeichenfolge etwas bedeutet, oder Namen, die Leute im Whois-Protokoll nachschlagen, um zu erfahren, wer der Domainbesitzer ist. Namen, die andere Menschen zu irgendeiner Aktion veranlassen. Einige Domainverkäufer meinen, sie könnten diese Naturgesetze außer Kraft setzen, indem sie locken und täuschen. Sie versuchen Käufer, die nach XX.com suchen, weil dieser Name über Bedeutung, Resonanz, Anziehungskraft und Traffic verfügt, auf die Domain Y-Y.info zu lenken, weil diese Domain „irgendwie ähnlich ist“ oder weil diese Domain nur ein Zehntel/ein Hundertstel kostet. Solchen Spielen zum Trotz: Der Brennstoff, der sowohl die Maschine antreibt als auch die Magie möglich macht, besteht aus guten aussagekräftigen Domainnamen mit Resonanz, Anziehungskraft und mit einer gewissen Art des Herzschlages. Ein Herzschlag, der dafür sorgt, dass die Besucher auf eine Webseite befördert werden. Im Gegensatz zu Glas, das aus Sand besteht, sind diese Juwelen, die Besucher anlocken, nur in einer begrenzten Menge vorhanden – ähnlich wie Öl.

Wie bereits erwähnt, den größten Teil des letzten Jahrzehnts habe ich damit verbracht, die Listen auslaufender Domainnamen zu sichten. Mittlerweile bin ich ziemlich gut darin, die guten von den schlechten Domainnamen zu unterscheiden. Ich beobachtete auch andere Leute, die das Gleiche tun wie ich. Und ich habe gelernt, wie sie die „guten“ und die „schlechten“ Domains interpretieren.

In den sechs Jahren, in denen ich die Listen mit den auslaufenden Domainnamen scannte, stellte ich fest, dass lediglich 7 bis 12 % aller auslaufenden Namen mehr als einer Person etwas bedeuten. Die restlichen Domains sind von einer so schlechten Qualität, dass sie keinen weiteren Anklang finden noch sonstwie über Anziehungskraft verfügen. Diese Domainnamen werden wahrscheinlich weder im Whois nachgeschlagen noch von irgend jemand anderem als dem Erstregistranten jemals in den Browser getippt werden. Diese anderen 88 % bis 93 % besitzen einzig und allein für den Domainregistranten eine Bedeutung. Zu diesen Domainnamen gehören seltsame/als Marke geschützte Zeichenfolgen, Kunstwörter, zusammenhangslose Formulierungen. Diese Namen sind wie die fallenden Bäume im Wald, die von niemandem gehört werden. Einige meiner erfolgreichen Kollegen, die ich auf Auktionen treffe, teilen wohl meine Ansicht, was einen guten Domainnamen ausmacht: durch ihr mitbieten reißen sie mir regelmäßig ein Loch in meinen Geldbeutel.

Domains werden jeden Tag gelöscht
In der Vergangenheit war die durchschnittliche Tagesliste auslaufender Domains (Droplisten) ein repräsentativer Ausschnitt aller registrierten Domainnamen eines Zonefiles. In der Gegenwart ist die Qualität der auslaufenden Namen wesentlich schlechter geworden, da auslaufende Domainnamen durch Registrare oder Auktionshäuser vorgefiltert werden. Darüber hinaus führen die hohen Verlängerungsgebühren sowie die Begrenztheit des Wortschatzes dazu, dass der Prozentsatz der Domains, die aussagekräftigen Bewertungskriterien entsprechen, bei den Droplisten insgesamt rückläufig ist. Heute fallen 7 bis 12 % der Namen in meinen „guten Topf “… In fünf Jahren werden noch 5 bis 7 % aller registrierten Domainnamen eine Bedeutung haben, da überproportional Sinnloses registriert wird.

Damit Sie es richtig einordnen können: Mein theoretischer „7 bis 12 % Best-Of “ aller registrierten Namen beinhaltet Domainnamen mit 2 oder 3 Zeichen, die meisten der Domains mit vier Buchstaben sowie Namen, die Suchanfragen entsprechen – hier aber „Long-Tail“. Enthalten sind Postleitzahlen, die populären Benutzernamen sowie die beliebten oder weniger beliebten Kombinationen von Vor- und Nachnamen. So ziemlich jeden Begriff, der irgendjemandem und dazu noch einer zweiten oder einer dritten Person etwas bedeutet. Enthalten sind die besten .info und .us Namen. All die „guten Namen“, die lediglich 7 bis 12 % aller registrierten Namen ausmachen. Der Rest ist ein einziger Strom von Füllmaterial, deren Registrierungszeit abläuft und immer wieder Ersatz durch neuen Müll findet… ein nie endender „boulevard of broken dreams“ kommt zum Vorschein.

Falls Sie bis zu diesem Punkt gelesen haben und Sie meinen Standpunkt teilen oder einfach Ihren und meinen Gedanken folgen, werden Sie verstehen, weshalb der Pauschalverkauf US Dollar nicht so passend ist, wie er auf den ersten Blick erscheinen möge. Unternehmen denken nicht darüber nach, einmalig 10.000 bis 15.000 US Dollar für eine einmonatige Anzeige in einer Fachzeitschrift auszugeben oder 2 Monate lang die Stelle eines Junior-Mitarbeiters zu bezahlen… Soll man da wirklich nutzbringende Domainnamen für irgendeinen beliebigen, aktuell erzielbaren Betrag verkaufen? Nur weil diese Domainnamen noch keine pay-per-click- Einkünfte erwirtschaftet haben?

Ich glaube, dass der Wert des Gesamtportfolios in erheblichem Maße schrumpft, wenn Domainnamen im großen Stil verschleudert werden. Wenn man seine Domainnamen abverkauft, die zwar keine pay-per-click Einnahmen bringen, jedoch 30 Besucher im Monat haben, zerstört man in meinen Augen einen langfristigen Wert des Gesamtportfolios, nur um einen kurzfristigen Gewinn zu erzielen.

Schon heute ist das Angebot an bedeutungsvollen und generischen Domainnamen sehr knapp. In dem Bestreben, sowohl die Einnahmen für sich selbst zu erhöhen als auch die Nachfrage zu senken, plant die ICANN die Zulassung weiterer Domainendungen. Ich prognostiziere, dass dies wenig dazu beitragen wird, den Durst nach bedeutungsvollen .com, .net und ccTLD Domainnamen zu stillen. Die überlasteten Unternehmens-IT-Abteilungen, deren Aufgabe darin besteht, die bestehenden .com Tippfehler zu verwalten, werden nicht mit der Herausforderung fertig, auch noch Unternehmens-gTLD wie .COKE oder .IBM zu administrieren. Wenn meine Vermutung richtig ist, dann werden .web, .blog und andere neue .Endungen genehmigt werden. Diese werden dann .info, .us, .eu, .asia und .mobi an den Rand drängen, genauso wie diese TLDs zuvor die .ws und .cc in die Bedeutungslosigkeit verbannt haben. Ich prognostiziere, dass .com und andere etablierte Namensräume mit einigen äußerst unwesentlichen Randerscheinungen weiter gedeihen werden. Das Scheitern der ehemaligen Möchtegern-Konkurrenten wie .travel, .biz und .pro bei der Sättigung der Nachfrage nach begehrten Namen zeigt uns, dass das Hinzufügen von mehr Magermilch zum Milchmix den Rahm nicht vom Aufstieg abhalten wird und der Rahm ist .com.

Ich denke, dies alles bringt mich zurück zu meinem Ausgangspunkt… Mit mehr als 6 Mrd. Menschen auf unserem Planeten, die irgendwann etwas zu verkaufen haben und mit nur 10 bis 18 Millionen „sinnvollen“ Domainnamen bei allen Domainendungen, die gut genug dafür sind, als Verkaufsdomains zu funktionieren, sollte dies genau der richtige Zeitpunkt sein, um die Füße auf den Schreibtisch zu legen und die Preise zu verdreifachen – oder überhaupt nicht zu verkaufen.

Einige würden argumentieren, dass überhaupt nicht zu verkaufen ein wenig extrem sein könnte… Und das mag auch sein. Das Glück gehört immer noch den Mutigen. Und wir leben in einem beispiellosen Zeitalter, inmitten einer beispiellosen tiefgreifenden Veränderung. In Zukunft wird Fortuna denjenigen gut gesonnen sein, die ihre guten Domainnamen nicht zu billig und auch nicht zu übermütig verkauft haben.

 

Mit freundlicher Genehmigung von Frank Schilling (http://domainnamesales.com) engl. Original unter SEVEN MILE – The official Frank Schilling Blog

 

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SEO in a Nutshell: Die Basics der Suchmaschinenoptimierung Teil II – Onpage-Optimierung

Geschrieben am 24 November 2011 von von Domainvermarkter-Magazin

zuerst veröffentlicht im Domainvermarkter-Magazin 05

Während im ersten Teil der Serie„SEO in a Nutshell“ grundsätzlich erläutert wurde, was unter dem Begriff SEO – also Suchmaschinenoptimierung – zu verstehen ist und einige Hinweise auf die Umsetzung von SEO-Maßnahmen gegeben wurden, beschäftigt sich der zweite Teil mit der Onpage-Optimierung.

Experten gehen von etwa 200 Kriterien aus, die in die Bestimmung des Google-Rankings einbezogen werden. Diese lassen sich in Onpage- und Offpage-Kriterien unterteilen, wobei – wie der Name schon sagt – „Onpage“ alle Maßnahmen zusammenfasst, die auf der eigenen Webseite umgesetzt werden. Auf die Offpage-Kriterien, also die Einflussfaktoren außerhalb der eigenen Webseite, werden wir in Teil III & IV der Serie eingehen. Im vorliegenden Artikel werden dem Leser die unserer Meinung nach wichtigsten Onpage-Faktoren nahegebracht und Handlungsempfehlungen erteilt, wie sich durch relativ einfache Umbaumaßnahmen der Webseite Aufwärtsbewegungen in den Suchmaschinenpositionen bewirken lassen.

Wie bereits im ersten Teil der Serie erwähnt wurde, ist eine ausführliche Keywordrecherche Ausgangspunkt jeglicher Optimierungsmaßnahmen. Diese umfasst im Optimalfall für jede URL einer Webseite bis zu drei Begriffe, für welche die URL optimiert werden soll. Doch wie sollte ich meine Seite aufbauen, um eine gute Ausgangslage für Top-Rankings auf den Begriffen zu schaffen? Was sollte ich bei der Onpage-Optimierung vermeiden?

Methoden wie das „Überfüllen“ der Seite mit Keywords (=Keyword Stuffing) oder das „Verstecken“ von Begriffen durch mehr oder weniger geschickte Formatierungen sind nicht mehr zeitgemäß, verstoßen gegen die Google-Webmaster-Richtlinien und führen im Worst Case zu einer Abstrafung. Ein Absturz der mühsam aufgebauten Rankings ist die Folge. Der Webseitenbetreiber muss verstehen und verinnerlichen, was in Google‘s Firmenphilosophie mit „Der Nutzer steht an erster Stelle, alles Weitere folgt von selbst“ gemeint ist. Umbaumaßnahmen auf Webseiten sollten vor allen Dingen den Nutzer bei seinem Besuch unterstützen. Im Folgenden werden einige relevante Faktoren, die sich auf die Einträge im Head der Seite sowie auf den Content beziehen, vorgestellt. Des Weiteren wagen wir einen kurzen Ausblick in die Zukunft der Onpage-Optimierung.

(a) Einträge im Head der Seite
Welchen Namen trägt Ihre Webseite? Soll die Seite von Suchmaschinen indexiert werden? Wie lässt sich mit wenigen Worten der Inhalt Ihrer Seite zusammenfassen? Welchen Text soll der Browser nutzen, wenn Ihr Besucher die Webseite als Lesezeichen speichert?

Diese und weitere Fragen beantworten die Meta-Informationen, die im Head einer Webseite hinterlegt werden. Zwar werden die Inhalte des Heads auf der Seite selbst nicht ausgegeben, allerdings stellen sie dem Browser essenziell wichtige Informationen zu Ihrem Internetauftritt bereit.

Im Title-Tag hinterlegen Sie den Namen der Unterseite. Dieser wird Ihrem Besucher in der oberen Browserzeile angezeigt und als Name von hinzugefügten Lesezeichen vorgeschlagen. Vergessen Sie nicht: Für Google steht der Nutzer an erster Stelle! Somit liegt es nahe, den Namen der Webseite in den Suchergebnissen besonders hervorzuheben. Genau das tut Google, und genau deshalb sollten Sie den Title der Seite mit Bedacht wählen. Der „optimale“ Title besteht aus maximal 65 Zeichen (schließlich soll der Kern der Seite erfasst werden), wobei das zu optimierende Keyword möglichst weit vorn im Title steht. Insbesondere bei Onlineshops sollten Sie neben dem Top-Keyword auch Kombinationen wie „Keyword + günstig kaufen“ oder „Keyword + günstig online“ verwenden. Somit decken Sie sogenannte Longtail-Suchanfragen wie „Keyword günstig kaufen“ ab, durch die Ihnen ein gutes Ranking deutlich leichter fallen wird als bei Ihren Top-Keywords. Beachten Sie bei der Wahl des Titles auch die Reihenfolge der genutzten Begriffe. Suchen Ihre potenziellen Kunden eher „günstig kaufen Keyword“ oder „Keyword günstig kaufen“? Außerdem muss sich der Title von Seite zu Seite unterscheiden. Auch das ist plausibel, denn schließlich können Sie nicht jede Unterseite Ihres Projekts mit der gleichen Begriffskombination beschreiben. Möchten Sie den Namen Ihrer Seite im Title nutzen, so setzen Sie ihn an das Ende des Titles. Suchmaschinen bewerten Begriffe, die am Anfang des Titles stehen stärker als solche am Ende. Experten gehen davon aus, dass der Title als einer der wichtigsten Faktoren für gute Rankings zu sehen ist – investieren Sie also Zeit in die Optimierung Ihrer Titles!

Der Inhalt des Description-Tags hat – wenn überhaupt – nur geringen Einfluss auf das Suchmaschinen-Ranking. Allerdings nutzt Google die Beschreibung der Seite als Snippet in den SERPs, so dass der Inhalt mitentscheidet, ob ein potenzieller Besucher tatsächlich auf die Seite gehen wird. Verfassen Sie stets individuelle, auf den Inhalt der Unterseite angepasste, Meta-Descriptions. Diese sollten etwa 160 Zeichen enthalten. Verwenden Sie die wichtigsten Keyword-Kombinationen innerhalb der Meta-Description. Befindet sich das Suchwort in der Meta-Description, so wird dieses im Snippet fett markiert. Somit erkennt der Nutzer, dass er auf Ihrer Webseite wahrscheinlich weitere Informationen zu der von ihm gesuchten Wortkombination erhält. Legen Sie keine Meta-Descriptions fest, so entscheidet Google selbst, welcher Content Ihrer Webseite als Snippet Verwendung finden soll. Meistens nutzt Google die ersten Wörter Ihrer Seite – und das sind nicht selten die Überschriften Ihres Navigationsmenüs. Bei dem Suchenden wecken Sie kein Interesse, wenn das Snippet als Aushängeschild der Webseite nur eine Übersicht der Navigationselemente enthält. Daher sollten Sie Ihre Meta-Descriptions optimieren.

Sie verfolgen mit Ihrer Webseite das Ziel, bei den im Rahmen der Keywordrecherche definierten Begriffen gute Rankings zu erlangen. Haben Sie Keywords für Seiten wie die Datenschutzbestimmungen, „Über uns“- Texte, das Impressum oder die Sitemap definiert? Wahrscheinlich nicht. Aus diesem Grund sollte Google diese und andere Seiten, für die Sie kein klar definiertes Rankingziel ausgegeben haben, erst gar nicht in seinen Index aufnehmen. Insbesondere Impressum, Datenschutz, AGB etc. befinden sich häufig im Footer einer Webseite, werden somit sidewide angelinkt und daher von den Google-Robots als besonders relevant bewertet. Abhilfe schafft das Robots-Tag: Setzen Sie Seiten, mit denen Sie nicht ranken möchten, auf „noindex“. Des Weiteren können Sie mit Hilfe des Robots-Tags bestimmen, ob den Links auf einer Seite grundsätzlich gefolgt werden soll. Empfehlenswert ist es, Links generell zu folgen und nur ausgewählte Links zu Quellen, denen Sie nicht trauen, durch rel=„nofollow“ für Google zu entwerten. Die Ausprägung würde also Suchmaschinen anweisen, die Seite nicht in ihren Index aufzunehmen, jedoch den internen und externen Verlinkungen auf der Seite zu folgen, sofern einzelne Links nicht individuell entwertet wurden.

(b) Optimierung der Contentgestaltung
Der Content, also der sichtbare Text auf einer Webseite, befindet sich im „Body“ des HTML-Codes. Google kann nur solche Bereiche einer Seite crawlen, die sich bei gedrückter Maustaste blau markieren lassen –also Text und Bilder, aber keine Flash-Animationen oder Videoinhalte.

Aus langjähriger Erfahrung weiß Google, dass extrem lange Texte von Internetnutzern nicht komplett gelesen werden und extrem kurze Texte zumeist wenig interessante Informationen enthalten. Als Best Practice haben sich 250 – 500 Wörter auf einer Unterseite erwiesen. Der Content sollte einzigartig (unique) sein, da Suchmaschinen bemüht sind, ihren Index nicht durch Duplikate zu belasten. Doch wie sollte man bei der Texterstellung vorgehen, um Google die Relevanz einer Seite für einen Suchbegriff zu verdeutlichen?

Ein wichtiger Anhaltspunkt für Googles Crawler um die Relevanz einer Seite für einen bestimmten Begriff einzuschätzen ist die (häufige) Nutzung eines Begriffs innerhalb des Textes. Doch wie bereits oben erwähnt, reicht es nicht aus, die Webseite mit dem Top-Keyword zu überfüllen. Vielmehr sollte das Keyword in einem für den Nutzer, nicht für Suchmaschinen, verfassten Text mit einer Häufigkeit von 3 – 4% vorkommen. Diese Häufigkeit bezeichnet man als Keyworddichte. Besteht der Text also aus 300 Wörtern, so sollte man das Keyword bzw. Abwandlungen dessen etwa zehn Mal im Content verwenden.

Google wäre jedoch nicht Google, würde die Suchmaschine sich bei der Rankingberechnung allein auf die mehr oder weniger häufige Nutzung von Schlüsselbegriffen orientieren. Allzu leicht ließe sich sonst der Algorithmus überlisten. Daher fließt auch das Umfeld des Keywords in die Rankingberechnung ein. Möchten Sie den Begriff „Kaffeemaschine“ auf einer Seite optimieren, empfiehlt es sich, auch Begriffe wie „Kaffee kochen“, „Küche“, „Kaffeefilter“ u. ä. themennahe Begriffe, die Sie mit „Kaffeemaschinen“ assoziieren, innerhalb des Contents zu verwenden. Je mehr sich der gesamte Content in das Cluster „Kaffeemaschinen“ einordnen lässt, desto themenrelevanter (und somit höher) stufen Suchmaschinen die Seite ein.

Wie schon bei der Auswahl des optimalen Titles sollten auch innerhalb des Contents Kombinationen des Top-Keywords verwendet werden. Bleiben wir bei dem Beispiel „Kaffeemaschinen“. Betreiben Sie eine Webseite, welche auf den Verkauf von Kaffeemaschinen abzielt, so ist es ratsam, über „Kauf von Kaffeemaschinen“, „Kaffeemaschinen kaufen“, „Kaffeemaschinen günstig“ u. ä. zu berichten. Doch achten Sie darauf, dass die Texte leserlich bleiben – Google erkennt Stoppwörter, kann sie als solche einordnen und erkennt das Keyword „Kaffeemaschinen günstig“ auch, wenn Sie „Kaffeemaschinen sind günstig“ in Ihren Text schreiben.

Wie der interessierte Nutzer, so freut sich auch Google über einen logisch strukturierten Text und belohnt Sie mit guten Rankings. Ein Text sollte durch eine Überschrift (H1), die das Top-Keyword zu Beginn enthält, sowie 1 – 2 Zwischenüberschriften (H2), die die Nebenkeywords oder Kombinationen des Top-Keywords enthalten, gegliedert sein. Überschriften sollten nur im Content, nicht als Formatierung in der Sidebar oder im Footer Verwendung finden. Zwar führen Fehler hier nicht zu einer Abstrafung – den Vorteil, den eine schlüssig strukturierte Seite erlangt, entfällt jedoch bei Nicht-Einhaltung dieser Struktur.

Fett oder kursiv formatierte Begriffe fallen dem Leser als erstes ins Auge und er identifiziert diese Wörter als besonders wichtig. Warum sollte Google also nicht genauso vorgehen und fett- und kursiv-markierte Begriffe als besonders wichtig erkennen? Daher sollten Sie in Ihrem Content Formatierungen vornehmen. Hüten Sie sich jedoch vor der naheliegenden Lösung, einfach immer das Top-Keyword fett zu markieren. Das wirkt sowohl für Leser als auch für die Suchmaschine unnatürlich. Stattdessen formatieren Sie Begriffskombinationen (bei „Kaffeemaschine“ bspw. „günstige Kaffeemaschinen kaufen“) oder themennahe Begriffe (bspw. „Filter“).

Verwenden Sie ein bis zwei Bilder pro Unterseite und benennen Sie diese nach Ihren Keywords („keyword.jpg“ bzw. „keyword.gif “). Als Alternativtext können Sie Keywordkombinationen nutzen. Somit haben Sie einerseits Chancen auf ein Ranking in der Google-Bildersuche, andererseits wirkt sich die Einbindung themenrelevanter Bilder positiv auf das Ranking des optimierten Suchbegriffs aus. Außerdem sollten Sie die Seiten untereinander themenrelevant querverlinken – als Faustregel haben sich fünf bis acht interne Links auf andere Unterseiten innerhalb des Contents als praktikabel erwiesen. Wie Sie in Teil III und Teil IV der Serie erfahren werden, bewertet Google die Anchortexte eingehender Links für das Ranking. Verlinken Sie daher weitere Unterseiten möglichst mit dem Keyword, mit dem die Unterseite ranken soll.

(c) Blick in die Zukunft
Konnten Webmaster „früher“ den Nutzern andere Inhalte als den Suchmaschinen präsentieren und wurden mit guten Rankings belohnt, so muss sich der Seitenbetreiber heute an das Nutzungsverhalten der Besucher anpassen. Für Google relevante Kriterien wie Title, Textformatierungen oder der Content selbst lassen sich nicht vor dem Nutzer verstecken – spätestens bei der Entscheidung, ob der Besucher zum Kunden konvertiert, fließt die Qualität des Contents in dessen Entscheidungsfindung ein. Was wäre also naheliegender, als im nächsten Schritt nicht nur das vermutete, sondern auch das tatsächliche Verhalten von Besuchern als Kriterium für die begehrten Top-Rankingpositionen noch wichtiger zu bewerten. Verweildauer auf Webseiten, Bounce-Rates und Klickraten werden also immer mehr an Wichtigkeit in der Onpage-Optimierung gewinnen. Durch Webseiten, die für Menschen und nicht für Suchmaschinen gestaltet sind, die einen wirklichen Mehrwert bieten, bereiten Sie sich demnach optimal auf die Zukunft der Onpage-Optimierung vor.

Von Andre Alpar und Markus Koczy

 

 

 

Siehe auch: Die Basics der Suchmaschinenoptimierung Teil I

 

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Sicherheitstipps für Domaininhaber, Domainkäufer und Domainverkäufer

Geschrieben am 14 Oktober 2011 von von Domainvermarkter-Magazin

zuerst veröffentlicht im Domainvermarkter-Magazin 05

Halten Sie immer Ihre Kontaktdaten aktuell. Achten Sie besonders auf eine funktionierende E-Mail-Adresse und einen Spamfilter, der wichtige Meldungen Ihres Registrars durchlässt.

Benutzen Sie Whoisprotection-Services nur, wenn es unbedingt notwendig ist.

Besprechen Sie mit Ihrem Registrar, wie die Abläufe sind, falls eine Domain unter juristischen Beschuss kommt. Sehen Sie sich hierzu genau die AGBs an. Sonst ist die Domain vielleicht schneller gelöscht, als Sie reagieren können.

Wenn Sie .de Domains besitzen, fragen Sie Ihren Provider nach einem Dispute-Monitoring-Service. Dieser sollte Sie automatisch informieren, wenn ein Dispute auf eine .de-Domain gesetzt wird. Fordern Sie im Ernstfall umgehend die Daten des Disputestellers bei der DENIC an und fragen Sie nach den Gründen, die zum Dispute geführt haben.

Seien Sie misstrauisch bei allen E-Mails, die nicht von Ihrem Registrar stammen und Domainverlängerungen betreffen. Zu 99,9 % handelt es sich um Spam.

Geben Sie nie die Zugangsdaten für Ihre Domainkonten aus der Hand. Einmal gelöschte generische Domains sind unwiederbringlich verloren. Schadensersatz ist oft nicht erreichbar.

Werden Sie nach Möglichkeit Ihr eigener Registrar. Eine Mitgliedschaft bei der DENIC oder nic.at ist günstiger als Sie denken. Viele Dienstleister bieten einen technischen Komplettservice an. So sind Sie gegen Eingriffe Ihres Registrars geschützt und können zudem noch Einfluss auf die Registry nehmen.

Nutzen Sie ggf. besondere Schutzmaßnahmen vor Domainlöschungen und Übertragungen, die einige Registrare anbieten. Denken Sie bei .de-Domains darüber nach, ob bei einer sehr wertvollen Domain nicht auch eine direkte Registrierung bei der DENIC eine Option für Sie ist. Die höheren Registrierungsgebühren sind als Versicherungsprämie durchaus vertretbar. Lernen Sie die Eigenheiten und Risiken einer TLD kennen. Bedenken Sie, wo der Gerichtsstand bei Streitigkeiten liegt und wie hoch das Verlustrisiko z. B. bei UDRP-Verfahren ist. Investieren Sie nur in Domainendungen, bei denen Sie alle Regelungen überblicken und verstehen.

Nutzen Sie Registrare, die Domainnamen automatisch verlängern und Bankeinzug anbieten. Wenn nicht: Achten Sie penibel auf Zahltermine, halten Sie Ihre Kreditkarteninformationen aktuell. Viele Provider verdienen viel Geld mit nicht verlängerten Domainnamen – lesen Sie auch hier genau die AGBs Ihres Providers durch. Gut zu wissen: Bei .de-Domains gibt es grundsätzlich kein Löschungsrecht des Providers bei Nichtbezahlen, die Domain muss ggf. in den Transit gegeben werden.

Sicherheitstipps für Domainverkäufer:
Tragen Sie nie einen Ihnen Unbekannten als Inhaber Ihrer Domain ein. Tätigen Sie einen Inhaberwechsel bei einem Domainverkauf immer erst nach sicherem Zahlungseingang.

Bestehen Sie auf Banküberweisung. Paypal und andere Dienste sind keine sicheren Zahlungssysteme.

Lassen Sie sich nicht auf Ratenzahlungen ein. Es sei denn, Sie betreiben eine Bank. Besser ist es, ein Vorkaufsrecht zu vereinbaren und die Domain z. B. zu vermieten, bis der Käufer die volle Summe aufbringen kann. Gerade bei vermeidlich kleinen Beträgen ist der Wunsch nach Ratenzahlung ein sicheres Indiz dafür, dass der Käufer später Schwierigkeiten bei der Zahlung bereitet. Bieten Sie als Verkäufer auch immer Treuhanddienste an, ggf. unter Teilung der Kosten, wenn der Käufer keine Vorkasse an Sie leisten will.

Sicherheitstipps für Domainkäufer:
Zahlen Sie per Banküberweisung. Die Kontodaten sichern Ihnen die Identität des Verkäufers. Western Union sollte für geschäftliche Transaktionen tabu sein.

Kaufen Sie keine Domains ohne Treuhandverfahren, bei denen die Inhaberdaten unstimmig sind. Bedenken Sie, dass alle Ihnen elektronisch vorgelegten „Beweise“ für den Besitz einer Domain gefälscht sein können.

Unaufgefordert zugesendete Verkaufsangebote von Domainnamen sind SPAM. Reagieren Sie nicht. Besonders nicht, wenn es sich um sogenannte Schnäppchen handelt, die zu gut sind, um wahr zu sein. Meistens ist es dann auch so.

Überprüfen Sie das Renommee des Verkäufers, versuchen Sie, direkten telefonischen Kontakt über eine sichere Telefonnummer herzustellen (also nicht über die ggf. gefälschten whois-Daten und eine Mobilfunknummer).

Bei generischen TLDS empfiehlt es sich, sich vor Kauf in einem Dienst wie Domaintools.com über die Historie einer Domain zu informieren.

Fragen Sie immer nach, ob der Verkäufer auch bereit ist, über einen Treuhandservice wie SEDO oder ESCROW zu verkaufen, gerade wenn über Ländergrenzen und mit Unbekannten gehandelt wird – auch wenn Sie eigentlich keinen Treuhandservice in Anspruch nehmen wollen. Lehnt der Verkäufer Ihren Vorschlag grundsätzlich ab, sollten Sie misstrauisch werden. Sehen Sie die 3 % Transfergebühren für einen externen Transfer (einen Transfer, den Sie selber in Auftrag geben) als Versicherungsgebühr gegen Totalausfall an.

Lassen Sie sich nicht in unseriösen Auktionen hochbieten. Ebay ist seit Jahren fast nur noch Tummelplatz von unseriösen Domainanbietern.

Fragen Sie anerkannte Domainexperten um Rat, wenn Sie nur selten Domainnamen kaufen oder verkaufen.

Von Christoph Grüneberg

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Reverse Domain Hijacking

Geschrieben am 13 Oktober 2011 von von Domainvermarkter-Magazin

zuerst veröffentlicht im Domainvermarkter-Magazin 05

Nicht immer ist es einfach, böswilliges „Reverse Domain Hijacking“ (RDH) von legitimen Markenansprüchen zu unterscheiden. Wenn ein klarer Fall von Reverse Domain Hijacking vorliegt, handelt es sich meist um den Versuch, einen beschreibenden Domainnamen zu erlangen. Einige grundlegende Kenntnisse von Markenrecht sind notwendig, um auch zu verstehen, wann eine Domain zu unrecht beansprucht wird. Die deutsche Rechtsprechung hat dazu mittlerweile in zahlreichen Urteilen festgestellt, dass ein Markeneintrag alleine nicht ausreicht, um Anspruch auf die Löschung einer Domain zu erlangen.

Warum kommt es aber dennoch immer wieder zu Rechtsstreitigkeiten? Gerade wenn wir von RDH sprechen, geht es meist weniger darum, tatsächlich eine eingeführte Marke zu schützen, als vielmehr darum, günstig eine Domain zu erlangen, die im Besitz einer anderen Person oder Firma ist.

Vor Gericht geht es nicht nur um Gerechtigkeit, sondern auch um Kapitalstärke: Viele generische Domainnamen werden in Privatbesitz gehalten. Bei Streitigkeiten im Markenrecht werden in der Regel Streitwerte von mindestens 25.000 Euro, meist eher 50.000 Euro angesetzt. Der tatsächliche Wert einer Domain spielt dabei keine Rolle. Für den Domaininhaber ist es aber finanziell oft nicht möglich, solche hohen Prozesskostenrisiken einzugehen.

Es würde auch wenig Sinn machen, wenn sich der realistische Wert des Domainnamens lediglich auf wenige tausend Euro belaufen sollte. Gerade bei systematischer Vorgehensweise wie bei der Scout24-Gruppe (siehe unten) scheint man deshalb gezielt auf juristischen Druck zu setzen, statt einer Kaufstrategie zu folgen. Hinzu kommt: Selbst wenn der betroffene Domaininhaber einen Prozess zu seinen Gunsten entscheidet, bekommt er nicht alle seine Kosten und auch nicht seinen persönlichen Zeitaufwand erstattet. Große Unternehmen können es sich hingegen leisten, die besten Anwälte zu engagieren (sofern diese nicht selber im Rahmen des Mandates tätig werden) und darauf zu hoffen, dass dem Domaininhaber finanziell die Luft ausgeht. Staatliche Organisationen haben es noch leichter, bezahlt doch am Ende der obsiegende Domaininhaber die Prozesskosten der öffentlichen Hand auch noch mit seinen Steuergeldern. Und in Behörden ist es oft leichter, einen Gerichtsprozess in Gang zu setzen als einen Domainankauf genehmigt zu bekommen. Konzerne, Firmen und Behörden sind klar im Vorteil, wenn es darum geht, mittels Abmahnungen und Prozessandrohungen Domainnamen zu akquirieren. Daneben gibt es Fälle, in denen Anwälte ihre Mandanten einfach schlecht oder falsch beraten. Die Anzahl der zugelassenen Anwälte in Deutschland hat sich seit 1990 nahezu verdreifacht. Da ist nicht immer ganz auszuschließen, dass ein Anwalt, der um Rat gefragt wird, eher zur Klage tendiert, statt seinem Mandanten einen Domainkauf anzuraten.

Information
Als Reverse Domain Hijacking (RDH) bezeichnet man den Versuch, sich die Domain eines fremden Internetauftritts anzueignen, indem man den Besitzer des Domaingrabbings beschuldigt, also behauptet, die Domain stünde aufgrund eines eingetragenen Markennamens einem selbst zu. (Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Reverse_Domain_Hijacking)

Beispielhaft sollen deshalb drei Fälle aus eigener Erfahrung genannt werden, die den Begriff RDH mit Leben füllen.

Die nachträgliche Markenanmeldung
Zwei Geschäftspartner, davon einer praktischerweise Anwalt, haben eine lukrative Domain als Übernahmeziel ins Auge gefasst. Der Wert der Domain liegt bei einem Vielfachen der Gerichtsgebühren einer ersten Gerichtsinstanz. Kostenrisiko bei Prozessverlust: Gerichtsgebühren, die Kosten des gegnerischen Anwaltes sowie 300 Euro für eine Markenanmeldung. Die Eintragung einer Wortmarke wurde schon dem Domaininhaber wegen des beschreibenden Namens verwehrt. Aber eine Wort-Bild-Marke ist in solchen Fällen meist problemlos zu erlangen. Dem juristischen Laien ist der Unterschied meist nicht klar, aber eine Wort-Bild-Marke schützt in der Regel nur die grafische Gestaltung, nicht aber den Namen. Eine Wort-Bild-Marke reicht aber schon aus, um bei der DENIC einen Dispute auf eine Domain zu erlangen, sogar wenn diese erst nach Registrierung der Domain angemeldet wurde. Durch den Dispute wird ein Inhaberwechsel der Domain unmöglich gemacht. Vorteil für den Angreifer: Der Domaininhaber wird massiv in seiner Gewerbeausübung behindert, während der Disputesteller außer den Verfahrenskosten keine Strafen zu befürchten hat und Entschädigungszahlungen in Deutschland nahezu nicht durchsetzbar sind. In diesem konkreten Fall verloren die Angreifer allerdings vor Gericht. Bei der gleichen Domain gibt es aber auch starke internationale Begehrlichkeiten, so dass in regelmäßigen Abständen Abmahnschreiben einer Londoner Anwaltskanzlei im Auftrag einer Firma mit Sitz in der Karibik eintreffen, in denen sich ebenfalls auf die Rechte einer jüngeren Wort-Bild-Marke in diversen Ländern berufen wird. Man wünscht eine kostenlose Übereignung. Hier scheut man offensichtlich einen Gerichtsprozess, aber es ist bekannt, dass diese Einschüchterungsschreiben bei zahlreichen Domaininhabern durchaus Erfolg hatten.

Angebliche Marke, aber beschreibender Begriff
Ein ziemlich dreister Fall des RDH ist der Streit um cola.de. Cola ist wie Bier oder Limonade ein beschreibender Begriff . Es gibt Afri-Cola, Coca-Cola, River Cola und Red Bull-Cola – um nur einige bekannte Sorten zu nennen. Dennoch erlangte eine Firma bei der DENIC einen Dispute auf cola.de, gegen den dann gerichtlich vorgegangen wurde und das LG Düsseldorf feststellte:

„Die Beklagte kann sich demgegenüber auch nicht auf ein entgegenstehendes Recht aus der Gemeinschaftsmarke des italienischen Unternehmens Cola… mit Erfolg berufen. Zunächst einmal steht dem entgegen, dass die Beklagte nicht im Einzelnen substanziiert dargetan hat, in welcher Weise, wann und in welchem Umfang sie von dem vorgenannten italienischen Unternehmen Rechte und/oder die Ausübung von Rechten an der Gemeinschaftsmarke oder an der Firmenbezeichnung erlangt haben kann. Trotz eines entsprechenden Hinweises an den Prozessbevollmächtigten der Beklagten in dem Termin zur mündlichen Verhandlung ist insoweit kein ergänzender Vortrag erfolgt.

Unabhängig davon fehlt es aber auch schon grundsätzlich an einer Verletzung von Markenrechten an der Gemeinschaftsmarke „Cola“, denn nach dem unstreitigen Vorbringen der Parteien hat der Kläger im Zusammenhang mit seiner Domain „cola.de“ bei dem entsprechenden Internetauftritt lediglich Informationen und Werbung im Zusammenhang mit dem brausehaltigen Erfrischungsgetränk „Cola“ gezeigt, nicht hingegen Waren oder Dienstleistungen aus dem Schutzbereich der Gemeinschaftsmarke, der völlig andere Waren umfasst, nämlich Thermostate und Ähnliches, Beleuchtungs-, Heizungs-, Dampferzeugungs-, Lüftungs- und Wasserleitungsgeräte sowie sanitäre Anlagen und Baumaterialien verschiedenster Art.“

Das bemerkenswerte an diesem Prozess war wiederum, dass es dem Angreifer zwar gelang, einen Dispute bei der DENIC zu erlangen, er aber weder Inhaber einer Marke Cola war noch im gerichtlichen Verfahren auch nur ein Dokument vorlegen konnte, aus welchem etwa eine Lizenz des Markeninhabers hervorgehen würde. Die DENIC gibt hingegen nicht bekannt, auf welcher Entscheidungsgrundlage ein Dispute eingetragen wurde (ein Bericht hierzu erschien bereits im Domainvermarkter-Magazin 03.).

Scout24 – der Versuch einer Begriffsmonopolisierung
Eines der bekanntesten und unrühmlichen Beispiele von RDH bietet eine Untergesellschaft des teilstaatlichen Telekom-Konzernes. Schon seit mindestens 10 Jahren werden immer wieder Domaininhaber abgemahnt, die den Begriff „Scout“ in ihrem Domainnamen haben. Man kann durchaus darüber streiten, ob zumindest im Falle des Begriffes Scout24 solche Abmahnungen berechtigt sind. Tatsache aber ist, dass für den Begriff „Scout“ im Markenregister weitaus ältere Rechte eingetragen sind, man denke nur an die bekannten Scout-Ranzen. Ebenso handelt es sich bei Scout um einen in Deutschland generisch verwendeten Begriff, als Beispiel sei hier Talentscout genannt. Meist bleibt es bei den Abmahnschreiben, denn eine Niederlage wie im Fall cityscout (LG Hamburg; Urteil vom 01.08.2002; ger. Az.: 315 O 621/01) will man wohl nicht noch einmal kassieren:

„1. Beruft sich ein Markeninhaber gegenüber einem gewerblich handelnden anderen Markeninhaber auf tatsächlich nicht bestehende Markenrechte, so hat er dem Abgemahnten die dadurch veranlassten Anwaltskosten nach dem Grundsatz des Eingriffs in den eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb zu ersetzen.

2. Die Marken JOB SCOUT und CITYSCOUT sind nicht verwechslungsfähig.“

Als geschickten Schachzug lässt die Scout24-Gruppe in Folge unzählige Abmahnungen aus der Schweiz versenden, in der berechtigten Hoffnung, es so den Abgemahnten schwer zu machen, eine negative Feststellungsklage gegen die Abmahner durchzuführen. In zahlreichen Fällen blieb es bei der Abmahnung, selbst nach mehreren Jahren wurde kein Gerichtsverfahren seitens der Scout24 Gruppe angefangen. Es fragt sich aber, wie viele Domaininhaber es mit der Angst bekommen haben und nach dem Abmahnschreiben ihre Scout-Domainnamen aufgegeben haben. Die Internetforen sind zumindest seit über 10 Jahren voll von entsprechenden Diskussionen. Im Einzelfall sollten Betroffene aber unbedingt den Rat eines spezialisierten Anwaltes einholen!

Von Christoph Grüneberg

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gefälschte GoDaddy Rechnung

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Unaufgefordertes Domainangebot – Protokoll eines Betrugsversuches

Geschrieben am 13 Oktober 2011 von von Domainvermarkter-Magazin

zuerst veröffentlicht im Domainvermarkter-Magazin 05

Man muss vorwegnehmen, dass ich normalerweise nicht auf unaufgefordert zugesandte Domainangebote reagiere. Der Anbieter Aaron Robinson war mir völlig unbekannt. Die angebotenen Domainnamen waren aber so gut, dass ich neugierig wurde, warum dieser Aaron Robinson sie besitzt. Ein Blick in das Whois förderte aber für jeden der genannten Domainnamen einen anderen Inhaber hervor. Auch waren und sind die Domainnamen fast alle aktiv in Benutzung, also von Firmen projektiert. Zum Schein trat ich deshalb in die Verhandlungen ein, um herauszufinden, was hinter der Sache steckt. Denn eines war sicher: Aaron Robinson konnte nicht der Inhaber all dieser Domainnamen sein.

Folgenden E-Mail-Dialog möchten wir hier in Übersetzung und nahezu ungekürzt wiedergeben.

Aaron: 13.01.2011 um 20:05
Betreff : Sale.de
Hey Christoph,
während ich den Verkauf meiner Domain vorbereitete, habe ich entdeckt, dass Du (bzw. Deine Firma) der Besitzer von sale.de bist. Deshalb dachte ich mir, dass Du an der Domain uebertragung.de (transmission) interessiert sein könntest. Ich habe noch
ein paar andere angefügt, an denen Du interessiert sein könntest. Ich bin bereit, sie für einen sehr niedrigen Preis abzugeben. Es liegen bereits Angebote vor, aber Du kannst gerne ein Last-Minute-Gebot abgeben!

  • gebrauchtemoebel.de (office furniture)
  • kindermaedchen.de (nanny)
  • vermoegensverwaltung.de (asset management)
  • bewaesserung.de (irrigation)
  • muellcontainer.de (dumpster)
  • bueroflaechen.de (offi ce space)
  • schuhgeschaeft.de (shoe store)

Lass mich wissen, ob Du interessiert bist.
Bis dann,
Aaron Robinson

Christoph: 13.01.2011 um 16:18 PM
Hi Aaron,
bitte nenne mir die Preise für die Domains.
Freundliche Grüße,
Christoph

Aaron: 13.01.2011 um 22:22
Danke für die schnelle Antwort. Ich würde es begrüßen, jede für $20k+ zu verkaufen. Wie auch immer, ich möchte meinen Bestand verkleinern. Ich bin also offen für alle Angebote. Nenn mir einfach einen Preis!

Christoph: 13.01.2011 um 16.31 PM
Ich bin sehr interessiert an diesen Domains. Aber ich habe auf der DENIC-Website geschaut und fand verschiedene Besitzer für die genannten Domains. Kannst Du das erklären?

Aaron: 13.01.2011 um 22:43
Ja, J A Robinson Holdings hat noch weitere Partner außer mir. Darüber hinaus versuchen wir, die ausländischen Mitglieder, die über einen Wohnsitz in dem jeweiligen Land verfügen, für die ausländischen Domains einzusetzen. Ich habe viel mehr deutsche Domains (Du wirst viele von ihnen mit meinem Namen bei der DENIC bzw. im Whois sehen). Wenn Du die komplette Liste willst, gib mir bitte einen oder zwei Tage Zeit und ich kann Dir all diese Namen zusenden.

Christoph: 13.01.2011 um 16:57 PM
Du benötigst keine deutsche Adresse, um .de Domains zu registrieren. Es reicht, wenn der Admin-C eine hat. Ich besitze 25.000 Domains und ich kenne keinen Domainer, der verschiedene Registrare und verschiedene Eigentümer für jede .de-Domain einsetzen würde. Außerdem sind auf all diesen Domains unterschiedliche Webseiten. Also wenn Du mit mir ein Geschäft machen möchtest, musst Du zunächst einen Inhaberwechsel auf Deinen Namen vornehmen.

Aaron: 13.01.2011 um 23:05
Nun, ich besitze zwar nicht so viele Domains. Dennoch habe ich über 6.000 Domains. Und wir handeln ausschließlich mit den ausländischen Domains. Darüber hinaus: Ja, Du hast recht, was den Admin-C betrifft . Wir bevorzugen aber, dass alle Daten bei jeder einzelnen Domain gleich sind (außer dem tech-c). Okay, wir übertragen diese Domains auf meinen Namen (damit Du zufrieden bist) und ich werde mich mit Dir in einer Woche in Verbindung setzen.                                                                                    Für welche Domains interessiert Du Dich? Nebenbei: Ist es für Dich okay, escrow.com zu benutzen oder bevorzugst Du eher eine direkte Banküberweisung?

Christoph: 13.01.2011 um 17:18 PM
Ich interessiere mich für 2 bis 3 Domainnamen. Escrow ist okay oder auch SEDO, was ich bevorzugen würde.

Aaron: 14.01.2011 um 23:41
Ich habe die von Dir erbetenen Änderungen durchgeführt. Derzeit haben wir ein paar hohe Angebote auf dem Tisch… Und wir haben die meisten angenommen. Für welche Domains interessierst Du Dich? Ich kann Dir jetzt sagen, dass die Domain vermoegensverwaltung.de (asset management) am meisten gefragt ist. Gestern lag das höchste Angebot bei $38k. Heute liegt es bei $42k. Wir haben uns entschieden, das Angebot in Höhe von $42k anzunehmen. Die einzigen Domains, die wir auf dieser
Liste noch erhältlich haben, sind muellcontainer.de (dumpster) – das höchste Angebot beträgt hier $17.2k – sowie kindermaedchen.de (nanny).
Für kindermadchen.de ist noch kein hohes Gebot vorhanden. Bist Du an einer von beiden interessiert?

Christoph: 14.01.2011 um 18:01 PM
Ich kann den Besitzerwechsel lediglich bei kindermaedchen.de feststellen.

kindermaedchen.de
Geändert: 2011-01-14
T22:19:10+01:00
[Besitzer]
Typ: PERSON
Name: Aaron Robinson
Organisation: J A Robinson
Holdings
Adresse: 15372 Robson
Pcode: 48227
Stadt: Detroit
Land: US
Geändert: 2011-01-14
T21:23:09+01:00
[Admin-C]
Typ: PERSON
Name: Aaron Robinson
Organisation: J A Robinson
Holdings
Adresse: Rettbergsaue 4
Pcode: 65307
Stadt: Wiesbaden
Land: DE
Geändert: 2011-01-14
T22:17:02+01:00

Ich werde Dir keine Angebote für die Domains unterbreiten, die Du nicht besitzt. In Deutschland handeln wir nicht auf diese Art und Weise mit den Domains.

Aaron: 15.01.2011 um 22:32
Würdest Du Dich für kindermaedchen.de interessieren?

Christoph: 17.01.2011 um 8:57 AM
Ich denke, Du willst mich auf den Arm nehmen. Du bist nicht im Besitz von vermoegensverwaltung.de, nur von vermogensverwaltung.de und so weiter: – ubertragung – kindermadchen – all die anderen Domains.
Ich vertraue Dir nicht, weil Du nicht die Wahrheit sagst. Ich weiß auch, dass Du die Domain kindermaedchen.de erst vor ein paar Tagen erworben hast. Also wenn es sich um einen Fehler bei den anderen Domains handelt, solltest Du dies unverzüglich mitteilen.
In anderem Fall werde ich allen anderen Domainern in Deutschland, wie z. B. Daniel, erzählen, dass sie keine Geschäfte mit Dir machen sollen.

Aaron: 17.01.2011 um 16:25
Und nur weil ich es nicht mag, wenn mein Ruf ungerechterweise beschmutzt wird, ist hier ein Auszug der Bestätigungsmail von GoDaddy. Ich habe mir die Freiheit genommen, die Daten zu markieren. Und Du kannst hier entnehmen, dass mein Name auf der Rechnung steht.

Christoph: 17.01.2011 um 10:47 AM
Kindermaedchen.de ist die einzige Domain, die Du besitzt. Ich habe nie etwas anderes gesagt. Du versuchst, mir diese eine Domain zu verkaufen, während Du vorgibst, viele andere Domains zu besitzen. Du stiehlst mir meine Zeit. Dies ist ebenfalls ein Kriminaldelikt in Deutschland.

Aaron: 17.01.2011 um 19:00
Ich versuche nicht, Dir Deine Zeit zu stehlen… Du hast behauptet, dass ich kindermaedchen.de gerade gekauft habe. Dies ist inkorrekt, genauso wie all die anderen Behauptungen, die Du über mich gemacht hast. Vergiss nicht, dass diese Domain vor einigen Tagen lediglich auch auf einen anderen Namen eingetragen war. Ich habe die anderen Besitzernamen nicht geändert, weil ich nicht vorhatte, Dir die anderen Domains zu verkaufen. Ich besitze die Kaufbelege für all diese  Domains. Genauso wie ich die Rechnung für diese Domain gesendet habe, kann ich auch die Rechnungen für all die anderen
Domains schicken (einige Domains sind sogar auf derselben Rechnung).
Du hast absichtlich das Geschäft für mich und die anderen Käufer sabotiert, nur weil die Dinge etwas anders waren, als Du sie DIR vorgestellt hast. Nun steigen die Leute aus. Das ist überhaupt nicht schön!
Meine Gruppe besitzt all diese Domains und Du hast möglicherweise den Verkauf von einigen gestoppt. Falls Du die anderen bereits telefonisch oder via E-mail kontaktiert hast, würde ich Dich bitten, Dich mit ihnen noch einmal in Verbindung zu setzen und Deine Vorwürfe zurückzunehmen. In meinem Land ist Rufmord ebenfalls ein Kriminaldelikt.

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Es ist zu vermuten, dass Aaron Robinson nur ein Pseudonym ist. Recherchen fördern lediglich einige Domainnamen zutage, die er vor Kurzem registriert hat und deren Inhaberdaten teilweise sehr schnell wieder wechseln. Bei Linkedin ist genau ein Kontakt angegeben. Nicht gerade der Beweis dafür, dass man es hier mit einer realen Person zu tun hat.

Es ist spannend, wie Aaron Robinson – wir bleiben bei diesen Namen – bis zum Ende bei seiner Version der Domaininhaberschaft blieb. Auch finde ich es bemerkenswert, dass er trotz meiner Anschuldigungen so lange mit mir in Kontakt blieb. Und genau dies ist auch der Grund, warum ich diesen Fall hier so publik mache. Es handelt sich off ensichtlich
um eine sehr smarte und intelligente Person, die auf jede Frage eine Erklärung parat hat und es sogar schafft , völlig unbekannte Personen dazu zu bringen, ihn als Inhaber einer Domain eintragen zu lassen.

Es ist mir bis heute unklar, ob, wie und an welcher Stelle ein Betrug stattfinden sollte. Es stellte sich aber Folgendes heraus: Aaron Robinson war tatsächlich in dem Besitz der Domainnamen gebrauchtemobel.de, kindermadchen.de,  vermogensvewaltung.de und Ähnliches. Vielleicht war ihm bei der Reservierung nicht geläufig, dass man in Deutschland einen Umlaut in Buchstabe -e umwandelt. Vielleicht waren diese Namen aber auch Teil eines Betrugsplanes, an dessen Ende die falschen Domains von ihm übertragen werden sollten. Da er aber massiv gestört wurde, konnte er seinen ursprünglichen Plan nicht weiterverfolgen. Warum hat er zum Schluss gerade die Domains kindermaedchen.de und muellcontainer.de angeboten? Nun, weil beide Domainnamen bei SEDO zum Verkauf standen und damit die einzigen aus der Liste waren, die Aaron tatsächlich mit etwas Aufwand hätte kaufen und verkaufen können.

gefälschte GoDaddy Rechnung

Er schaffte es, den damaligen Besitzer von kindermaedchen.de dazu zu
bringen, ihn als Inhaber der Domain bei der DENIC einzutragen. Er versprach dabei dem Inhaber, dass er einen Käufer für die Domain hätte, welcher aber nur von ihm als Inhaber die Domain kaufen würde. Mir gab Aaron Robinson hingegen vor, ihm hätte die Domain schon lange vorher gehört. Zum Beweis legte er einen Rechnungs-Screenshot von Godaddy vor, der offensichtlich gefälscht wurde.
Man kann bei genauem Hinsehen erkennen, dass die Typografie von
“KINDERMAEDCHEN.DE” nicht mit der der restlichen Email übereinstimmt. Auch befindet sich auf der E-Mail Werbung für eine Ipad-App, ein Ipad hat es 2008 nun einmal noch nicht gegeben. Ich stellte fest, dass die angebotene Domain kindermaedchen.de bei dem DENIC-Mitglied InterNetX lag. InterNetX ist aber nicht der Verwalter von Godaddy-Domains. Eine Nachfrage bei InterNetX Geschäftsführer Hakan Ali brachte die Bestätigung: Die Domain war seit Jahren bei einem Kunden bei InterNetX im Account und im Besitz – es war aber nicht Aaron Robinson. Umgehend wurde der Account des Kunden gesichert und der Kunde persönlich kontaktiert. Denn es hätte sein können, dass hier jemand z. B. durch Einbruch in einen E-Mail-Account an Login-Daten für InterNetX gekommen ist. Ein ähnlicher Fall war ja kurz zuvor bei Dr. Chris Hartnett öffentlich geworden. Da Aaron Robinson vorgab, Inhaber von Domainnamen so vieler unterschiedlicher Besitzer zu sein, lag der Verdacht auf systematisches Hacken nahe. Es hätte sein können, dass auch diese Domainnamen nur angeboten wurden, weil die Inhaber der E-Mail-Konten ebenfalls gehackt wurden.

Das Ändern von Inhaberdaten, wie es der ehemalige Besitzer von kindermaedchen.de als Gefallen gemacht hatte, ist nicht unproblematisch. Bei der DENIC kann man als .de-Domaininhaber eine sogenannte Authinfo 2 anfordern. Dies ist für die Fälle vorgesehen, in denen das Domainverwaltende DENIC-Mitglied nicht erreichbar ist oder sich schlicht weigert, eine Authinfo zu generieren. Gegen eine geringe Gebühr kann man über andere DENIC-Mitglieder direkt bei der DENIC den Authcode anfordern, welcher dann an die Adresse des Domaininhabers geschickt wird. Und ist die Domain erst einmal umgezogen, wird es schwer nachzuweisen, dass man selber tatsächlich der Inhaber ist. Man sollte niemals Inhaberdaten auf unbekannte Dritte ändern, wenn man seine Domain nicht verlieren will! Geben Sie die Kontrolle Ihrer Domainkonten niemals aus der Hand. Oder würden Sie Dritten Zugang zu Ihrem Bankkonto gewähren?

Es stellte sich übrigens heraus, dass Aaron Robinson seine Domains vorwiegend Personen angeboten hat, die aus veröffentlichten Verkäufen wie in den DNjournal.com Sales-Charts als solvente Käufer bekannt waren. Deswegen auch sein Bezug auf sale.de, eine Domain, die von uns 2008 gekauft wurde und mit Kaufpreis bei DNJournal zu finden ist. Aaron Robinson gab am Ende tatsächlich eine Liste mit potenziellen Kaufinteressenten an den echten Inhaber von kindermaedchen.de weiter – der dann die Domain für 1.785 Euro über einen SEDOTransfer verkaufen konnte.

Kindermädchen.de wurde im gleichen Zeitraum für 1.500 Euro verkauft. Der neue Inhaber hat nichts mit den Vorkommnissen zu tun. So ist die Geschichte – zumindest soweit dies hier bekannt ist – für Käufer und Verkäufer glimpflich ausgegangen.

Christoph Grüneberg

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Der Fall sex.com – Wie die teuerste Domain aller Zeiten gestohlen wurde

Geschrieben am 11 Oktober 2011 von von Domainvermarkter-Magazin

zuerst veröffentlicht im Domainvermarkter-Magazin 05

Die Domain sex.com wurde letztes Jahr offiziell als teuerste Domain aller Zeiten in das Guinness Buch der Rekorde aufgenommen. Die Firma SEDO hatte den Verkauf von sex.com am 17.11.2010 für 13 Mio. US-Dollar (ca. 9,5 Mio. Euro) erfolgreich vermittelt. Verkäufer war die Escom LLC, Käufer die Firma Clover Holdings Ltd.

Doch die Domain sex.com hat eine lange Vorgeschichte. Sex.com ist nicht nur die wertvollste Domain aller Zeiten, sondern auch Mittelpunkt des größten Domain-Diebstahls aller Zeiten. Und sex.com ist wohl die einzige Domain, der ein gesamtes Buch gewidmet wurde. Der Journalist Kieren McCarthy hat die Geschichte um sex.com aufgearbeitet (Quercus Verlag).

Es dauerte 12 Jahre, bis der ursprüngliche und rechtmäßige Eigentümer Gary Kremen seine gestohlene Domain zurückbekommen sollte. In diesen Jahren machte sein Gegenspieler, der Serienbetrüger Stephen Cohen, über 100 Mio. Dollar Profit mit der gestohlenen Domain. Als Gary Kremen nach langjährigen Prozessen die Domain endlich wiedererlangte und den Dieb hinter Gitter brachte, waren die ertragreichsten Zeiten der Domain schon wieder vorbei. Nur ein Bruchteil des finanziellen Schadens konnte tatsächlich ersetzt werden. Obwohl der Fall schnell hätte geklärt werden können, gelang es Stephen Cohen über ein Jahrzehnt, Gegner und Gerichte zum Narren zu halten.

Der Stanford-Absolvent Gary Kremen ist hochintelligent und hervorragend ausgebildet. Am 9. Mai 1994 reservierte er (als Erster) die Domain sex.com. Ebenso wurde er noch Inhaber von Domainnamen wie match.com, jobs.com, housing.com und autos.com. Wie konnte es dazu kommen, dass eineinhalb Jahre später ein Ex-Sträfling die Kontrolle über die wertvollsten Domains der Welt bekommen konnte? Durch die Gerichtsprozesse wurden alle Dokumente öffentlich, die dokumentieren, wie es zur Domainübertragung von sex.com kommen konnte.

Oft wurde berichtet, dass es ein einfacher gefälschter Brief war, der zur Übertragung der Domain führte. Mittlerweile steht aber fest, dass dieser gefälschte Brief erst Monate später angefertigt wurde. Tatsächlich bewies Cohen viel Raffinesse und Hartnäckigkeit, um sex.com zu stehlen. In den neunziger Jahren hatte die Firma Network Solutions Inc. (NSI) das Monopol über die Verwaltung der .com-Internetadressen. Und wie auch in anderen Fällen war die Schwachstelle nicht das Computernetzwerk der Registry, sondern die dort handelnden Personen. Stephen Cohen gelang es, durch „Social Engineering“ das System zu hacken. Cohen ist kein Computerfreak wie sein Opfer Kremen, dafür ist er ein Genie der Manipulation, der Ausreden, der Geschichten. Er ist ein geborener „Con-Man“ ein Betrüger, der Schwachstellen bei Personen blitzschnell erkennt und zu seinem Vorteil betrügerisch ausnutzt. Stephen Cohen versuchte auf verschiedenen Wegen, Kontrolle über sex.com zu erlangen. In verschiedenen Telefonaten lernte er dabei viel über das System, wie NSI funktioniert, und wer in der Organisation wofür zuständig war. Letztendlich sandte er ein Formular an NSI mit dem Wunsch, den alten Inhaber zu löschen und ihn als neuen Inhaber einzutragen. NSI sendete eine Bestätigungs-E-Mail an den Inhaber Gary Kremen, die dieser aber niemals erhielt. Der E-Mail-Account von Kremen war kurz zuvor von dem berüchtigten Hacker Kevin Mitnick übernommen worden. Auch rechnete Gary Kremen nicht damit, dass es wichtig wäre, auf seine E-Mails zu achten, damit seine Domain nicht verloren geht. Denn die Domain hatte er per Briefpost reserviert. Diese Umstände sorgten dafür, dass er nicht auf den Inhaberwechsel reagieren konnte und auch nicht von dem Versuch der Domainübernahme erfuhr. Cohen, der ebenfalls eine E-Mail von der NSI als neuer einzutragender Inhaber bekam, bestätigte hingegen seine Adressangaben und stimmte dem Transfer der Domain zu. Es war aber nicht allein die fehlende Antwort des Inhabers Kremen, die zur Übertragung der Domain sex.com durch NSI führte. Es bedurft e zudem der Überredungskunst eines Stephen Cohen. Über viele Domaintransaktionen hatte Cohen zuvor mit Mitarbeitern von NSI ein Vertrauensverhältnis aufgebaut; er war persönlich bekannt. Ebenso kam Cohen sicherlich der Umstand zugute, dass in den Anfangszeiten die Abläufe bei einer Domainregistrierung und Inhaberwechseln wenig bekannt waren. Gerade für Außenstehende waren die Prozeduren sehr undurchsichtig. So glaubte Gary Kremen z.B., dass man nur als Firma eine Domain reservieren könne, weshalb er eine nicht offi ziell bestehende Firma als Inhaber der Domain angab und sich selbst nur als Ansprechpartner. Ein folgenschwerer Fehler. Denn nach der ersten Ablehnung der Übertragung rief Cohen bei der NSI an, um mitzuteilen, dass Gary Kremen schon lange nicht mehr bei der als Domaininhaber eingetragenen Firma angestellt sei, sondern gefeuert wäre und deshalb auch die E-Mail-Adresse nicht funktionieren würde. Nicht funktionierende E-Mail-Adressen und gefeuerte Mitarbeiter sind alltägliche Probleme bei Domainregistrierungen. Auch heute kommt es noch vor, dass Domainnamen auf die private E-Mail-Adresse eines Angestellten reserviert werden, weil die Firma ja erst mit der Domain eigene E-Mail-Adressen erlangt … oder dass nach vielen Jahren einmal eingerichtete T-Online- oder AOL-Adressen längst aufgegeben wurden.

So drückte ein Angestellter der NSI ein Auge zu, weil er den Angaben des bekannten Kunden Stephen Cohen glaubte, und übertrug die Domain sex.com. Der Name des verantwortlichen Angestellten wurde nie bekannt. Es steht fest, das nur durch diesen Fehler von NSI die Übertragung der Domain ermöglicht wurde. Bis heute gibt es keine offizielle Stellungnahme von Network Solutions zu diesem Fall. Und es war das Verhalten von NSI, welches ermöglichte, dass Stephen Cohen so viele Jahre im Besitz der Domain bleiben konnte. Denn NSI hätte den Fehler umgehend rückgängig machen können. Man tat es aber nicht. Außer einer Mitteilung, man würde den Fall untersuchen, kam es zu keinerlei Reaktion gegenüber dem Opfer.

Vielleicht wäre die Geschichte anders verlaufen, wenn Gary Kremen zu dieser Zeit über genügend Kapital verfügt hätte, um Network Solutions Inc. umgehend zu verklagen. Er hatte aber nicht genügend Reserven, um einen Top-Anwalt zu engagieren. Und bis endlich der erste Gerichtstermin feststand, hatte sein Gegner schon über eine Millionen Dollar mit der Domain verdient und konnte mit diesen Einnahmen einen langen Gerichtsstreit locker finanzieren.

Christoph Grüneberg

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Gezielter Identitäts-Diebstahl – Wie Dr. Hartnett in die Fänge spezialisierter Domaindiebe geriet

Geschrieben am 10 Oktober 2011 von von Domainvermarkter-Magazin

zuerst veröffentlicht im Domainvermarkter-Magazin 05

Michael Berkens berichtete in seinem Blog TheDomains.com über folgenden Fall von gezieltem Identitäts-Diebstahl:
Dr. Christopher Hartnett ist ein bekannter amerikanischer Domainer und geschäftlich sehr erfahren. In den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts gründete er mit der Firma Global Link die erste weltweite Firma für Internet-Telefonie. Bevor er die Firma aus gesundheitlichen Gründen verkaufen musste, betrug der Umsatz im Jahr 1999 über eine halbe Milliarde Dollar. Im Jahr 2010 wurde Dr. Hartnett Opfer eines Identitätsdiebstahles bei NameJet. Und es war nicht das erste Mal, dass er Ziel einer solchen Attacke wurde.

Gefälschter NameJet-Bieter-Account
In Domainerkreisen wird sehr genau verfolgt, welche Domainnamen ersteigert werden und wer wirklich hinter den Bieternamen steckt. Am 30. September 2010 wurde Dr. Hartnett von drei unterschiedlichen Domainer-Kollegen informiert, dass Domains, die er angeblich unter einem Account „bidder9999“ ersteigert haben sollte, wegen Nichtbezahlung erneut auktioniert würden. Insgesamt ging es um Domainnamen im Wert von 15.000 $. Da Dr. Hartnett als wohlhabend und pünktlicher Zahler bekannt ist, war ein solcher Vorgang sofort auffällig.

Was war passiert?
Jemand hatte bei Namejet.com einen Account im Namen von Chris Hartnett eröffnet und dort als Nachweis eine Führerscheinkopie (zwar mit Dr. Hartnetts Adresse, aber einer anderen Person auf dem Foto) vorgelegt. Im Account wurde zudem eine gestohlene Kreditkartennummer als Zahlungsmittel hinterlegt. Einige Käufe wurden getätigt, so dass Dr. Hartnett nach dem Inhaberwechsel als Eigentümer der betreffenden Domainnamen erschien. Dritte mussten nun im Glauben sein, beim Bieternamen „bidder9999“ würde es sich um Dr. Hartnett handeln. Schnell überschritten die getätigten Auktionskäufe das Kreditkartenlimit. Zudem ist es bei NameJet üblich, ab 5.000 Dollar nur Banküberweisungen anzunehmen. Deshalb wurden die Domains als „unbezahlt“ erneut in die Auktion gestellt und dadurch erst gab es Nachfragen bei dem „echten“ Dr. Christopher Hartnett. Neben diesen erfolgreichen Auktionen bot der „falsche“ Dr. Hartnett aber noch bei zahlreichen anderen Auktionen mit, so dass dort die Preise in die Höhe getrieben wurden.

Der Keylogger-Erpressungsfall
Dies war nur einer von zahlreichen Identitätsbetrug-Vorfällen, die offensichtlich gezielt gegen den Multimillionär gerichtet waren. Im gleichen Zeitraum wurden auf seinem Computer Keylogger-Programme installiert, so dass jeder Buchstabe, den Dr. Hartnett eintippte, an unbekannte Dritte übertragen wurde. Mit diesen Informationen wurden seine fünf Email-Konten gehackt. So konnten dann u. a. Bestätigungs-Emails für Domaintransfers von seinen Providern abgefangen werden. Und damit es nicht auffiel, wurde die Mailumleitung immer nur für den Zeitraum des Transfers aktiviert. Dr. Hartnett ertappte die Hacker zufällig, während sie gerade auf die Umleitungsadresse umstellten. Mit welcher Sorte von Betrügern er es zu tun hatte, wurde ihm umgehend direkt per Email von den wütenden Hackern mitgeteilt: Man wisse alles über ihn („Wir wissen, wo Sie wohnen!“) und er solle drei seiner Premiumdomainnamen innerhalb von 24 Stunden an die Erpresser überschreiben. Insgesamt fand man auf dem Rechner von Dr. Hartnett drei unterschiedliche Keylogger-Spionage-Programme.

Domain-Account-Diebstahl
Als Dr. Hartnett geschäft lich in Vancouver weilte, gelang es ihm nicht mehr, sich in seinen Domainverwaltungs-Account einzuloggen. Der Sicherheitschef des Domainregistrars teilte ihm telefonisch mit, dass er nicht Dr. Hartnett sei, denn er habe schon mehrfach mit diesem telefoniert. Man kann sich vorstellen, wie geschockt Dr. Hartnett in seinem Hotelzimmer gesessen haben muss, als ihm diese Mitteilung gemacht wurde. Auch, so der Sicherheitsbeauft rage, habe er eine Kopie des Führerscheines in der Hand. „Wie alt soll ich denn auf diesem Ausweis sein?“, fragte Dr. Hartnett. „37“. „Ich bin 56, also bitte, googeln Sie meinen Namen im Internet und vergleichen Sie die Bilder mit dem Ihnen vorliegenden und den Dokumenten, die ich Ihnen gleich zusenden werde.“ Damit war die Lage zwar nicht endgültig geklärt, aber zur Sicherheit wurde der Account mit den 15.000 Domainnamen vorläufig gesperrt. Zu diesem Zeitpunkt waren über 380 der besten Domains schon zum Transfer vorbereitet und drei waren bereits verschwunden und weiterverkauft. Dreist beschimpfte der ertappte Hacker umgehend Dr. Hartnett in einer Email als „stupid asshole“.

Gefälschter Moniker-Auktions-Vertrag
Dr. Hartnett erhielt einen Anruf von Moniker/Snapnames, dass er eine Rechnung in Höhe von 35.000 Dollar nicht beglichen hätte. Dabei handelte es sich um die Vertragsstrafe für die Domain Prince.com, die Dr. Hartnett angeblich exklusiv in eine Moniker-Showcaseauktion gegeben habe, dann aber privat verkauft hätte. Dr. Chris Hartnett war nie im Besitz der Domain Prince.com. Auch hier wurde sein guter Name missbraucht. Alles deutet darauf hin, dass Dr. Hartnett Opfer eines gezielten Insider-Angriff es wurde. Das Installieren von Keyloggern, Fälschen von Ausweispapieren und Interaktion mit diversen Domain-Dienstleistern legen nahe, dass hier kein Zufalls-Opfer ausgesucht wurde.

Christoph Grüneberg

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Domainvermarkter-Magazin Nr. 5

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5. Ausgabe Domainvermarkter-Magazin im Versand

Geschrieben am 07 Mai 2011 von von Christoph Grueneberg

Wir haben nun die fünfte Ausgabe unseres

Domainvermarkter-Magazins

fertiggestellt. Die Ausgabe ist frisch gedruckt und wird in den nächsten Tagen in den Briefkästen ankommen.

Der aktuelle Verteiler beinhaltet über 1800 geprüfte Adressen. Weitere Exemplare werden auf diversen Veranstaltungen verteilt.

Wer noch nicht im Verteiler ist, hat die Möglichkeit unter

Domainvermarkter-Magazin

kostenlos (Versand nach Deutschland, Österreich und Schweiz) ein Exemplar anzufordern. Es wird aber einige Tage dauern, bis hier der Versand stattfindet.
(Wir behalten uns vor die Aktion jederzeit zu beenden oder einzuschränken.)

Der Umfang beträgt diesmal wieder insgesamt 48 Seiten.

 

Domainvermarkter-Magazin Nr. 5

 

Inhalt (Auszug):

  • Gezielter Identitäts-Diebstahl: Wie Dr. Hartnett in die Fänge spezialisierter Domaindiebe geriet
  • Der Fall auktion.de – Domainaccount nie Dritten überlassen
  • Der Fall sex.com – Wie die teuerste Domain aller Zeiten gestohlen wurde
  • Unaufgefordertes Domainangebot – Protokoll eines Betrugsversuches
  • Ist Ihr Domain-Login sicher vor Ausspähung?
  • Sicherheitstipps für Domaininhaber
  • Reverse Domain Hijacking
  • Auktionsankündigung
  • Fotos vom DVF 2010
  • Frank Schilling: Jeder hat etwas zu verkaufen
  • Sorgenfreier Domaintransfer – Darauf kommt es an
  • Entwicklung der Domain-Namen Im vierten Quartal 2010
  • .cn: Aufstieg und Fall einer Top-Level-Domain
  • SEO in a Nutshell Die Basics der Suchmaschinenoptimierung: Teil II – Onpage Optimierung
  • Termine/Kleinanzeigen
  • Domainpreisspiegel

Wir freuen uns natürlich wieder über Reaktionen auf unsere aktuelle Ausgabe.

Wir möchten darauf hinweisen, dass wir ohne die Unterstützung durch unsere Anzeigenkunden nicht in der Lage sind ein solches Magazin zu finanzieren, da wir uns auch dieses Mal entschlossen haben den größten Teil der Ausgabe kostenlos zu versenden um möglichst viele Interessierte zu erreichen.

Die einzelnen Artikel der des Magazines werden wir in den nächsten Wochen schrittweise auf dvmag.de veröffentlichen

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