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Fallstudie .tk: Geschäftsmodell kostenlose Domains

Geschrieben am 21 August 2012 von von Domainvermarkter-Magazin

zuerst veröffentlicht im Domainvermarkter-Magazin 07

Mit einer Million Neuregistrierungen pro Monat ist die länderspezifische Top-Level-Domain (ccTLD) .tk die am schnellsten wachsende Domainendung. Mitte April 2012 waren bereits 8,5 Millionen .tk-Domains registriert; damit ist die Länderkennung die drittgrößte TLD hinter .de und .com. Bleibt die Rate an Neuregistrierungen so hoch wie in den letzten Monaten, wird .tk die Top-Level-Domain .uk mit aktuell 10 Millionen registrierten Domains als zweitgrößte ccTLD in weniger als drei Monaten überholen. Ebenfalls wäre es möglich, dass .tk sogar demnächst die mit 15 Millionen registrierten Domains erfolgreichste ccTLd .de auf den zweiten Platz verweist. Wie kommt es zu einem derart rasanten Anstieg an Registrierungen einer Länder-Domain, die erst seit kurzem in den Domain Name Industry Briefs des Registrars Verisign Erwähnung findet? Durch ein Geschäftsmodell, das im Internet immer weitere Verbreitung findet: “free”.

.tk ist die ccTLD des kleinen Inselstaates Tokelau. Ähnlich wie Tonga (.to) oder Tuvalu (.tv) vermarktet der im Südpazifik gelegene Inselstaat seine Domains weltweit. Bei gerade einmal 1.500 Einwohnern gibt es für den Bedarf an .tk Domains auch nur wenig Potential in der eigenen Bevölkerung. Die Betreiberfirma Dot TK mit Sitz in London (UK) ist ein Beteiligungsunternehmen der Regierung von Tokelau, deren Kommunikationsfirma Teletok und der Privatfirma BV Dot TK. Die Regierung von Tokelau hat BV Dot TK das Exklusivrecht auf die Registrierungsverwaltung verliehen.

Das Geheimnis der ungewöhnlich hohen Anzahl an monatlichen Domain-Registrierungen dürfte in der kostenlosen Bereitstellung einer .tk- Domain für jedermann liegen. Interessenten können für einen Zeitraum von einem bis zu zwölf Monaten ohne Kosten eine Domain mit .tk-Endung registrieren, wenn sie sich an bestimmte Bedingungen halten. So darf eine Domain nicht für Domainparking benutzt werden und muss eine aktive Webseite beherbergen oder darauf weiterleiten. Pornografische und Gambling-Inhalte sind verboten und führen zu einer Deaktivierung der entsprechenden Domain, ebenso die Verbreitung von Spam, Malware und Viren über die registrierte Webseite. Laut einer Pressemitteilung von Dezember 2011 zielen diese Maßnahmen darauf ab, die ccTLD von Tokelau noch im Laufe dieses Jahres zu einer der sichersten Domainendungen überhaupt zu machen.

Läuft die Domain nach einem Jahr aus oder wird sie wegen Verstößen gegen die Auflagen gesperrt, fällt sie wieder an Dot TK zurück – es sei denn, der Registrant verlängert die Domain kostenpflichtig. Für die Registrierung einer .tk-Domain mit nur einem Buchstaben oder einer Nummer ist generell eine jährliche Gebühr von 2.500 $ fällig. Den meisten Umsatz macht Dot TK allerdings mit Domainparking – also genau der Methode, welche die Registry ihren Kunden strikt verbietet. Fällt eine Domain aus den oben erwähnten Gründen wieder an Dot TK zurück, wird so lange Werbung auf den entsprechenden Seiten geschaltet, bis sich ein neuer Interessent findet. Offenbar sehr erfolgreich: Einem Bericht von Michael Berkens (TheDomains.com) zufolge handelt es sich bei der .tk- Registry mittlerweile um die zweitgrößte Einnahmequelle von Tokelau. Etwa 45 Millionen Domains, die täglich 5 Millionen Besucher generieren, befinden sich im Besitz von Dot TK. Das Geschäftsmodell des Registrars ist simpel, aber effektiv: Wer eine .tk- Domain registriert, kommt zwar in den Genuss einer kostenlosen Domain, muss aber spätestens nach einem Jahr dafür zahlen, um sie weiter nutzen zu können. Zudem bietet nur der kostenpflichtige Premiumstatus Vorteile wie die Anzeige der Whois-Informationen und macht den Domainhalter auch zum Besitzer. In der Zeit, in der sich keine neuen Registranten finden, profitieren die von Dot TK geparkten Webseiten von bereits vorhandenem Traffic.

Über ein ähnliches Modell könnten sich in Zukunft auch Besitzer von neuen TLDs Gedanken machen. Sollten nicht genügend Domains unter der neuen TLDs verkauft werden, könnte man auf das .tk Modell der kostenlosen Registrierung einer eigenen Domain umsteigen.

Von Christian Gräff

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Steigende .com-Gebühren: Mehr Preisdruck durch neue TLDs?

Geschrieben am 16 August 2012 von von Domainvermarkter-Magazin

zuerst veröffentlicht im Domainvermarkter-Magazin 07

Ende März veröffentlichte ICANN einen Entwurf für die Verlängerung des Vertrags mit Verisign über den Betrieb der Top-Level-Domain .COM. Wie der derzeit gültige Vertrag sieht der Entwurf vor, dass die Registrierungsstelle die Gebühren, die sie den Registraren in Rechnung stellt, innerhalb eines Zeitraums von 6 Jahren bis zu vier Mal erhöhen darf. Die Preise können dabei jedes Mal um bis zu 7 Prozent steigen.

Da die Preisgestaltung zwischen Verisign und dem US-Handels- sowie dem US-Wirtschaftsministerium ausgehandelt wurde, sind diese und andere Bestimmungen des Vertrags nicht Gegenstand des verlängerten Vertrags zwischen ICANN und Verisign. Vielmehr betont ICANN, dass „If the .com pricing provisions were to be changed to be similar to the other large gTLDs then that would most likely allow Verisign to raise prices by 10% per year in each of the six years of the agreement, as in the .biz, .info, .net, and .org agreements.“ Neustar, die Registrierungsstelle für .BIZ-Domains, hat von diesem Recht bereits Gebrauch gemacht und zum 1. Februar 2012 die Registrierungspreise um 7,5 Prozent auf 7,85 US-Dollar angehoben.

Status quo
7,85 US-Dollar verlangt derzeit auch Verisign für eine .COM-Domain. Nimmt das Unternehmen sein Recht wahr, die Preise in Übereinstimmung mit dem Vertrag vier Mal zu erhöhen, müssen Registrare bereits 2016, spätestens jedoch 2018, über 10 US-Dollar pro Domain bezahlen.
„Das Steigen der Preise ist nicht schön: übertrieben tiefe und dann stetig steigende Preise sind eine Form von absichtlicher Täuschung der Kunden. Aber für eine nicht-spekulative Nutzung von Domains sind die Preiserhöhungen absolut unwichtig“, sagt Werner Straub, Vorstandsmitglied von CORE Internet Council of Registrars.

Zusätzlich zu den turnusmäßigen Erhöhungen kann Verisign die Preise ebenfalls dann anheben, wenn dem Unternehmen Kosten aufgrund von Investitionen in die technische Infrastruktur entstehen. Die Ergänzung des Vertrags betreffen beispielsweise technische Aspekte wie die Verpflichtung der Registry, künftig auch IPv6- Adressen, DNSSEC oder Internationalized Domain Names zu unterstützen.

Ausblick
Einige Branchenexperten gehen davon aus, dass die Einführung neuer Top- Level-Domains die etablierten Registrybetreiber unter stärkeren Rechtfertigungsdruck setzt. Wenn neue allgemein verfügbare TLD-Domains den Registraren für deutlich geringere Gebühren angeboten werden, stellt sich die Frage, warum diese bei den bestehenden TLDs so hoch sind.

Andererseits könnten sich die Anbieter der neuen TLDs an der Preisgestaltung der etablierten TLDs orientieren. Hierbei könnten sie bei ICANN offene Türen einrennen. Denn die Organisation weist bereits anlässlich der Verlängerung mit Verisign darauf hin, dass für neue TLDs oder Community-TLDs wie .asia, .cat, .jobs, .mobi, .post, .pro, .tel, .travel oder .xxx keine Kontrolle der Registrierungspreise in den Betreiberverträgen enthalten sind.

„Die neuen Registries stehen unter einem gewaltigen Druck, die aufgewendeten finanziellen Mittel für die Bewerbung und für Investoren wieder einzuspielen“, sagt Andreas Schreiner, Geschäftsführer der InterNetWire Communications GmbH. „Daher ist zumindest in den nächsten zwei bis drei Jahren mit vergleichbaren Domainpreisen wie bei .COM und .NET zu rechnen. Ein Preisdumping wird es vorerst nicht geben.“

Werner Straub ergänzt: „Ich glaube, dass die meisten neuen TLDs deutlich höhere Preise verlangen werden, im Durchschnitt mitunter bis zum 10-fachen Preis einer .com-Domain, und dass sie im Endeffekt trotzdem billiger und nützlicher sein werden.“ Denn, so Straub, sorgten vergleichsweise hohe Registrierungskosten eher dafür, dass die Domains nicht in erster Linie aus spekulativen Gründen registriert würden, sondern für die Nutzung durch die „normalen Domaininhaber“.

Von Matthias Maier, info@textstudio.info

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Google: Keine Ranking-Vorteile für neue TLDs

Geschrieben am 15 August 2012 von von Domainvermarkter-Magazin

zuerst veröffentlicht im Domainvermarkter-Magazin 07

Eine gute Domain alleine nützt wenig, wenn man nicht gleichzeitig auch weit oben in den Ergebnissen von Suchmaschinen zu finden ist. Und so wundert es nicht, dass im Kampf um Interessenten für die neuen TLDs auch mit dem Versprechen einer automatisch hohen Suchmaschinenplatzierung geworben wird.

So erklärte Adrian Kinderis, CEO von ARI Registry Services, dass Google automatisch Webseiten mit neuen Domainendungen gegenüber äquivalenten .com Domains favorisieren würde: “Will a new TLD web address automatically be favoured by Google over a .com equivalent?Quite simply, yes it will.” Wenig überraschend: ARI Registry Services begleitet Firmen bei der aktuellen Vergabe von neuen TLDs.

Auch die dotversicherung-registry GmbH, die sich „stellvertretend für alle versicherungsaffinen Unternehmen um die Einführung der TLD .versicherung bewerben“ möchte, erklärt in einem Beitrag auf ihrer offiziellen Homepage: „Die Top-Level-Domain .versicherung teilt nicht nur Verbrauchern, sondern auch Suchmaschinen ganz automatisch Ihre Branchenzugehörigkeit mit.“ Darauf basierend geht dotversicherung-registry davon aus, „dass die neuen TLDs, zu denen .versicherung gehört, von den Suchmaschinen entsprechend positiv eingestuft werden und ihren Inhabern damit einen langfristigen und strategischen Wettbewerbsvorteil bei der Neukundengewinnung bieten.“

Die angeblich bessere Platzierung der neuen TLDs in Suchmaschinen wird auch von der dotreise GmbH, die sich für die Schaffung und Etablierung der Top-Level-Domain .reise” einsetzt, in den Vordergrund gerückt. So informiert Geschäftsführer Axel Schwiersch potentielle Interessenten: „Reise” gehöre zu den am häufigsten gesuchten Begriffen im Netz, „durch die Übereinstimmung von Suchbegriff und Top-Level-Bereich der Domain erkennen Suchmaschinen automatisch die hohe Relevanz der Domain“, und: „.reise-Domains sind daher ideal geeignet, wenn eine Top-Platzierung in Suchmaschinen angestrebt wird.“

Was ist wirklich dran? – Google nimmt Stellung
Leider bleibt im Faktencheck nicht viel von diesen vollmundigen Werbeaussagen übrig. Suchmaschinentechnisch scheinen Domains unter zukünftigen TLDs sogar eher von Nachteil zu sein. So hat Matt Cutts, der bekannte SEO-Spezialist bei Google, den Aussagen, dass neue Top-Level-Domains von der Suchmaschine im Ranking bevorzugt behandelt würden, widersprochen:

„Das ist einfach nicht wahr, und als Techniker im Google Search Quality Team muss ich dieses Missverständnis widerlegen. Google hat eine Menge Erfahrung darin, relevante Webseiten zu platzieren, unabhängig von ihrer Top-Level-Domain. Google wird versuchen, neue TLDs angemessen einzustufen, doch erwarten Sie nicht, dass eine neue TLD irgendeine anfängliche Bevorzugung gegenüber .com erfahren wird, und ich würde auch nicht darauf wetten, dass das langfristig passieren wird. Wenn Sie eine komplett neue TLD aus anderen Gründen registrieren lassen möchten, ist das Ihre Entscheidung, doch sollten Sie eine neue TLD nicht in dem Irrglauben registrieren, dass Sie in den Suchmaschinen-Rankings auf irgendeine Art einen Schub erfahren werden.“

Und wenige Tage später legte Matt Cutts in einer Videobotschaft zum Thema sogar noch einmal nach.
In seinem Video gab er die Antwort auf die Frage „Wie wird Google neue TLDs , bei denen z.B. für Unternehmen jede beliebige Top-Level-Domain wie www.portfolio.myCompanyName möglich ist, bezüglich des Einflusses auf Platzierung und Pagerank behandeln?“. Gerichtet hatte die Frage der User RobertvH aus München an die Google Webmaster Zentrale gerichtet.

Weiterhin nur das [mutmaßlich] Beste für den User 
Cutts`Antwort:

„Wir hatten bereits Hunderte verschiedene TLDs, und wir machen einen guten Job damit, sie [bei Google] zu indexieren. Wir möchten die besten Suchergebnisse wiedergeben. Und wenn sich das beste Ergebnis auf einer speziellen TLD befindet, dann ist es logisch, zu erwarten, dass wir es ermöglichen, das unserer Meinung nach beste Ergebnis zu zeigen. Wenn Sie also „Transformers 9“ drehen und die Domain transformers9.movie oder eine ähnliche kaufen möchten, ist es realistisch zu erwarten, dass Google versuchen wird, die Resultate dazu zu finden, zu crawlen und sie dann als Ergebnisse den Usern zu zeigen.
Es wird eine Übergangsphase geben, in der wir lernen und herausfinden müssen, welche die validen Top-Level-Domains und welche die [Second-Level-] Domains auf dieser Domain sind. Wir werden das noch untersuchen müssen. Doch es ist definitiv der Fall, dass wir schon immer die besten Resultate an die User zurückgeben wollten, und genau das versuchen wir – egal, ob es sich um eine.com, eine .de oder .whatever handelt.“

Wir halten fest: Domainnamen unter neuen TLDs werden wohl nur mit Verzögerung von Suchmaschinen wie Google in die Suchergebnisse aufgenommen und dann auch nicht bevorzugt.

Von Pascal Lacaille

 

Besuchen Sie auch unser Special zu den New gTLDs

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Live-Domain-Auktion: So geht ́s

Geschrieben am 27 Juli 2012 von von Domainvermarkter-Magazin

zuerst veröffentlicht im Domainvermarkter-Magazin 07

Seit dem ersten DomainvermarkterForum 2006 in Düsseldorf ist eine Liveauktion von Domainnamen fester Bestandteil des Programms und krönender Abschluss der Veranstaltung. So wurden mittlerweile auf sieben DomainvermarkterForen Domains live versteigert. Auch für unsere achte Veranstaltung am 6./7. September 2012 in Düsseldorf ist wieder eine Auktion vorgesehen. Die bisherigen Auktionen wurden immer von intensiven Diskussionen begleitet. Dabei hat man es als Veranstalter nicht leicht, es irgendjemandem recht zu machen: Die Anbieter der Auktionsware möchten aus gutem Grund möglichst Höchstpreise für ihre Domainnamen erzielen, die Bieter hingegen suchen nach Schnäppchen. Es liegt auf der Hand, dass es systembedingte Konflikte zwischen diesen beiden Zielsetzungen gibt. So ist es kein Wunder, dass in diversen Foren zu jeder Versteigerung die gleichen Kommentare zu lesen sind: Während die einen meinen, die Domainnamen wären viel zu billig verkauft worden (“…es war ein Massaker”, “…wieder einmal Einkäuferpreise…”), regen sich gleichzeitig andere über die viel zu teuren Domains im Angebot auf. Da ist es schon fast verwunderlich, dass wie von Geisterhand dennoch immer wieder sowohl Käufer als auch Verkäufer zufrieden gestellt werden.

Es ist eben etwas anderes, ob man eine Auktion aus der Beobachterperspektive beurteilt oder selbst Teilnehmer des Geschehens ist. Wie so oft ist es besonders leicht, Kritik zu äußern, ohne als Käufer oder Verkäufer beim Ereignis dabei gewesen zu sein. Und sich in die Rolle des Auktionsorganisators zu versetzen, fällt vielen umso schwerer, da nur die wenigsten bisher jemals eine eigene Auktion organisiert haben.

Wie sehen nun die Überlegungen der an der Auktion beteiligten Gruppen aus?

Veranstaltersicht
Der Veranstalter muss sich überlegen, welche Rolle eine Liveauktion im Konferenzrahmen spielen soll. Im Gegensatz zu vielen Auktionen etwa bei Christie‘s oder Sotheby‘s ist klar, dass bei einem virtuellen Gut wie Domainnamen eigentlich keine Notwendigkeit einer echten Liveauktion besteht. Es gibt keine „Güter“, die man physisch besichtigen kann. Es gibt auch keine bisher unbekannten, neu entdeckten Schätze, die Besucher zu einer Auktion locken könnten. Insofern macht es Sinn, dass Domain-Liveauktionen meist in einen Konferenzablauf eingebunden werden. Dies garantiert – je nach Attraktivität der Konferenz – die Anwesenheit eines ausreichend solventen und informierten Publikums, das mitbieten kann. Umgekehrt ist die Auktion für den Veranstalter auch ein gutes Marketinginstrument für die eigentliche Konferenz. Schon im Vorfeld melden viele Domainbesitzer ihre Domainnamen an. Dadurch entwickelt sich im optimalen Fall eine rege Diskussion über die angebotenen Domainnamen. Die glücklichen Domainer, die es mit einer oder mehreren Domains durch die strenge Auswahlprozedur in die Liveauktion geschafft haben, versuchen natürlich ihrerseits für die Auktion und damit für die Veranstaltung zu werben, um einen möglichst hohen Verkaufspreis für den oder die eigenen Domainnamen zu bekommen.

Die eigentliche Liveauktion ist dann – neben allen wirtschaftliche Aspekten – immer ein Stück Entertainment. Nach vielen Vorträgen und zahlreichen Meetings und Greetings ist die Liveauktion eine willkommene Abwechslung im Konferenzalltag. Deshalb muss sie vor allem spannend sein, damit sich sich die Teilnehmer nicht langweilen. Gleichzeitig müssen natürlich möglichst attraktive Domainnamen, sogenannte Schaufensterdomains, angeboten werden. Je höher der Mindestpreis einer Domain ist, umso schwieriger ist es aber, in einer Liveauktion dafür einen Käufer zu finden.

Ist der Veranstalter nicht gleichzeitig auch derjenige, der die Liveauktion führt, kann es durchaus zu Zielkonflikten kommen. Denn die Interessen können hier sehr unterschiedlich sein. Führt jemand, der gleichzeitig sein Hauptgeschäftsfeld im Brokern von Domainnamen hat, eine Liveauktion durch, so ist dieser nicht unbedingt an einer hohen Erfolgsquote der eigentlichen Liveauktion interessiert. Dies führte bei einigen Auktionen dazu, dass hier nur Verkaufsquoten von ca. 20% erzielt wurden, leider mit ebenfalls oft geringen Umsätzen. Auch die anschließende Silent-Auktion (Onlineauktion der restlichen Domains) war in diesen Fällen nicht unbedingt erfolgreicher. Man darf hier aber nicht den Erfolg alleine an der Live- und Onlineauktion bemessen. Klar ist, dass schlecht verlaufende Liveauktionen schlecht für das Livepublikum und den Konferenzveranstalter sind. Betrachtet man aber den Gesamtverlauf aus Sicht eines Brokers, stellt sich das Ergebnis anders dar. In einer von Brokern bestimmten Auktion sind Domainnamen zum Teil schon verkauft, bevor die eigentliche Auktion startet. Die Auktion erzeugt Aufmerksamkeit, aber gerade bei hochpreisigen Domains möchte der Käufer oft weder bekannt werden noch den Kaufpreis veröffentlicht sehen. Wenn also ein Domainkauf nicht bekannt werden soll, aber die Bereitschaft besteht, den verlangten Angebotspreis zu bezahlen, beseitigt man durch einen Vorabverkauf Unsicherheiten beim Verkäufer und Käufer. Wenn Domainer in Liveauktionen auf den viel beschworenen Endkunden warten, so ist dies ein Warten auf Godot. Denn gerade Branchenfremde sind nicht bereit, auf einer Auktion mitzubieten. Da sie zu wenig Erfahrung mit solchen Auktionen haben, besteht neben vielen anderen Unsicherheiten oft auch die Sorge, während der Auktion betrogen zu werden. Wenn es um sechs- bis siebenstellige Beträge geht, wird bei Einigkeit die Domain aus der Auktion genommen und alle Beteiligten sind zufrieden – sofern auch der Veranstalter seine Provision erhält. So kaufte die Firma Costumes Galore Inc. Tshirts.com zusammen mit vier weiteren dazu- gehörigen Domainnamen im August 2010 bereits vor Beginn der Liveauktion im Rahmen des Domainfestes New York für 1,265 Mio US-$ über den Auktionsanbieter Moniker.

Realitätscheck Liveauktion
Grundsätzlich ist eine Liveauktion ein guter Anlass für Broker, Domains unter Vertrag zu bekommen, die normalerweise nicht zum Verkauf stehen. Viele der auf Liveauktionen angebotenen Domainnamen sind seit langer Zeit zum ersten Mal wieder auf dem Markt. Gerade Domainnamen, die nicht in der Hand von Domain-Profis sind, stehen nicht unbedingt immer permanent in den einschlägigen Handelsbörsen zum Verkauf. Sofern es sich um echte Premiumdomainnamen handelt, ist es interessant, solche Domainnamen überhaupt als Domainmakler unter Vertrag zu bekommen. Die Inhaber der Domainnamen sind aber aus guten Gründen nicht bereit, sich auf eine Wertbestimmung der Makler zu verlassen. Deshalb suchen sie die Gewissheit für einen fairen Marktpreis gerne in einer Liveauktion, besonders dann, wenn die Preisvorstellungen des Verkäufers wesentlich höher sind als Schätzungen der Makler, die wie bei Immobilien in erster Linie nicht daran interessiert sind, den höchstmöglichen Preis zu erzielen, sondern einen möglichst schnellen Verkauf zu organisieren. Wird also die Domain nicht in der Liveauktion verkauft, weil etwa der Mindestpreis zu hoch ist, ist dies nicht unbedingt ein Problem. Die Auktion ist hier nur Mittel zum Zweck. Denn wenn die Domain bei einer Liveauktion mit den führenden Domainexperten und ggf. bei einer Online-Nachauktion keinen Käufer findet, so ist für den Verkäufer klar, dass er seinen Mindestpreis eindeutig zu hoch angesetzt hat. Er ist also nun wahrscheinlich eher bereit, von seinem offensichtlich nicht marktgerechten Preis abzurücken.

Ein aktuelles Beispiel ist der Verkauf von Jackpot.com. Die Domain wurde im Rahmen der Liveauktion Domainfest Global Santa Monica Kalifornien im Februar 2012 mit einem Mindestpreis zwischen 750.000 -1.000.000 US-$ angeboten. Nach drei Monaten konnte Moniker den Verkauf der Domain für 500.000 US-$ bekanntgeben. Daneben soll es weitere Verkäufe nach der Auktion gegeben haben, die aber nicht veröffentlicht werden dürfen.

In einer Auktion mit verdeckten Mindestpreisen kann man ausloten, welchen Preis Bieter bereit sind zu bezahlen. Gleichzeitig lässt sich meist – gerade bei verdecktem Mindestpreis – während oder nach einer Auktion der eine oder andere Kaufinteressent identifizieren, so dass es zu einem schnellen Verkaufsabschluss kommen kann.

Top-Verkäufe der Auktion auf dem DVF 2011

Die Domainauswahl
Bevor aber die Auktion losgeht, muss erst das Inventar bestimmt werden. Für das letzte DomainvermarkterForum 2011 in Hamburg wurden nicht weniger als 1.600 Domainnamen von über 100 unterschiedlichen Anbietern eingereicht. Während bei einer Onlineauktion theoretisch unendlich viele Domains versteigert werden können, ist die Anzahl in einer Liveauktion aus zeitlichen Gründen beschränkt. Für das DomainvermarkterForum gab es immer die Zielsetzung, in der Liveauktion eine möglichst hohe Erfolgsquote, also einen hohen Prozentsatz an verkauften Domains, zu erreichen. Das Publikum soll unterhalten werden. Im Saal muss sich eine Spannung aufbauen, damit die Teilnehmer vom Auktionsfieber gepackt werden. Tödlich sind lange Leerlaufzeiten, wenn sehr viele Posten hintereinander keinen Käufer finden. Ebenso wichtig ist es, dass eine echte Versteigerung in Gang kommt. Eine hohe Erfolgsquote könnte ja auch nur dadurch erzielt werden, dass viele Domains von nur ein oder zwei Bietern gekauft werden. Der Reiz einer Auktion liegt aber in Bietgefechten mit mehreren Teilnehmern. Es gibt verschiedene bekannte Verhaltensmuster, die sich nur in Auktionen entwickeln können. Bieter gehen über ihr vorher gesetztes Limit hinaus, weil sie einfach nicht gerne gegen andere Bieter verlieren. Persönliche Animositäten können ebenso eine Rolle spielen, wenn der eine Bieter dem anderen einfach eine bestimmte Domain nicht gönnt. Und wenn jemand weiß, welches Budget ein Mitbieter für eine bestimmte Domain hat, kann er sich den Spaß machen, diesen bis an dessen Limit hochzubieten. Hochbieten ist übrigens im Rahmen einer Auktion durchaus legal und normal, so lange man nicht selber der Inhaber des Versteigerungsgegenstandes ist oder vom Inhaber dazu beauftragt wurde, den Preis hochzutreiben.

Bei der Vorauswahl der Domainnamen sind folgende Kriterien wichtig:

  • Es werden „Showcase“-Domains gebraucht, die beim Publikum Spannung erzeugen und durch ihre Qualität Aufmerksamkeit in der Branche oder sogar in den Medien erzeugt.
  • Die Domains müssen auf der Auktion verkäuflich sein. Zu viele Showcase-Domains, die dann keinen Käufer finden, sind schädlich.
  • Die Domains müssen ein Bietgefecht auslösen können, d.h. man benötigt Domains, die ohne Mindestpreis oder weit unter dem Schätzpreis aufgerufen werden.
  • Es müssen Domains ausgewählt werden, die das Publikum interessieren: Je besser man das Publikum kennt, umso eher kann man gezielt einzelne Domains auswählen.
  • Man darf die Domains nicht auswählen, um dem Domaininhaber einen Gefallen zu tun. Jede Domain, die man trotz fehlender Überzeugung aufnimmt, gefährdet den Erfolg der Auktion. Deshalb ist es auch nicht möglich, jedem Teilnehmer einen Auktionsplatz zu garantieren. Bei 150 Teilnehmern des Domainvermarkter-Forums wären so schon alle Auktionsslots vorher belegt. Außerdem wäre es aberwitzig, wenn in einer Liveauktion nur Domains unter den Teilnehmern gehandelt würden.
  • Bei der letzten TRAFFIC-Konferenz wurden vom Veranstalter Rick Schwartz einzelne Auktionsslots verkauft, d.h. man konnte sich Plätze gegen eine Gebühr einkaufen, wobei die Gebühr ggf. später auf die Auktionsprovision angerechnet werden sollte. Dies ist problematisch, weil so Domains in die Auktion kommen, die bei einer Auswahl nach objektiven Kriterien nicht aufgenommen würden. Die Zeit in einer Liveauktion ist knapp, mehr als vier Stunden sind keinem Publikum zumutbar. Dies begrenzt die Anzahl der Domains auf ein Limit von maximal 150 Posten.

Nutzen für den Käufer
Die Domainnamen, die für eine Liveauktion ausgesucht werden, werden streng vom Veranstalter gefiltert. So schafften es bei der letzten Auktion beim Domainvermarkter-Forum 2011 in Hamburg weniger als 10% der eingereichten Domainnamen in die Auktion. Hier zeigt sich ein wesentlicher Nutzen für die Käufer: Sie bekommen in der Auktion eine Vorauswahl und müssen sich nicht durch Hunderte schlechte Domainangebote wühlen. Durch vorgegebene Preisspannen und Auktionen ohne Mindestpreis kann der Domaininvestor sofort erkennen, ob es sich für ihn lohnt mitzubieten. Ein weiterer Vorteil einer Liveauktion ist, dass sich die Domaininvestoren in Ruhe auf die Veranstaltung vorbereiten können, da sie sicher sein können, dass diese Domainnamen genau zu einem bestimmten Zeitpunkt angeboten werden. Geschickte Domainhändler können so z.B. Endkunden kontaktieren, um für diese auf der Auktion mitzubieten oder schon vorab Kaufverträge zu vereinbaren.

Mitbieten oder nachverhandeln?
Ein immer wieder zu beobachtendes Phänomen während der Liveauktion ist eine bewusste Bietzurückhaltung. Mehrfach konnte beobachtet werden, dass gerade bei hochpreisigen Domains (mit Mindestpreis) die Bieter abwarten, ob überhaupt ein Gebot im Saal abgegeben wird. Die Überlegung der potentiellen Bieter ist hierbei wohl, dass man durch sein eigenes erstes Gebot keine schlafenden Hunde wecken und einem Bietgefecht aus dem Weg gehen möchte. Gibt es keine Gebote, wird nicht selten unmittelbar nach der Auktion der Domaininhaber oder der Auktionsveranstalter kontaktiert. Auch bei einer oft praktizierten Restverwertung in einer Onlineauktion wird entsprechend bis zur letzten Minute gewartet, bis das erste Gebot abgegeben wird. Die Taktik ist allen erfahrenen Ebay-Bietern bekannt: Man gibt erst im letztmöglichen Moment sein persönliches Höchstgebot ab, um so potentiellen Mitbietern keine Gelegenheit zu geben, gründlich über ein höheres Gebot nachzudenken.

Diese Taktik der Abwartenden geht bei Domain-Liveauktionen aber nicht immer auf: Gibt es keine echte Auktion mehr, kann nur noch direkt verhandelt werden. Hier kann man sich auch sehr schnell verzocken: Wenn man im Glauben, man sei der einzige Interessent für eine Domain, versucht, die Domain mit einem günstigeren Gebot beim Inhaber oder Auktionsveranstalter direkt zu kaufen, kann man auch leer ausgehen. Nachverhandlungen sind prinzipiell ein übliches und nützliches Instrument, ist doch fehlendes Interesse während der Auktion ein Signal für den Verkäufer, dass der Mindestpreis möglicherweise zu hoch angesetzt war. Nach dem Domainvermarkter-Forum 2011 gab es einige erfolgreiche Nachverhandlungen, die am Ende rund ein Drittel des gesamten Ergebnisses ausmachten. Es kann aber auch lange Gesichter geben, nämlich dann, wenn vom Anbieter das Gebot nicht akzeptiert wird. So kann die Domain z.B. zurückgezogen oder nur noch zu einem höheren Preis angeboten werden. Genau dies war bei der ersten Liveauktion 2006 beim DomainvermarkterForum in Düsseldorf der Fall, als die Domain sangria.de für 500 Euro angeboten wurde. Mehrere potentielle Käufer saßen im Saal, ohne jedoch ein Gebot abzugeben. Alle belauerten sich und waren bemüht, möglichst Desinteresse zu zeigen. Jeder gab sich der Täuschung hin, nachher als einziger Bieter die Domain in Ruhe kaufen zu können – und alle hatten Pech: Zum Preis von 500 Euro war sangria.de nicht mehr zu haben. Nach der Auktion 2011 gab es ebenfalls noch Nachgebote und zumindest eine herbe Enttäuschung, als ein zu niedrig angesetztes Nachgebot überboten wurde und der Ansprechpartner des verlierenden Bieters nicht auf eine Nachfrage reagierte. Das Kaufkonsortium aus drei Personen war dann ziemlich überrascht, die Domain eben nicht bekommen zu haben. Außerhalb der Liveauktion sind die Spielregeln eben weniger berechenbar als in der Liveauktion selber.

Eine Übersicht aller Top-Verkäufe im Rahmen der bisherigen DVForum-Liveauktionen findet sich hier.

Bei jeder Liveauktion kommt es zu neuen Überraschungen. Die Teilnehmer lernen und überlegen sich neue Strategien, wie sie selbst am besten erfolgreich bieten können. Durch ein wechselndes Bieterpublikum bleibt jede Auktion spannend. Es geht um echtes Geld und echtes Geschäft. Dennoch ist der Unterhaltungsfaktor einer jeden Auktion hoch. Auch für das DomainvermarkterForum 2012 in Düsseldorf am 06./07. September ist wieder eine Liveauktion vorgesehen (siehe hierzu die Veranstaltungsinformation unten).

Von Christoph Grüneberg

Veranstaltungsinformation

DomainvermarkterForum Live-Auktion

Das 8. deutsche DomainvermarkterForum endet am 7. September mit einer Domainnamen Live-Auktion.

 

Weitere Informationen: www.DomainvermarkterForum.de/auktion

Es können keine Domains mehr angemeldet werden!

Alle zur Versteigerung stehenden Domainnamen werden im nächsten Domainvermarkter-Magazin und spätestens ab dem 10.08.2012 unter www.domainvermarkterForum.de bekannt gegeben.

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Prüfpflichten und Haftung des Admin-C – Zur Entscheidung des BGH

Geschrieben am 17 Juli 2012 von von Domainvermarkter-Magazin

zuerst veröffentlicht im Domainvermarkter-Magazin 07

Viele Jahre war äußerst umstritten, welche Verantwortung der Admin-C hat. Einige Gerichte lehnten eine Haftung des Admin-C grundsätzlich ab, unter anderem mit der Begründung, es handele sich ja nur um einen administrativen Ansprechpartner für die DENIC eG. Andere Gerichte gingen von einer grundsätzlichen Verantwortlichkeit der Admin-C aus, da der Admin-C nach den DENIC- Domainrichtlinien berechtigt sei, sämtliche die Domain betreffenden Angelegenheiten verbindlich zu entscheiden. Die Entscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH, oberstes deutsches Zivilgericht), Az. I ZR 150/09, beantwortet nun einige wichtige Fragen.

Der Ausgangsfall
Die Klägerin betreibt unter der Bezeichnung „Basler Haar-Kosmetik“ einen Versandhandel für Haarkosmetikprodukte auf www.basler-haarkosmetik.de. Sie ist Inhaberin der deutschen Wort-/ Bildmarke „Basler HAAR-KOSMETIK“.

Der Beklagte war Admin-C der Domain baslerhaarkosmetik.de, unter der Werbelinks für Angebote von Konkurrenten der Klägerin angeboten wurden. Inhaber dieser Domain war eine englische Ltd. (Limited; Gesellschaft mit beschränkter Haftung), der Domaingrabbing unterstellt wird. Die Ltd. hatte frei werdende Domains in einem automatisierten Verfahren ermittelt, registriert und dabei den Beklagten als Admin-C eintragen lassen. Gegenüber dieser Ltd. hatte sich der Beklagte im Wege einer im Voraus erklärten Blankovollmacht mit seiner Benennung als Admin-C für .de- Domains bereit erklärt.

Die Klägerin verlangt vom Admin-C die Löschung der Domain und die Erstattung von Abmahnkosten.

Entscheidung des BGH
Der BGH stellt fest, dass ein Admin-C grundsätzlich nicht ohne konkrete Anhaltspunkte verpflichtet sei zu prüfen, ob eine Domain Rechte Dritter verletzen könnte. Es gibt somit keine allgemeine Rechtspflicht des Admin-C zur Überprüfung und Löschung. Gegen eine solche Rechtspflicht des Admin-C, von sich aus die entsprechenden Domains auf eventuelle Rechtsverletzungen zu überprüfen, spricht nach Ansicht des BGH die Funktion und Aufgabenstellung des Admin-C sowie die Eigenverantwortung des Domainanmelders.

Nach § 3 Abs. 1 Satz 1 der DENIC- Domainbedingungen hat der Domaininhaber dafür einzustehen, dass Registrierung und Nutzung der Domain keine Rechte Dritter verletzt. Nach der ständigen Rechtsprechung des BGH fällt die Prüfung der rechtlichen Zulässigkeit einer bestimmten Domainbezeichnung grundsätzlich zunächst allein in den Verantwortungsbereich des Anmelders, da er die als Domain zu registrierende Zeichenfolge auswählt und die Domain für seine Zwecke nutzt.

Die Funktion eines administrativen Ansprechpartners nach Ziffer VIII der DENIC-Domainrichtlinien lässt nach Ansicht des BGH nicht erkennen, dass ihm – neben dem Domaininhaber – zusätzlich die Aufgabe zufällt, Rechte Dritter zu ermitteln und deren Verletzung zu verhindern. Soweit dem Admin-C in den DENIC-Domainrichtlinien die Berechtigung und Verpflichtung zugewiesen ist, „sämtliche die Domain betreffenden Angelegenheiten verbindlich zu entscheiden“, ist ebenfalls kein Aufgabenbereich fest- gelegt, auf den sich (angebliche verletzte) Dritte berufen können. Nach den Regelungen der DENIC, aus denen sich die Funktion des Admin-C ergibt, ist mithin allein der Domaininhaber gehalten, Verletzungen von Rechten Dritter zu vermeiden, während der Aufgabenbereich des Admin-C sich auf die Erleichterung der administrativen Durchführung des Domainvertrages gegenüber dem Domaininhaber beschränkt.

Es kommt hinzu, dass es einer Person allein aufgrund ihrer Stellung als Admin-C regelmäßig nicht zumutbar sein wird, für jede Domain, für die sie diese Funktion ausübt, zu recherchieren, ob darin Namen von natürlichen Personen, Handelsnamen oder Bezeichnungen oder Bestandteile von Bezeichnungen enthalten sind, um dann eine nicht selten schwierige rechtliche Prüfung vorzunehmen, ob Namensrechte, Markenrechte oder sonstige Kennzeichenrechte verletzt sind. Im Rahmen der Prüfung der Zumutbarkeit einer Prüfung ist auch darauf abzustellen, ob die Tätigkeit des als Störer in Anspruch genommenen im öffentlichen Interesse liegt und ob er dabei ohne Gewinnerzielungsabsicht handelt. Weiter hat der BGH berücksichtigt, ob die durch sein Verhalten geförderte Verletzung der Rechte Dritter erst nach eingehender rechtlicher oder tatsächlicher Prüfung festgestellt werden kann oder ob sie offenkundig oder unschwer zu erkennen ist.

Im vorliegenden Fall hat der BGH den Admin-C verurteilt. Die Namensrechte der Klägerin wurden durch die Registrierung der Domain baslerhaarkosmetik.de verletzt. Die Klägerin hat Ansprüche nicht nur gegen die englische Ltd., sondern auch gegen den beklagten Admin-C. Dieser habe einen Beitrag zu der von der englischen Ltd. begangenen Verletzung der Rechte der Klägerin dadurch geleistet, dass er sich gegenüber der Ltd. als Admin-C zur Verfügung gestellt hat. Denn nach den Bestimmungen der DENIC kann ein ausländischer Antragsteller eine Domain nur registrieren lassen, wenn er eine inländische Person als Admin-C benennt. Dem Admin-C war es ferner rechtlich und tatsächlich möglich, die Störung zu beseitigen.

Bei der englischen Ltd. handelt es sich nach dem Vortrag der Klägerin um eine Firma, die Domaingrabbing betreibe. Immer dann, wenn eine Domain freigegeben sei, sichere sich diese die Domain, was – um nicht gegenüber anderen Interessenten das Nachsehen zu haben – typischerweise unter Zeitdruck geschehe. Daher habe der Domaingrabber dem Admin-C auch nicht vor der Registrierung Bescheid geben können, sondern habe dessen Blankoeinwilligung benötigt. Dem Beklagten sei klar gewesen oder hätte klar sein müssen, dass sich die Ltd. die Vielzahl an Domains nur sichern wolle, um damit als Domaingrabber Domainhandel zu betreiben. Aus diesem Vortrag sowie der Feststellung des Berufungsgerichts, die Registrierung der Domains für die Ltd. erfolge aufgrund einer automatisierten Eintragung, ergeben sich hinreichende Anhaltspunkte für eine die Störerhaftung begründende Prüfungspflicht des Beklagten.

Der die Prüfungspflicht auslösende gefahrerhöhende Umstand ergibt sich im Streitfall daraus, dass die englische Ltd. frei werdende Domains in einem automatisierten Verfahren ermittelt, also auf der Ebene des Anmelders und Inhabers der Domain keinerlei Prüfung stattfindet, ob die Domains Rechte Dritter verletzen könnten. Da auch die DENIC keine Rechtsprüfung vornehme besteht eine erhöhte Gefahr, dass für diese Ltd. rechtsverletzende Domains registriert werden. Trifft es zu, dass sich der Beklagte gegenüber der Ltd. im Wege einer im Voraus erklärten Blankovollmacht mit seiner Benennung als Admin-C einverstanden erklärt hat, hat er eine notwendige Ursache für das die Schutzrechte der Klägerin gefährdende Tun der Ltd. gesetzt. In Kenntnis dieser Umstände wäre der Beklagte aus Rechtsgründen gehalten gewesen zu prüfen, ob die automatisiert registrierten Domains Rechte Dritter verletzen. Der Beklagte wäre bei einer einfachen Internetrecherche sofort auf die Klägerin gestoßen und die Namensverletzung wäre offenkundig geworden.

Konsequenzen der Entscheidung
Wie bereits zugunsten der DENIC, eBay und Sedo hat der BGH nun auch eine allgemeine Prüf- und Handlungspflicht eines Admin-C abgelehnt. Ohne konkrete Anhaltspunkte ist der Admin-C nicht verpflichtet zu prüfen, ob eine Domain Rechte Dritter verletzt. Es gibt somit keine allgemeine Rechtspflicht des Admin-C zur Überprüfung und Löschung. Der BGH betont die Eigenverantwortlichkeit des Domaininhabers. Diese Entscheidung umsetzend hat das OLG Hamburg die Haftung eines Admin-C bei einem fehlerhaften Impressum vor Kurzem verneint (Az. 3 W 54/10).

Eine Prüf- und Handlungspflicht besteht jedoch ausnahmsweise dann, wenn besondere Umstände vorliegen.

So ist der Admin-C zum Handeln verpflichtet, wenn er Teil eines automatisierten Grabbingsystems ist. Erteilt der Admin-C eine Blankovollmacht, dass er für frei werdende Domains automatisch ohne Prüfung des Domaininhabers eingetragen wird, ist er selbst zum Handeln verpflichtet. Werden in so einem Fall Rechte Dritter verletzt, kann der Admin-C auf Löschung und Kostenerstattung in Anspruch genommen werden.

Offen lässt der BGH die Frage, ob eine Haftung des Admin-C für den Fall besteht, dass sich eine Rechtsverletzung aufdrängt, z. B. bei der Verletzung einer bekannten Marke. Das OLG Stuttgart hat eine Prüfpflicht bei sich aufdrängenden Rechtsverletzungen bejaht. Handeln muss der Admin-C jedenfalls spätestens dann, wenn er eine Abmahnung erhält.

Von Harald J. Mönch, Fachanwalt für gewerblichen Rechtsschutz
Finck Althaus Sigl & Partner Rechtsanwälte Steuerberater

www.finck-partner.de

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Neue gTLDs: Aufschwung für den Domainmarkt?

Geschrieben am 13 Juni 2012 von von Domainvermarkter-Magazin

zuerst veröffentlicht im Domainvermarkter-Magazin 07

Ist es nun aber so, dass gerade bei Domainern die Einführung neuer TLDs abgelehnt wird, weil sie um ihre mühsam erworbenen Pfründe fürchten? Nur die wenigsten Domainer gehen davon aus, dass Domainnamen unter .com oder den Länderdomains wie .de an Wert verlieren werden. Im Gegenteil! Schon in den vergangenen Jahren hat sich immer wieder gezeigt, dass Projekte, die unter Alternativendungen wie .net oder .org begannen, irgendwann auch die dazugehörige .com benötigten.

Viel wichtiger aber ist die neue mediale Aufmerksamkeit, die jetzt schon mit der Einführung neuer TLDs auf den Domainmarkt gerichtet wird. Gerade die regionalen und lokalen Endungen werden das Thema Domainhandel zum allabendlichen Stammtischgespräch werden lassen. Man muss sich nur die Diskussionen über die Fragen ausmalen, wer die besten Domainnamen bekommen darf, wie diese genau verteilt werden und was eine einzelne Domain am Ende kosten wird. Dies birgt genügend Stoff für die Medien.

Mehr mediale Aufmerksamkeit
Wer sich an die Begleitumstände bei der Einführung der letzten .de Kurzdomains erinnern kann, der wird ahnen können wie es zugehen wird, wenn nun eine komplett neue Vergabe von Domainnamen ansteht. Alle Probleme, die in den vergangenen Jahren in dem langsam gewachsenen .de Namensraum entstanden und mühsam gelöst worden sind, werden dann geballt auf einmal auftreten. Im Gegensatz zu reinen generischen TLDs wie .shop birgt eine Stadtdomain wie .berlin viel Konfliktpotential.

Die Diskussionen um den Wert von Domainnamen werden mit Sicherheit dazu führen, dass der Domainhandel an sich mehr Bekanntheit erfährt. Und wünschen sich das nicht alle Domainer schon seit langem?

Von Christoph Grüneberg

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Die Hintergründe für die neuen TLDs

Geschrieben am 13 Juni 2012 von von Domainvermarkter-Magazin

zuerst veröffentlicht im Domainvermarkter-Magazin 07

Aus ökonomischer Sicht ist die Entscheidung der ICANN, hunderte oder gar tausende neuer Domainendungen gleichzeitig einzuführen, unsinnig. Politisch mag dies ein Befreiungsschlag sein, muss so doch kein TLD-Bewerber jahrelange Lobbyarbeit betreiben (Dotberlin) oder die Gerichte bemühen (dotxxx), um zu der begehrten eigenen Endung zu kommen. Gleichzeitig wird aber der Wert einer eigenen TLD geschmälert und damit auch das langfristige wirtschaftliche Überleben vieler neuer generischer TLDs in Frage gestellt. Die ICANN begründet die Einführung der neuen TLDs mit Innovation und Wettbewerb.

Mehr Wettbewerb und Innovationen?
Aber hält dieses Argument einer kritischen Betrachtung stand? Kein Autohersteller käme auf die Idee, mit einem Schlag 100 neue Modelle zu präsentieren und zu glauben, es wären gleichzeitig genügend Käufer da. Das Drucken von mehr Geldscheinen führt schließlich auch nicht zu mehr Vermögen, sondern zu Inflation und Bankrott.

Letztendlich, da wird die ICANN Recht behalten, wird die New-TLD-Lawine zu einem gnadenlosen Wettbewerb der neuen Registries um die Domain-Besteller führen. Ob dies dem Domainkunden wirklich nutzt, darf bezweifelt werden. Wenn es wirklich um mehr Wettbewerb ginge, dann müsste die ICANN zuerst die .com Verträge modifizieren: Hier führt das Monopol durch Verisign zu ständig steigenden Preisen. Und das, obwohl nach allen Regeln der Economies of Scale die Registrierungsgebühren sinken müssten und andere TLD-Betreiber wie die DENIC zeigen, dass man weit wirtschaftlicher arbeiten kann.

Cui bono?
Wie kam es also zu der Entscheidung, so viele neue TLDs einzuführen? Bei der ICANN, welche für die Entscheidung der Vergabe neuer TLDs zuständig ist, sind die eigentlichen Domainnutzer nicht oder nur marginal vertreten. Wurde bei der ICANN die öffentliche Wahl für Vertreter der Nutzerschaft 2003 abgeschafft, hat es eine solche bei der DENIC in Deutschland noch nie gegeben. Dabei wäre es technisch keine Schwierigkeit, jedem Domaininhaber eine Stimme zu geben und damit auch eine repräsentative Wahl der Domaininhaber stattfinden zu lassen. Aber der normale Internetnutzer spielt bei der ICANN keine Rolle.

Wer alles profitiert
Die ICANN-Treffen werden dominiert von Lobbyisten, unterwegs in eigener Sache oder als Vertreter von Registraren und Registries. Nur wer hauptberuflich von der ICANN oder deren Arbeit direkt profitiert, kann es sich leisten, die zahlreichen weltweiten Treffen zu besuchen. Daran ändern auch Stipendien nichts, werden diese doch für jedes Treffen neu vergeben. So sind es natürlich Mitglieder aus diesem Umfeld der ICANN, die bereits jetzt kräftig an der Einführung neuer TLDs verdienen. Sowohl Registrare als auch Registries stellen sich als Berater und Technikpartner für die neuen TLDs zur Verfügung. Auch wenn die ICANN selbst gemeinnützig ist, so ist doch klar, dass die Akteure der ICANN ebenfalls von den zusätzlichen Einnahmen profitieren. Denn Geld, welches für die Bewerbung um die nTLDs und Betriebsabgaben an die ICANN fließt, muss auch wieder irgendwo ausgegeben werden. So werden sich entweder die Gehälter und Aufwandsentschädigungen erhöhen oder es muss schlicht mehr Personal eingestellt werden – wahrscheinlich sogar beides.

Die ICANN selbst macht sich zudem unentbehrlich, denn eine Organisation, die nicht nur wenige gTLDs kontrollieren muss (die Länder-TLDs sind zum größten Teil unabhängig), sondern nun gleich hunderte Endungen betreut, macht sich unersetzlich. Selbst wenn 50% der neu eingeführten Endungen wieder vom Markt verschwinden, bleiben hunderte, die weiterhin verwaltet und kontrolliert werden müssen.

Peter Dengate Thrush war Vorsitzender der ICANN und in dieser Funktion maßgeblich an der im Juni 2011 erteilten Genehmigung des Programms zur Einführung neuer gTLDs beteiligt. Nach erfolgreicher Durchsetzung des nTLD-Programmes verließ er im Juni 2011 ICANN, um im Juli 2011 als Aufsichtsratsvorsitzender der Top Level Domain Holdings Limited (TLDH) anzuheuern. Die TLDH bewirbt sich zusammen mit der Tochterfirma Minds + Machines um zahlreiche nTLDs.

Von Christoph Grüneberg

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Risiken und Nebenwirkungen neuer TLDs

Geschrieben am 13 Juni 2012 von von Domainvermarkter-Magazin

zuerst veröffentlicht im Domainvermarkter-Magazin 07

Selbst die begehrtesten neuen TLDs werden ein Problem bekommen, welches Domainer hingegen zu ihrem Vorteil nutzen können: Überlaufverluste hin zu .com oder ccTLDs. Einiges Aufsehen erregte 2011 die Umbenennung des amerikanischen Onlinehändlers Overstock in O.Co. Im Zuge der Einführung von Second-Level Domains unter der kolumbianischen ccTLD .co wurde Overstock ein Aushängeschild in den Bemühungen der Registry, .co als Alternative zu .com zu positionieren.

Drohende Überlaufverluste
Das Problem von Overstock: Die Domain o.com gehört nicht Overstock, sondern ist von der IANA (Internet Assigned Numbers Authority) reserviert und steht damit nicht zur freien Verfügung. So mussten die Verantwortlichen bei Overstock enttäuscht feststellen, dass nach Werbespots 61% der interessierten Zuschauer versuchten, die Seite o.com statt o.co zu besuchen. Ein Streuverlust, der letztendlich der Firma Overstock viel Schaden zufügt und zeigt, wie schwer es ist, gegen die Gewohnheiten der Internetnutzer neue Domainendungen durchzusetzen.

Ähnlich geht es vielen Webprojekten, die mit einer guten Idee, aber wenig Startkapital zuerst einmal unter .net oder .info starten. Spätestens wenn das Projekt populär wird, geben viele Suchende den Domainnamen mit .com oder aber mit der passenden ccTLD ein. Der Preis für die entsprechende Domainnamen, die von den Überlaufverlusten profitieren, steigt natürlich mit wachsenden Fehleingaben. Schlecht für die Unternehmen, die meinen, mit einer billigeren .net auf den Kauf einer .com oder ccTLD-Domain Geld sparen zu können. Noch schlimmer ist es natürlich, wenn die Domainnamen, welche die Überlaufverluste bekommen, gar nicht zum Verkauf stehen. Dann bleibt als Ausweg oft nur ein ebenfalls aufwendiges Rebranding.

Dieses Schicksal droht nun allen, die denken, ein erfolgreiches Projekt lediglich unter einer neuen TLD starten zu können. Nehmen wir einmal an, jemand möchte in Deutschland unter kosmetik.shop mit großflächiger Werbung seine Domain etablieren. Wie viele User werden wohl aus Gewohnheit versuchen, kosmetikshop.de einzugeben? Wer also ein wirklich gutes Projekt etablieren will, wird die entsprechende Domain unter .com oder die ccTLD entsprechend mitregistrieren. Dies ist der Hauptgrund, warum Domaininvestoren, die auf .de und .com setzen, auch in absehbarer Zukunft keine Angst vor den neuen Endungen haben müssen. Ihre Domainnamen unter .com und unter den ccTLDs könnten durch die nTLDs einen weiteren Wertzuwachs erlangen.

Kosten und Justiz
Jede Investition unter einer neuen TLD birgt auch unbekannte Risiken. Neben der Frage, ob sich eine TLD etablieren wird, ist auch die Entwicklung der TLD völlig ungewiss. Exorbitante Preissteigerungen der Registrierungskosten oder der Bankrott der Registry wären möglich. Ebenfalls wird auch rechtlich wieder einmal Neuland betreten. So wird in Deutschland jede Endung von den Gerichten anders beurteilt.

Wem steht ein stadtname.shop zu?

Wann haben wir eine Zuordnungsverwirrung und wann nicht?

Viele Fragen, die bei .com oder .de im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte geklärt wurden, stellen sich bei den nTLDs wieder neu.

Hinzu kommt, dass in den vergangenen Monaten und Jahren zahlreiche Abenteurer Marken für Endungen wie .music haben eintragen lassen. Hier könnte es noch die eine oder andere Überraschung geben, auch wenn hier eher die Registries betroffen sein dürften.

Von Christoph Grüneberg

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Neue TLDs aus Sicht der Domaininvestoren

Geschrieben am 12 Juni 2012 von von Domainvermarkter-Magazin

zuerst veröffentlicht im Domainvermarkter-Magazin 07

Nach dem Abschluss der ersten Bewerbungsphase sieht es so aus, als würde es zukünftig über 1000 neue Top-Level-Domains geben.

Doch wie erfolgreich können diese neuen Domainendungen aus kommerzieller Sicht werden? Wird bei 1000 neuen Endungen jede neue TLD ein Selbstläufer und gleichzeitig für den Betreiber eine Lizenz zum Gelddrucken? In den vergangenen Monaten wurde suggeriert, dass selbst mit absoluten Nischen-TLDs wie einer .versicherung Geld zu verdienen sei. Im Zweifelsfall wurde dann das Argument eines nahezu automatisch besseren Google Rankings bemüht. (Mehr hierzu im Artikel “Google: Keine Ranking-Vorteile für neue TLDs”)

Der Erfolg oder Misserfolg einer neuen TLD lässt sich nicht mit Sicherheit voraussagen. Viel hängt von den Marketingbemühungen der Betreiber ab. Der Launch der kolumbianischen Länderdomain .co hat aber gezeigt, wie mit immensem Werbeaufwand ein Hype um eine Endung geschaffen wird und sich die Investitionen der Betreiber schon ab dem ersten Jahr rechnen können. Ähnliches gilt für Endungen wie .asia oder .info, die über häufige Promoaktionen beständig hohe Registrierungszahlen halten können. Wie sieht es aber aus, wenn nun auf einen Schlag hunderte neue TLDs hinzukommen? Wer gehört dann zu den Gewinnern und Verlierern?

Kampf um Aufmerksamkeit
Wurden seit dem Start des Domainnamensraumes mit den Länderendungen und den generischen Domains nur wenige neue TLDs zugelassen, steht nun eine Vervielfachung des bisherigen Namensraumes bevor. Dies wird es vielen Betreibern erschweren, ihre neue TLD mit nur wenig Aufwand zu promoten. Bei den bisherigen Neueinführungen wurden besonders die Domaininvestoren kräftig umworben. Kaum ein Domainermeeting, bei dem nicht .co eine Party geschmissen hätte oder .tel und .asia als Sponsoren auftraten. Die Domainliveauktionen auf der Traffic-Konferenz wurden genutzt, um begehrte Keywords unter .me oder .mobi zu versteigern. Bekannte Domainer wie Frank Schilling (.xxx Paketkauf) oder Rick Schwartz (flowers.mobi) wurden als Leadinvestoren gewonnen. Zwar wurde nicht immer den bei Auktionen erzielten Verkaufspreisen getraut, aber viele Domainer öffneten bei Neueinführungen ihre Geldbörsen. Wer wollte nicht beim möglichen “nächsten großen Ding” dabei sein?

Budgetfragen
Andrew Alleman hat in seinem Blog die Frage gestellt, wie groß denn der Gesamtmarkt für Investitionen in neue TLDs bei Domainern sein könnte. Wenn bisher jährlich 10 Millionen Dollar bei TLD-Neueinführungen zur Verfügung stünden, wie würde sich dann dieses Budget auf hunderte neuer Domainendungen verteilen? Zudem garantieren Erfahrungen aus den bisherigen TLD-Neueinführungen nicht unbedingt das Bestehen einer immer noch gleich hohen Investitionsbereitschaft. Die Einnahmen aus den Domainparkingprogrammen haben seit 2008 stark abgenommen. Damit steht aktuell nicht so viel Cash zum Investieren zur Verfügung, wie sich das die nTLD-Betreiber vielleicht gerne wünschen. Nicht wenige Domainer haben selbst hohe Summen in Firmen investiert, die sich um die Zulassung neuer TLDs bewerben. Als Domaininvestor muss man sich grundsätzlich die Frage stellen, wie sich der Erwerb von Domainnamen unter den nTLDs kurz- oder langfristig refinanzieren lässt. Es ist nicht zu erwarten, dass die Domains mit nTLDs Type-in-Traffic haben werden. Woher soll dieser auch kommen? Selbst halbwegs bekannte Endungen wie .info oder .biz haben bisher so gut wie keinen natürlichen Traffic (Type-ins) von Besuchern. Eine ausreichende Refinanzierung über Domainparking scheidet bei neuen TLDs also zumindest für Domainer aus. Was nicht heißt, dass für den Eigentümer einer TLD das Parking durchaus ein Geschäftsmodell sein kann, so wie wir es in dieser Magazinausgabe anhand .tk berichten.

Jeder Euro oder Dollar, der für eine Domain unter einer neuen TLD von einem Investor ausgegeben wird, wird zuerst einmal totes Kapital sein. Es gibt keine laufenden Einnahmen, sondern nur ständig neue Kosten durch die Registrierungsgebühren. Gewinn wird nur bei einem Exit, also einem Domainverkauf erzielt. Die Registrierungskosten für die nTLDs werden kaum geringer sein als die für eine .com oder eine .info. Gleichzeitig wird es für Domaininvestoren schwierig werden, ihre Domains an den Endkunden zu bringen: Dieser wird dann ebenfalls die Auswahl unter hunderten gleichwertiger generischer Domains haben.

Dilemma der Registries
Aber es ist ja auch generell nicht gut für eine neue TLD, wenn die besten Domains in die Hände der Investoren wandern. Wenn alle guten Domains nur ein Verkaufsschild haben, statt projektiert zu werden, wird sich die TLD nie im Bewusstsein der Öffentlichkeit verankern können. Es droht das Schicksal einer .biz, die es nie schaffte, ausreichend „echte“ Projekte unter ihrer Endung zum Start zu bringen. Andere Endungen wie .mobi versuchten mit Wettbewerben wenigstens einige ihrer besten Domains gut projektiert zu bekommen. Es wird für die neuen Registries auf jeden Fall schwierig, hier den richtigen Spagat zu finden. Die etablierten Endungen haben den Vorteil, dass es über bald 20 Jahre ein natürliches Wachstum gegeben hat. Die besten Keyworddomains wurden meist zügig projektiert. Dies wird in Zukunft bei kaum einer neuen Endung funktionieren. Ohne schlüssiges Konzept der Domainvermarktung droht vielen Endungen das schnelle Vergessen.

Von Christoph Grüneberg

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