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nTLDs – ICANN verlängert Kommentierungs-Frist

Geschrieben am 13 August 2012 von von Domainvermarkter02

Die ICANN hat die Frist, in der die Öffentlichkeit zu dem neuen Top-Level-Domains-Programm (nTLDs-Programm) Stellung nehmen kann, um 45 Tage verlängert. Bis einschließlich Mittwoch, den 26. September 2012 kann somit noch jeder seine Bedenken, Befürchtungen und Meinungen zu den einzelnen TLD-Bewerbungen bei der ICANN einreichen. 

Ursrünglich sollte die Frist zur öffentlichen Kommentierung der nTLD-Bewerbungen lediglich 60 Tage betragen, womit die am 13. Juni 2012 gestartete öffentliche Kommentierungsphase eigentlich am Sonntag, den 12.08.2012 enden sollte. Die ICANN begründet die Erweiterung dieses Zeitfensters mit zahlreichen Anfragen und Bitten von verschiedensten Seiten, daunter auch der US-Regierung, die sich ob der unerwarteten Masse der insgesamt 1.930 eingereichten nTLD-Bewerbungen um 1.409 verschiedenen Endungen, für eine Fristverlängerung ausgesprochen hatten. Eine genaue und faire Evaluation der eingreichten Bewerbungen, die für eine qualifizierte Kommentierung unabdingbar ist, sei ansonsten nicht möglich, so der allgemeine Grundtenor.

Decken tut sich die nun beschlossene Verlängerung der Kommentierungsfrist auch mit dem, für den Bewerbungsprozess des nTLD-Programms maßgeblichen, Applicant Guidebook der ICANN, in dem, für den Fall dass signifikant mehr nTLD-Bewerbungen als erwartet eingreicht werden, die Möglichkeit einer Fristverlängerung vorgesehen ist. Da anstelle der erwarteten 500 Bewerbungen nun 1.930 Bewerbungen um 1.409 nTLDs vorliegen, scheint die Verlägerung der Frist also nur konesquent und beinahe auch unumgänglich.

Bis zum Ende des eigentlich vorgesehen Zeitfensters am Sonntag, den 12.08.2012 wurden bei der ICANN bereits mehr als 5.500 Kommentare und Stellungnahmen mit Kritik und Anmerkungen zu einzelnen nTLD-Bewerbungen und Bewerbern eingreicht, deren Zahl sich nun wohl noch einmal deutlich erhöhen wird.

Somit dürfte sich auch das gesammte weitere Verfahren, an deren Ende dann die letztendliche Einführung der nTLDs stehen soll, nach Verlängerung der eigentlichen Bewerbungsphase sowie dem Abstand nehmen vom “digitalen Bogenschießen”, beides aufgrund technischer Pannen, zusätzlich hinauszögern.

Weitere Informationen finden sich auf der nTLD-Infosite (engl.) der ICANN.

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Die Hintergründe für die neuen TLDs

Geschrieben am 13 Juni 2012 von von Domainvermarkter-Magazin

zuerst veröffentlicht im Domainvermarkter-Magazin 07

Aus ökonomischer Sicht ist die Entscheidung der ICANN, hunderte oder gar tausende neuer Domainendungen gleichzeitig einzuführen, unsinnig. Politisch mag dies ein Befreiungsschlag sein, muss so doch kein TLD-Bewerber jahrelange Lobbyarbeit betreiben (Dotberlin) oder die Gerichte bemühen (dotxxx), um zu der begehrten eigenen Endung zu kommen. Gleichzeitig wird aber der Wert einer eigenen TLD geschmälert und damit auch das langfristige wirtschaftliche Überleben vieler neuer generischer TLDs in Frage gestellt. Die ICANN begründet die Einführung der neuen TLDs mit Innovation und Wettbewerb.

Mehr Wettbewerb und Innovationen?
Aber hält dieses Argument einer kritischen Betrachtung stand? Kein Autohersteller käme auf die Idee, mit einem Schlag 100 neue Modelle zu präsentieren und zu glauben, es wären gleichzeitig genügend Käufer da. Das Drucken von mehr Geldscheinen führt schließlich auch nicht zu mehr Vermögen, sondern zu Inflation und Bankrott.

Letztendlich, da wird die ICANN Recht behalten, wird die New-TLD-Lawine zu einem gnadenlosen Wettbewerb der neuen Registries um die Domain-Besteller führen. Ob dies dem Domainkunden wirklich nutzt, darf bezweifelt werden. Wenn es wirklich um mehr Wettbewerb ginge, dann müsste die ICANN zuerst die .com Verträge modifizieren: Hier führt das Monopol durch Verisign zu ständig steigenden Preisen. Und das, obwohl nach allen Regeln der Economies of Scale die Registrierungsgebühren sinken müssten und andere TLD-Betreiber wie die DENIC zeigen, dass man weit wirtschaftlicher arbeiten kann.

Cui bono?
Wie kam es also zu der Entscheidung, so viele neue TLDs einzuführen? Bei der ICANN, welche für die Entscheidung der Vergabe neuer TLDs zuständig ist, sind die eigentlichen Domainnutzer nicht oder nur marginal vertreten. Wurde bei der ICANN die öffentliche Wahl für Vertreter der Nutzerschaft 2003 abgeschafft, hat es eine solche bei der DENIC in Deutschland noch nie gegeben. Dabei wäre es technisch keine Schwierigkeit, jedem Domaininhaber eine Stimme zu geben und damit auch eine repräsentative Wahl der Domaininhaber stattfinden zu lassen. Aber der normale Internetnutzer spielt bei der ICANN keine Rolle.

Wer alles profitiert
Die ICANN-Treffen werden dominiert von Lobbyisten, unterwegs in eigener Sache oder als Vertreter von Registraren und Registries. Nur wer hauptberuflich von der ICANN oder deren Arbeit direkt profitiert, kann es sich leisten, die zahlreichen weltweiten Treffen zu besuchen. Daran ändern auch Stipendien nichts, werden diese doch für jedes Treffen neu vergeben. So sind es natürlich Mitglieder aus diesem Umfeld der ICANN, die bereits jetzt kräftig an der Einführung neuer TLDs verdienen. Sowohl Registrare als auch Registries stellen sich als Berater und Technikpartner für die neuen TLDs zur Verfügung. Auch wenn die ICANN selbst gemeinnützig ist, so ist doch klar, dass die Akteure der ICANN ebenfalls von den zusätzlichen Einnahmen profitieren. Denn Geld, welches für die Bewerbung um die nTLDs und Betriebsabgaben an die ICANN fließt, muss auch wieder irgendwo ausgegeben werden. So werden sich entweder die Gehälter und Aufwandsentschädigungen erhöhen oder es muss schlicht mehr Personal eingestellt werden – wahrscheinlich sogar beides.

Die ICANN selbst macht sich zudem unentbehrlich, denn eine Organisation, die nicht nur wenige gTLDs kontrollieren muss (die Länder-TLDs sind zum größten Teil unabhängig), sondern nun gleich hunderte Endungen betreut, macht sich unersetzlich. Selbst wenn 50% der neu eingeführten Endungen wieder vom Markt verschwinden, bleiben hunderte, die weiterhin verwaltet und kontrolliert werden müssen.

Peter Dengate Thrush war Vorsitzender der ICANN und in dieser Funktion maßgeblich an der im Juni 2011 erteilten Genehmigung des Programms zur Einführung neuer gTLDs beteiligt. Nach erfolgreicher Durchsetzung des nTLD-Programmes verließ er im Juni 2011 ICANN, um im Juli 2011 als Aufsichtsratsvorsitzender der Top Level Domain Holdings Limited (TLDH) anzuheuern. Die TLDH bewirbt sich zusammen mit der Tochterfirma Minds + Machines um zahlreiche nTLDs.

Von Christoph Grüneberg

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Risiken und Nebenwirkungen neuer TLDs

Geschrieben am 13 Juni 2012 von von Domainvermarkter-Magazin

zuerst veröffentlicht im Domainvermarkter-Magazin 07

Selbst die begehrtesten neuen TLDs werden ein Problem bekommen, welches Domainer hingegen zu ihrem Vorteil nutzen können: Überlaufverluste hin zu .com oder ccTLDs. Einiges Aufsehen erregte 2011 die Umbenennung des amerikanischen Onlinehändlers Overstock in O.Co. Im Zuge der Einführung von Second-Level Domains unter der kolumbianischen ccTLD .co wurde Overstock ein Aushängeschild in den Bemühungen der Registry, .co als Alternative zu .com zu positionieren.

Drohende Überlaufverluste
Das Problem von Overstock: Die Domain o.com gehört nicht Overstock, sondern ist von der IANA (Internet Assigned Numbers Authority) reserviert und steht damit nicht zur freien Verfügung. So mussten die Verantwortlichen bei Overstock enttäuscht feststellen, dass nach Werbespots 61% der interessierten Zuschauer versuchten, die Seite o.com statt o.co zu besuchen. Ein Streuverlust, der letztendlich der Firma Overstock viel Schaden zufügt und zeigt, wie schwer es ist, gegen die Gewohnheiten der Internetnutzer neue Domainendungen durchzusetzen.

Ähnlich geht es vielen Webprojekten, die mit einer guten Idee, aber wenig Startkapital zuerst einmal unter .net oder .info starten. Spätestens wenn das Projekt populär wird, geben viele Suchende den Domainnamen mit .com oder aber mit der passenden ccTLD ein. Der Preis für die entsprechende Domainnamen, die von den Überlaufverlusten profitieren, steigt natürlich mit wachsenden Fehleingaben. Schlecht für die Unternehmen, die meinen, mit einer billigeren .net auf den Kauf einer .com oder ccTLD-Domain Geld sparen zu können. Noch schlimmer ist es natürlich, wenn die Domainnamen, welche die Überlaufverluste bekommen, gar nicht zum Verkauf stehen. Dann bleibt als Ausweg oft nur ein ebenfalls aufwendiges Rebranding.

Dieses Schicksal droht nun allen, die denken, ein erfolgreiches Projekt lediglich unter einer neuen TLD starten zu können. Nehmen wir einmal an, jemand möchte in Deutschland unter kosmetik.shop mit großflächiger Werbung seine Domain etablieren. Wie viele User werden wohl aus Gewohnheit versuchen, kosmetikshop.de einzugeben? Wer also ein wirklich gutes Projekt etablieren will, wird die entsprechende Domain unter .com oder die ccTLD entsprechend mitregistrieren. Dies ist der Hauptgrund, warum Domaininvestoren, die auf .de und .com setzen, auch in absehbarer Zukunft keine Angst vor den neuen Endungen haben müssen. Ihre Domainnamen unter .com und unter den ccTLDs könnten durch die nTLDs einen weiteren Wertzuwachs erlangen.

Kosten und Justiz
Jede Investition unter einer neuen TLD birgt auch unbekannte Risiken. Neben der Frage, ob sich eine TLD etablieren wird, ist auch die Entwicklung der TLD völlig ungewiss. Exorbitante Preissteigerungen der Registrierungskosten oder der Bankrott der Registry wären möglich. Ebenfalls wird auch rechtlich wieder einmal Neuland betreten. So wird in Deutschland jede Endung von den Gerichten anders beurteilt.

Wem steht ein stadtname.shop zu?

Wann haben wir eine Zuordnungsverwirrung und wann nicht?

Viele Fragen, die bei .com oder .de im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte geklärt wurden, stellen sich bei den nTLDs wieder neu.

Hinzu kommt, dass in den vergangenen Monaten und Jahren zahlreiche Abenteurer Marken für Endungen wie .music haben eintragen lassen. Hier könnte es noch die eine oder andere Überraschung geben, auch wenn hier eher die Registries betroffen sein dürften.

Von Christoph Grüneberg

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Welche Chancen haben nun die neuen TLDs im Einzelnen?

Geschrieben am 12 Juni 2012 von von Domainvermarkter-Magazin

zuerst veröffentlicht im Domainvermarkter-Magazin 07

Die neuen TLDs kann man in drei Kategorien einteilen: Firmen/Marken-TLDs, regionale TLDs und sonstige TLDs. Jede dieser Gruppen hat unterschiedliche Zielsetzungen.

Firmen/Marken-TLDs
Gab es bisher zwar branchenspezifische Domainendungen wie .aero oder .travel, wird es nun erstmals Endungen geben, die einen Firmennamen oder eine Marke repräsentieren. Diese TLDs werden der Öffentlichkeit höchstwahrscheinlich nicht frei zur Verfügung stehen. Die Betreiber dürften kaum Interesse daran haben, einzelne Domains unter ihrer TLD an Dritte zu verkaufen. Dies gilt für Endungen wie beispielsweise .microsoft oder .bmw. Auch die kostenlose Abgabe im Rahmen von Marketingaktionen ist unwahrscheinlich, da immer die Gefahr besteht, dass der Firmen- oder Markenname leiden könnte. Daher werden diese Endungen nur geringe Auswirkungen auf den regulären Domainmarkt haben. Der Erfolg oder Misserfolg hängt völlig davon ab, was die Betreiber von „ihrer” TLD erwarten. Generell ist auch umstritten, ob eine eigene Marken-TLD überhaupt einen Vorteil gegenüber der .com-Domain einer Marke hat. Eine .marke ist als solche nicht aufrufbar, es müsste immer eine Domain wie info.marke aufgerufen werden – wobei derzeit noch keine Konvention unter den Usern besteht, welche Domain dies letztendlich sein wird.

Regionen TLDs
Zu den begehrtesten neuen TLDs gehören TLDs mit einem örtlichen Bezug. In Deutschland sind es Städte, die Endungen wie .berlin oder .koeln unterstützen, aber auch Bundesländer, die Bewerbungen für .bayern oder .nrw ermöglichen. Welche davon am Ende echten Publikumserfolg haben wird, bleibt abzuwarten. So dürfte eine .nrw wohl weniger Anklang als eine .bayern finden. Werden sich viele Privatpersonen oder Firmen finden, die Wert darauf legen, eine Adresse mit .nrw zu besitzen? In NRW definiert man sich immer noch über Gebiete wie Westfalen, Lippe, das Ruhrgebiet oder Rheinland. Gerade als Werbung für örtliche Betriebe ist das Bundesland NRW zu unscharf, um etwa etwas sinnvolles unter einer cafes.nrw projektieren zu können. Eine scharf abgegrenzte Domain wie .berlin oder .koeln kann da schon eher auf Zuspruch der lokalen Wirtschaft hoffen. Auch der Wirtschaftsraum in diesen Millionenstädten sollte ausreichend sein, um eine eigene TLD tragen zu können. Kategoriebegriffe wie hotels.berlin oder rundfahrten.hamburg könnten neuen Schwung ins immer noch schwierige lokale Webseitenprojektgeschäft bringen. Allerdings sollte man das Potential nicht überschätzen: Wenn es bisher unter projekt-stadtname.de schwierig war, zahlende Kunden für Onlineeinträge zu gewinnen, so muss man fragen, warum dies nun unter projekt.stadtname leichter gehen sollte. Gerade bei solchen örtlichen Branchenverzeichnissen ist die Konkurrenz hart: Nicht nur die Gelben Seiten sind hier immer noch eine Macht. Auch Google hat in den vergangenen Jahren manchen Projektbetreiber hart aus seinen Träumen erwachen lassen. Denn die wichtigsten Suchergebnisse bei Google, z.B. nach Handwerkern oder Hotels, werden auf den ersten Plätzen mit eigenen Daten von Google bestückt. Viele Geschäftsmodelle, die auf den ersten Blick prima unter einer Städte-TLD-Domain funktionieren könnten, scheitern leider am Realitätscheck.

Einmischung aus der Politik?
Zudem wird gerade bei den Regionen-TLDs öffentlicher und politischer Druck eine große Rolle spielen. Beispielhaft sei hier die TLD .bayern genannt, die im Bayerischen Landtag schon vor Einführung unter kritischer Beobachtung steht. (Siehe hierzu auch den Artikel “.bayern: Domainvergabe per Versteigerung?” auf Seite 11 im Magazin)
Der Druck, es von Handwerkerinnungen bis hin zu vielen Vereinen und Parteien allen Interessenverbänden recht zu machen, ist hoch. Wenn aber die Domainnamen nicht nach rein ökonomischen, sondern nach politischen Interessen vergeben werden sollten, mindert dies den Wert der Domains. Ein wirklich freier Markt entsteht nur dann, wenn Domainnamen ohne Diskriminierung vergeben werden. Zumindest dürfte aber in Deutschland das langfristige Überleben der Regional-TLDs gesichert sein: Eine einmal eingeführte TLD wird wohl niemals von einem Bürgermeister oder Ministerpräsidenten wieder aufgeben werden. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Stadtwerke neben defizitären Verkehrsbetrieben auch noch eine lokale Registry subventionieren werden. Eines Tages bekommt vielleicht jeder Kunde der örtlichen Versorger mit dem Stromanschluss eine kostenlose Domain dazu.

Sonstige kommerzielle TLDs
Wenig erstaunlich gibt es gerade um Endungen mit rein kommerziellem Potential reichlich Bewerbungen. Dabei werden Domainnamen unter .shop sicherlich zu den begehrtesten gehören, bergen diese doch hohes kommerzielles Potential. Ein Blick in die Domainstatistik zeigt, welche Suffixe, also Endungen von .de-Domains (Quelle: Erhebung aus eigenem Datenbestand) zu den beliebtesten gehören: online, immobilien, service, design, shop, info, consulting, deutschland, forum, reisen.
International sind dies laut einer Analyse von Lean Domain Search die Suffixe online, web, media, world, net, group, blog, shop, book, store. Generell wird es aber für jede neue kommerzielle TLD sehr schwierig werden, denn die Erfahrungen mit .info oder .biz lassen erwarten, dass es mühsam sein wird, neue Endungen bekannt und beliebt zu machen, besonders wenn sie nahezu austauschbar sind. Eine .online oder .web hat wenig Alleinstellungsmerkmale, wogegen eine .blog für große Bloghoster wie blogger.com eine lohnende Investition sein könnte. Es könnte bei den Geschäftsmodellen auch durchaus Überraschungen geben: Wenn eine .shop gleichzeitig eine Shoplösung mit anbietet, dann ergeben sich ganz andere Entwicklungen als bei einem reinem Domainverkauf.

Es bleibt also abzuwarten, mit welchen Konzepten die neuen TLDs an den Start gehen werden. Klassische Landrush-Situationen so wie bei .info oder auch bei .eu wird es nicht bei jeder Endung geben. Daneben gibt es noch TLDs, die besondere Zielgruppen umwerben, letztendlich aber auch ihren Betrieb aus den Registrierungsgebühren bestreiten müssen. Es bleibt abzuwarten, ob eine .gay wirklich funktioniert oder ob eine .green nicht am ewigen Tropf staatlich subventionierter Organisationen hängen wird.

Von Christoph Grüneberg

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Neue TLDs aus Sicht der Domaininvestoren

Geschrieben am 12 Juni 2012 von von Domainvermarkter-Magazin

zuerst veröffentlicht im Domainvermarkter-Magazin 07

Nach dem Abschluss der ersten Bewerbungsphase sieht es so aus, als würde es zukünftig über 1000 neue Top-Level-Domains geben.

Doch wie erfolgreich können diese neuen Domainendungen aus kommerzieller Sicht werden? Wird bei 1000 neuen Endungen jede neue TLD ein Selbstläufer und gleichzeitig für den Betreiber eine Lizenz zum Gelddrucken? In den vergangenen Monaten wurde suggeriert, dass selbst mit absoluten Nischen-TLDs wie einer .versicherung Geld zu verdienen sei. Im Zweifelsfall wurde dann das Argument eines nahezu automatisch besseren Google Rankings bemüht. (Mehr hierzu im Artikel “Google: Keine Ranking-Vorteile für neue TLDs”)

Der Erfolg oder Misserfolg einer neuen TLD lässt sich nicht mit Sicherheit voraussagen. Viel hängt von den Marketingbemühungen der Betreiber ab. Der Launch der kolumbianischen Länderdomain .co hat aber gezeigt, wie mit immensem Werbeaufwand ein Hype um eine Endung geschaffen wird und sich die Investitionen der Betreiber schon ab dem ersten Jahr rechnen können. Ähnliches gilt für Endungen wie .asia oder .info, die über häufige Promoaktionen beständig hohe Registrierungszahlen halten können. Wie sieht es aber aus, wenn nun auf einen Schlag hunderte neue TLDs hinzukommen? Wer gehört dann zu den Gewinnern und Verlierern?

Kampf um Aufmerksamkeit
Wurden seit dem Start des Domainnamensraumes mit den Länderendungen und den generischen Domains nur wenige neue TLDs zugelassen, steht nun eine Vervielfachung des bisherigen Namensraumes bevor. Dies wird es vielen Betreibern erschweren, ihre neue TLD mit nur wenig Aufwand zu promoten. Bei den bisherigen Neueinführungen wurden besonders die Domaininvestoren kräftig umworben. Kaum ein Domainermeeting, bei dem nicht .co eine Party geschmissen hätte oder .tel und .asia als Sponsoren auftraten. Die Domainliveauktionen auf der Traffic-Konferenz wurden genutzt, um begehrte Keywords unter .me oder .mobi zu versteigern. Bekannte Domainer wie Frank Schilling (.xxx Paketkauf) oder Rick Schwartz (flowers.mobi) wurden als Leadinvestoren gewonnen. Zwar wurde nicht immer den bei Auktionen erzielten Verkaufspreisen getraut, aber viele Domainer öffneten bei Neueinführungen ihre Geldbörsen. Wer wollte nicht beim möglichen “nächsten großen Ding” dabei sein?

Budgetfragen
Andrew Alleman hat in seinem Blog die Frage gestellt, wie groß denn der Gesamtmarkt für Investitionen in neue TLDs bei Domainern sein könnte. Wenn bisher jährlich 10 Millionen Dollar bei TLD-Neueinführungen zur Verfügung stünden, wie würde sich dann dieses Budget auf hunderte neuer Domainendungen verteilen? Zudem garantieren Erfahrungen aus den bisherigen TLD-Neueinführungen nicht unbedingt das Bestehen einer immer noch gleich hohen Investitionsbereitschaft. Die Einnahmen aus den Domainparkingprogrammen haben seit 2008 stark abgenommen. Damit steht aktuell nicht so viel Cash zum Investieren zur Verfügung, wie sich das die nTLD-Betreiber vielleicht gerne wünschen. Nicht wenige Domainer haben selbst hohe Summen in Firmen investiert, die sich um die Zulassung neuer TLDs bewerben. Als Domaininvestor muss man sich grundsätzlich die Frage stellen, wie sich der Erwerb von Domainnamen unter den nTLDs kurz- oder langfristig refinanzieren lässt. Es ist nicht zu erwarten, dass die Domains mit nTLDs Type-in-Traffic haben werden. Woher soll dieser auch kommen? Selbst halbwegs bekannte Endungen wie .info oder .biz haben bisher so gut wie keinen natürlichen Traffic (Type-ins) von Besuchern. Eine ausreichende Refinanzierung über Domainparking scheidet bei neuen TLDs also zumindest für Domainer aus. Was nicht heißt, dass für den Eigentümer einer TLD das Parking durchaus ein Geschäftsmodell sein kann, so wie wir es in dieser Magazinausgabe anhand .tk berichten.

Jeder Euro oder Dollar, der für eine Domain unter einer neuen TLD von einem Investor ausgegeben wird, wird zuerst einmal totes Kapital sein. Es gibt keine laufenden Einnahmen, sondern nur ständig neue Kosten durch die Registrierungsgebühren. Gewinn wird nur bei einem Exit, also einem Domainverkauf erzielt. Die Registrierungskosten für die nTLDs werden kaum geringer sein als die für eine .com oder eine .info. Gleichzeitig wird es für Domaininvestoren schwierig werden, ihre Domains an den Endkunden zu bringen: Dieser wird dann ebenfalls die Auswahl unter hunderten gleichwertiger generischer Domains haben.

Dilemma der Registries
Aber es ist ja auch generell nicht gut für eine neue TLD, wenn die besten Domains in die Hände der Investoren wandern. Wenn alle guten Domains nur ein Verkaufsschild haben, statt projektiert zu werden, wird sich die TLD nie im Bewusstsein der Öffentlichkeit verankern können. Es droht das Schicksal einer .biz, die es nie schaffte, ausreichend „echte“ Projekte unter ihrer Endung zum Start zu bringen. Andere Endungen wie .mobi versuchten mit Wettbewerben wenigstens einige ihrer besten Domains gut projektiert zu bekommen. Es wird für die neuen Registries auf jeden Fall schwierig, hier den richtigen Spagat zu finden. Die etablierten Endungen haben den Vorteil, dass es über bald 20 Jahre ein natürliches Wachstum gegeben hat. Die besten Keyworddomains wurden meist zügig projektiert. Dies wird in Zukunft bei kaum einer neuen Endung funktionieren. Ohne schlüssiges Konzept der Domainvermarktung droht vielen Endungen das schnelle Vergessen.

Von Christoph Grüneberg

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