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Der Fall sex.com – Wie die teuerste Domain aller Zeiten gestohlen wurde

Geschrieben am 11 Oktober 2011 von von Domainvermarkter-Magazin

zuerst veröffentlicht im Domainvermarkter-Magazin 05

Die Domain sex.com wurde letztes Jahr offiziell als teuerste Domain aller Zeiten in das Guinness Buch der Rekorde aufgenommen. Die Firma SEDO hatte den Verkauf von sex.com am 17.11.2010 für 13 Mio. US-Dollar (ca. 9,5 Mio. Euro) erfolgreich vermittelt. Verkäufer war die Escom LLC, Käufer die Firma Clover Holdings Ltd.

Doch die Domain sex.com hat eine lange Vorgeschichte. Sex.com ist nicht nur die wertvollste Domain aller Zeiten, sondern auch Mittelpunkt des größten Domain-Diebstahls aller Zeiten. Und sex.com ist wohl die einzige Domain, der ein gesamtes Buch gewidmet wurde. Der Journalist Kieren McCarthy hat die Geschichte um sex.com aufgearbeitet (Quercus Verlag).

Es dauerte 12 Jahre, bis der ursprüngliche und rechtmäßige Eigentümer Gary Kremen seine gestohlene Domain zurückbekommen sollte. In diesen Jahren machte sein Gegenspieler, der Serienbetrüger Stephen Cohen, über 100 Mio. Dollar Profit mit der gestohlenen Domain. Als Gary Kremen nach langjährigen Prozessen die Domain endlich wiedererlangte und den Dieb hinter Gitter brachte, waren die ertragreichsten Zeiten der Domain schon wieder vorbei. Nur ein Bruchteil des finanziellen Schadens konnte tatsächlich ersetzt werden. Obwohl der Fall schnell hätte geklärt werden können, gelang es Stephen Cohen über ein Jahrzehnt, Gegner und Gerichte zum Narren zu halten.

Der Stanford-Absolvent Gary Kremen ist hochintelligent und hervorragend ausgebildet. Am 9. Mai 1994 reservierte er (als Erster) die Domain sex.com. Ebenso wurde er noch Inhaber von Domainnamen wie match.com, jobs.com, housing.com und autos.com. Wie konnte es dazu kommen, dass eineinhalb Jahre später ein Ex-Sträfling die Kontrolle über die wertvollsten Domains der Welt bekommen konnte? Durch die Gerichtsprozesse wurden alle Dokumente öffentlich, die dokumentieren, wie es zur Domainübertragung von sex.com kommen konnte.

Oft wurde berichtet, dass es ein einfacher gefälschter Brief war, der zur Übertragung der Domain führte. Mittlerweile steht aber fest, dass dieser gefälschte Brief erst Monate später angefertigt wurde. Tatsächlich bewies Cohen viel Raffinesse und Hartnäckigkeit, um sex.com zu stehlen. In den neunziger Jahren hatte die Firma Network Solutions Inc. (NSI) das Monopol über die Verwaltung der .com-Internetadressen. Und wie auch in anderen Fällen war die Schwachstelle nicht das Computernetzwerk der Registry, sondern die dort handelnden Personen. Stephen Cohen gelang es, durch „Social Engineering“ das System zu hacken. Cohen ist kein Computerfreak wie sein Opfer Kremen, dafür ist er ein Genie der Manipulation, der Ausreden, der Geschichten. Er ist ein geborener „Con-Man“ ein Betrüger, der Schwachstellen bei Personen blitzschnell erkennt und zu seinem Vorteil betrügerisch ausnutzt. Stephen Cohen versuchte auf verschiedenen Wegen, Kontrolle über sex.com zu erlangen. In verschiedenen Telefonaten lernte er dabei viel über das System, wie NSI funktioniert, und wer in der Organisation wofür zuständig war. Letztendlich sandte er ein Formular an NSI mit dem Wunsch, den alten Inhaber zu löschen und ihn als neuen Inhaber einzutragen. NSI sendete eine Bestätigungs-E-Mail an den Inhaber Gary Kremen, die dieser aber niemals erhielt. Der E-Mail-Account von Kremen war kurz zuvor von dem berüchtigten Hacker Kevin Mitnick übernommen worden. Auch rechnete Gary Kremen nicht damit, dass es wichtig wäre, auf seine E-Mails zu achten, damit seine Domain nicht verloren geht. Denn die Domain hatte er per Briefpost reserviert. Diese Umstände sorgten dafür, dass er nicht auf den Inhaberwechsel reagieren konnte und auch nicht von dem Versuch der Domainübernahme erfuhr. Cohen, der ebenfalls eine E-Mail von der NSI als neuer einzutragender Inhaber bekam, bestätigte hingegen seine Adressangaben und stimmte dem Transfer der Domain zu. Es war aber nicht allein die fehlende Antwort des Inhabers Kremen, die zur Übertragung der Domain sex.com durch NSI führte. Es bedurft e zudem der Überredungskunst eines Stephen Cohen. Über viele Domaintransaktionen hatte Cohen zuvor mit Mitarbeitern von NSI ein Vertrauensverhältnis aufgebaut; er war persönlich bekannt. Ebenso kam Cohen sicherlich der Umstand zugute, dass in den Anfangszeiten die Abläufe bei einer Domainregistrierung und Inhaberwechseln wenig bekannt waren. Gerade für Außenstehende waren die Prozeduren sehr undurchsichtig. So glaubte Gary Kremen z.B., dass man nur als Firma eine Domain reservieren könne, weshalb er eine nicht offi ziell bestehende Firma als Inhaber der Domain angab und sich selbst nur als Ansprechpartner. Ein folgenschwerer Fehler. Denn nach der ersten Ablehnung der Übertragung rief Cohen bei der NSI an, um mitzuteilen, dass Gary Kremen schon lange nicht mehr bei der als Domaininhaber eingetragenen Firma angestellt sei, sondern gefeuert wäre und deshalb auch die E-Mail-Adresse nicht funktionieren würde. Nicht funktionierende E-Mail-Adressen und gefeuerte Mitarbeiter sind alltägliche Probleme bei Domainregistrierungen. Auch heute kommt es noch vor, dass Domainnamen auf die private E-Mail-Adresse eines Angestellten reserviert werden, weil die Firma ja erst mit der Domain eigene E-Mail-Adressen erlangt … oder dass nach vielen Jahren einmal eingerichtete T-Online- oder AOL-Adressen längst aufgegeben wurden.

So drückte ein Angestellter der NSI ein Auge zu, weil er den Angaben des bekannten Kunden Stephen Cohen glaubte, und übertrug die Domain sex.com. Der Name des verantwortlichen Angestellten wurde nie bekannt. Es steht fest, das nur durch diesen Fehler von NSI die Übertragung der Domain ermöglicht wurde. Bis heute gibt es keine offizielle Stellungnahme von Network Solutions zu diesem Fall. Und es war das Verhalten von NSI, welches ermöglichte, dass Stephen Cohen so viele Jahre im Besitz der Domain bleiben konnte. Denn NSI hätte den Fehler umgehend rückgängig machen können. Man tat es aber nicht. Außer einer Mitteilung, man würde den Fall untersuchen, kam es zu keinerlei Reaktion gegenüber dem Opfer.

Vielleicht wäre die Geschichte anders verlaufen, wenn Gary Kremen zu dieser Zeit über genügend Kapital verfügt hätte, um Network Solutions Inc. umgehend zu verklagen. Er hatte aber nicht genügend Reserven, um einen Top-Anwalt zu engagieren. Und bis endlich der erste Gerichtstermin feststand, hatte sein Gegner schon über eine Millionen Dollar mit der Domain verdient und konnte mit diesen Einnahmen einen langen Gerichtsstreit locker finanzieren.

Christoph Grüneberg

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sex.com im Guinness Buch der Rekorde

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sex.com-Verkauf im Guinness Buch der Rekorde

Geschrieben am 22 Februar 2011 von von Christoph Grueneberg

Die Domain sex.com wurde nun offiziell in das Guinness Buch der Rekorde als teuerste Domain aller Zeiten aufgenommen. Die Firma SEDO hatte den Verkauf von Sex.com am17.11.2010 für 13 Mio. US-Dollar (ca. 9,5 Mio. Euro) erfolgreich vermittelt.  Verkäufer war die Escom LLC, Käufer die Firma Clover Holdings Ltd. Continue Reading

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